Allgemein: Ist es eine gute Idee, ein Geschäft in Thailand zu betreiben?

Als mein damaliger Geschäftspartner und ich Thailand ins Auge fassten, war ich 22 Jahre alt. Thailand war auf unserem Radar, weil er dort ein Praktikum gemacht hatte. Das war alles.

Von Anfang an waren die Hauptgründe, Thailand in Betracht zu ziehen, die niedrigeren Kosten und die Flexibilität eines webbasierten Unternehmens: Alles schien deutlich günstiger zu sein, und unsere Kunden interessierte es nicht, ob wir in Deutschland oder Thailand saßen. Mein Geschäftspartner hatte einige berufliche Kontakte in Bangkok – nichts Anrüchiges, aber „jemanden, dem man vertraut und den man fragen kann“.

Das war ein guter Ausgangspunkt, gerade weil wir vollständig auf Eigenfinanzierung setzten.

Der Due-Diligence-Prozess, der den Rest meines Lebens bestimmen sollte, lief auf einige grundlegende Fragen hinaus: Ist Thailand wirklich daran interessiert, dass ausländische Investoren erfolgreich sind? Leben Thais gern mit einer Expat-Community zusammen? Ist die Infrastruktur – vom Arbeitsmarkt bis zu internationalen Internetverbindungen – ausreichend funktionsfähig? Sind die Kosten im Vergleich zu Deutschland spürbar niedriger?

Ehrlich gesagt: Für viele dieser Fragen hatten wir schlicht keine Daten. Was wir hatten, waren Eindrücke aus der Geschichte (z. B. keine gewalttätigen Übergriffe auf Ausländer), aus Gesprächen (z. B. mit dem Thailand Board of Investment) und – mangels eines besseren Begriffs – aus persönlichen Bauchgefühlen. Am Ende war es eine Entscheidung aus dem Bauch heraus.

Im Rückblick halte ich das für den richtigen Ansatz. Bei vielen Entscheidungen im Leben (und im Geschäftsleben) fehlen schlicht die relevanten Zahlen. Natürlich ergibt es Sinn, Kennzahlen als „Plausibilitätsprüfung“ heranzuziehen – etwa mit einer Liquiditätsplanung –, um grobe Fehleinschätzungen zu erkennen. Doch viele der Informationen, die echten Erfolg ausmachen, lassen sich schwer quantifizieren. Wer es trotzdem versucht, riskiert eine trügerische Sicherheit.

„Bauchgefühl“ gilt unterhalb der Vorstandsebene selten als anerkannte Entscheidungsgrundlage – dabei berücksichtigt es in der Praxis oft mehr Faktoren und trifft genauer als die rationalen Begründungen, die wir uns im Nachhinein zurechtlegen, um bereits vorhandene Gefühle zu rechtfertigen.

Das bedeutet nicht, dass es keine handfesten, rationalen Argumente für Thailand als Unternehmensstandort gibt. Ich habe nicht alle vorhergesehen, aber im Rückblick sehe ich klar, was uns den Einstieg erleichtert hat. Hier ist die Liste mit allen gloriosen, rationalen Vorteilen – mit dem Vorteil der Rückschau.

Jurisdiktion

Thailand bietet grundsätzlich die Möglichkeit eines Single-Jurisdiction-Setups.

Wer ein Software-, Digital- oder Tech-Startup betreibt, kann von Investitionsförderungen des Board of Investment (BOI) profitieren – darunter die Möglichkeit, das Unternehmen zu 100 % zu besitzen (in vielen Entwicklungsmärkten ein echtes Problem), erleichterter Zugang zu Arbeitsgenehmigungen und je nach geförderter Tätigkeit Körperschaftsteuerbefreiungen von bis zu acht Jahren, wobei bestimmte Technologie- und Innovationsaktivitäten nach aktuellen BOI-Regeln noch längere Befreiungen erhalten können.

Das macht es möglich, Unternehmen und Wohnsitz in einer einzigen Jurisdiktion zu halten – was auf der administrativen, rechtlichen und buchhalterischen Seite erheblich Zeit, Geld und vor allem Nerven spart.

Viele greifen auf Offshore-Strukturen oder komplexere Konstruktionen zurück, die durchaus Sinn ergeben können – besonders wenn man ein wirklich internationales Unternehmen mit entsprechenden Gewinnen hat. Doch kleine Unternehmen unterschätzen oft den künftigen Verwaltungsaufwand und die laufenden Kosten solcher Strukturen.

Für Freelancer und virtuelle Teams sieht es anders aus – wer aber ein festes Team vor Ort führen möchte, profitiert erheblich von einem Single-Jurisdiction-Setup.

Buchhaltung

Was Recht, Buchhaltung und sonstige Verwaltungsaufgaben betrifft: Es gibt zahlreiche qualifizierte Dienstleister, die Unternehmen in Thailand bei allem unterstützen – von Streitigkeiten über geistiges Eigentum bis hin zu regelkonformer Buchführung.

Es ist günstiger als in Singapur oder Hongkong, aber an die Kosten in Deutschland kommt es trotzdem nicht heran. Ja, Buchhaltung und Rechtsberatung sind in Thailand teurer als in Deutschland (hier findest Du eine Aufschlüsselung meiner eigenen Betriebskosten). Das liegt hauptsächlich am Mangel automatisierter Dienstleistungen, an Sprachanforderungen, daran, dass es sich um ein ausländisches Unternehmen handelt, und an einem deutlich zentralisierteren Betrieb.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich Gründern empfehle, zunächst im Heimatland zu gründen. Man vermeidet dadurch viele Kopfschmerzen und zusätzliche Kosten – und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren: das Wachstum des Unternehmens.

Bangkok übertrifft andere Städte in Thailand in dieser Hinsicht natürlich bei weitem – aber da mittlerweile vieles elektronisch abgewickelt wird, ist es längst kein so großes Problem mehr, außerhalb der Hauptstadt zu sitzen wie früher.

Rechtslage

Es gibt gewisse Vorbehalte gegenüber dem Rechtsrahmen. Thailand ist nicht Singapur, die USA oder Deutschland – aber bei der großen Mehrheit der Geschäftstransaktionen herrscht eine verlässliche Rechtsstaatlichkeit. Kurz gesagt: Für die meisten Unternehmer bedeutet das, man kann mit vernünftigem Vertrauen und Effektivität arbeiten.

Allerdings funktionieren Gerichte hier anders, als man es von zu Hause kennt. Meine generelle Empfehlung: Rechtsstreitigkeiten vermeiden – egal ob arbeitsrechtlich, mit Vermietern oder wegen Geschäftsstreitigkeiten. In Thailand werden Konflikte oft außerhalb von Gerichtssälen gelöst (und damit meine ich nicht Motorrad-Schläger, sondern echte Gespräche). Man schützt seine Interessen damit nicht immer vollständig, hat aber auch deutlich weniger Risiko, selbst verklagt zu werden. Ob das unterm Strich vorteilhaft ist, hängt stark vom eigenen Geschäftsmodell und -verhalten ab.

Meine Empfehlung: proaktiv vorgehen und sich selbst mit rechtlichen und Compliance-Themen beschäftigen. Niemand kennt das eigene Unternehmen besser als man selbst – wer rechtliche Risiken versteht, statt sich blind auf externe Berater zu verlassen, kann Probleme im Keim ersticken, bevor sie teuer werden.

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Generell rate ich dazu, frühzeitig Anwaltskanzleien aufzusuchen (mehr dazu in meinem Leitfaden zur Anwaltswahl in Thailand). Viele geben Dir gern 30 Minuten ihrer Zeit, um sich zu präsentieren – und teilen dabei oft wertvolle Hinweise in der Hoffnung, Dich als Mandanten zu gewinnen. Eine günstige Möglichkeit, sich einen Überblick über die rechtliche Landschaft zu verschaffen. Viele Botschaften stellen Listen lokaler Kanzleien zur Verfügung, allerdings ohne ausdrückliche Empfehlung.

Personal

In Thailand findet man viele qualifizierte Kandidaten, und das Gehaltsniveau liegt deutlich unter dem westlicher Länder.

Die Recruitingmöglichkeiten sind vielfältig: Stellenanzeigen auf Job-Portalen, Networking-Events oder Personalvermittlungsagenturen, die nach Deinen Anforderungen suchen und vorqualifizieren.

Wie man in Thailand gute Mitarbeiter findet, haben wir in unserem Artikel über die Einstellung von Talenten in Thailand ausführlich beschrieben.

Einheimische

Ich bin sehr zufrieden mit den Mitarbeitern, die ich hier gefunden habe. Bangkok ist aus mehreren Gründen ein starker Arbeitsmarkt – es gibt viele qualifizierte Einheimische (einer meiner früheren Angestellten hat später einen MBA an einer Eliteuniversität gemacht und arbeitet jetzt für Google in Australien).

Englisch kann manchmal eine Herausforderung sein, aber es gibt viele Absolventen internationaler Schulen sowie Ausländer, die hier arbeiten möchten (zu Gehältern, die mit Einheimischen vergleichbar sind) – ein Thema, das mich bisher aber nicht ernsthaft gebremst hat.

Man kann auch Thai-Projektmanager einstellen, die dann an die Philippinen oder sogar in die USA auslagern (das mache ich selbst häufig). So umgeht man den Aufwand, direkt mit Freelancern zu jonglieren, indem man lokale Manager als Puffer nutzt. Besonders Tech-Unternehmen können das als regionales Operationszentrum betrachten (nicht zu verwechseln mit älteren Rechtskonzepten wie dem inzwischen abgelösten „Regional Operating Headquarters“-Regime, das durch andere Konstrukte wie das International Business Center ersetzt wurde und einige Fallstricke mit sich bringt, die man lieber vermeidet, wenn man nicht genau weiß, worauf man sich einlässt).

Andere Städte in Thailand können günstigere Gehälter bieten, aber das verfügbare Talent ist dort deutlich eingeschränkter. Chiang Mai hat in den letzten Jahren aufgeholt und zieht vor allem ausländische Fachkräfte an, die nach Thailand ziehen möchten – die niedrigeren Lebenshaltungskosten und die Nähe zur Natur sind attraktiv (allerdings sollte man die Burning Season von etwa Januar bis April bei der Personalplanung im Hinterkopf behalten).

Wer mehr über die Zusammenarbeit mit Einheimischen erfahren möchte, kann sich auch unseren Artikel zu interkulturellen Managementherausforderungen in Thailand durchlesen.

Expatriates

Ein oft unterschätzter Vorteil des thailändischen Arbeitsmarkts: Kleine Unternehmen können hochqualifizierte Expatriates einstellen. Thailands Ruf als Land mit sehr hoher Lebensqualität bei niedrigen Lebenshaltungskosten ist ein echter Trumpf für Unternehmen, die Tech-Talente gewinnen wollen.

Von Systemadministratoren, die der Kälte Schwedens entfliehen und nach Thailand ziehen möchten, bis hin zu Fintech-Spezialisten aus London und Programmierern aus dem Bay Area: Thailand wird aktiv von sehr qualifizierten Fachkräften gesucht, die aus unterschiedlichen Gründen mit den klassischen Karrierewegen in ihrer Heimat nicht mehr glücklich sind.

Das ermöglicht es durchschnittlichen Unternehmen, im Talentmarkt mit deutlich besser finanzierten Start-ups aus den globalen Tech-Hochburgen zu konkurrieren. Ich habe mehrere Unternehmen gesehen, die erfolgreich waren, weil sie einen erheblichen Anteil ausländischer Mitarbeiter eingestellt haben – von deutschen Sekretärinnen bis hin zu finnischen Webentwicklern – und so ihren Kunden in der Heimat qualitativ hochwertige Dienstleistungen zu einem Bruchteil des Preises anbieten konnten.

Miete

Die Mieten in Bangkok sind in den letzten Jahren zwar deutlich gestiegen, liegen aber im Vergleich zu anderen Metropolen immer noch auf einem niedrigen Niveau. Ich habe zeitweise etwas mehr als 850 € pro Monat für Miete und Nebenkosten für ein Team von 10 Personen gezahlt (wer günstiges Büro sucht, für den gelten ähnliche Tipps wie beim Mieten einer Wohnung in Bangkok).

Angesichts des chronischen Verkehrschaos ist die Erschwinglichkeit der Mieten in der Innenstadt ein wichtiger Faktor. Nah am Büro zu wohnen ist der einfachste Weg, mit dem Verkehrskollaps umzugehen.

Ein Serviced Office in Bangkok ist ebenfalls eine gute Option – besonders wenn man sofort loslegen will, ohne auf einen Mietvertrag warten zu müssen.

Insgesamt bietet das Land reichlich Büroflächen: von Prestigelagen im zentralen Geschäftsviertel Bangkoks bis hin zu grünen Gewerbeparks am Stadtrand von Chiang Mai.

Wer noch unsicher ist oder im ersten oder zweiten Jahr stark wachsen möchte, kann mit Serviced-Office-Flächen starten – in Bangkok gibt es kein Angebot an monatlich mietbaren Büros, allerdings zahlt man dafür einen gewissen Aufpreis.

Infrastruktur

Das gilt auch für die meiste Infrastruktur, von Verkehr bis Internet: Verfügbar und erschwinglich. Stromausfälle kommen vor, waren in meiner Erfahrung im Büroalltag aber kein häufiges Problem. Lokale Server mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung auszustatten ist für unsere Betriebsgröße eine praktikable Lösung.

Es gibt keine Kommunikationsmonopole, die zu überhöhten Gebühren führen, keine Stromversorgungsprobleme, die teure Notstromsysteme erfordern, und keine Qualitätsmängel, die Nicht-Satellitenverbindungen zum Glücksspiel machen. Es läuft nicht immer alles perfekt, aber als Faustregel kann man sagen: Die Infrastruktur funktioniert ausreichend gut zu einem vernünftigen Preis.

Lebensqualität

Einen Karriere- (oder Standort-)Wechsel zu vollziehen ist für Unternehmer oft schwerer als für Angestellte. Wer seinen Hauptsitz ins Ausland verlegt, muss langfristiger planen als jemand, der einen Job wechselt.

Was heute ein großer Vorteil ist, kann in 5 bis 10 Jahren ein Nachteil werden. Deshalb lohnt es sich, ein Land nicht nur im Hinblick auf die nächsten Jahre zu bewerten. Thailand ist in mehreren Lebensphasen eine passable Wahl.

  • Gesundheit. Bangkok hat einige Weltklasse-Krankenhäuser. Kombiniert mit sehr erschwinglichen Krankenversicherungstarifen (oft speziell für Südostasien) ergibt das ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Kein Zufall, dass viele Menschen Thailand als Altersruhesitz wählen – man muss sich weniger Sorgen ums Älterwerden machen. Ein häufig genanntes Problem, die Luftqualität, kann im Winter schlecht sein.
  • Bildung. Wer Kinder hat, steht vor einer echten Herausforderung – für viele Familien ist das das größte Hindernis beim Auswandern. Bangkoks Schulen sind nicht günstig, aber zumindest gibt es internationale Privatschulen, sodass es kein absolutes K.O.-Kriterium ist. Allerdings ist man für die Schulbildung wahrscheinlich im Heimatland besser aufgehoben – es sei denn, man ist bereit, 17.000 € oder mehr pro Jahr und Kind für eine der Top-Highschools auszugeben. Universitäten dagegen sind sehr erschwinglich, tauchen aber selten in den oberen Rängen internationaler Hochschulrankings auf.
  • Community. Bangkok hat eine der größten Expat-Communities – was bedeutet, dass man nicht nur viele auf Ausländer ausgerichtete Angebote findet, sondern auch viele Menschen mit ähnlichen Interessen und Hintergründen. Mag für Reisende seltsam klingen, aber wer langfristig irgendwo lebt, vermisst solche Dinge schnell. Weitere für Unternehmen geeignete Städte mit einer nennenswerten Expat-Community sind Chiang Mai und Phuket.
  • Verkehr. Bangkok ist ein internationaler Flughafen-Hub. Singapur und Hongkong sind in etwa drei Stunden oder weniger erreichbar, und es gibt viele Reiseziele in der Nähe für ein Wochenende. Die zentrale Lage in Südostasien und die Beliebtheit als Touristenziel sorgen für viele Besucher – eine schöne Möglichkeit, den Kontakt zur Heimat und zu Freunden zu pflegen. Im Alltag findet man ebenfalls problemlos Transportmittel (z. B. Taxis und Ride-Hailing-Apps wie Grab und Bolt), aber die Staus sind so schlimm, dass man seinen Alltag und Terminkalender de facto danach ausrichtet.

Die Lebensqualität hier lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: „komfortabel“ – für Singles und Paare. Die meisten Produkte und Dienstleistungen sind gut verfügbar und vernünftig bepreist. Mit einer Familie kann das Bild etwas anders aussehen.

Fazit

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Schulbildung ist ein Problem. Dazu kommt die Schwierigkeit, externe Finanzierung zu bekommen, wenn man in Bangkok gegründet hat (der gängigste Weg ist die Gründung einer Holdinggesellschaft in Singapur).

Trotzdem ist es ein solider Unternehmensstandort mit kaum echten Ausschlusskriterien und vielen praktischen Vorteilen, die mich froh machen, Bangkok als unseren Standort gewählt zu haben.

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