Wer nach Thailand reist, oder eigentlich in jedes andere Land Südostasiens, bemerkt schnell: Motorräder sind überall. Der Grund liegt auf der Hand. Motorräder sind günstig in der Anschaffung, günstig im Unterhalt, schlängeln sich mühelos durch verstopfte Straßen und kommen auch durch enge Gassen und Seitenwege. Für viele langjährige Expats in Thailand ist der Kauf eines Motorrads daher eine klare Sache.
Allerdings gibt es auch einige Nachteile, allen voran Thailands extrem hohe Zahl an Verkehrstoten, von denen die meisten Motorradfahrer sind. Auf Thailands Straßen kann es schnell passieren, dass Du von einem Bus gestreift oder von einem Pick-up erfasst wirst, der bei Rot über die Kreuzung fährt.
Motorradfahren in Thailand ist definitiv nichts für schwache Nerven, aber für manche Expats überwiegen am Ende die vielen Vorteile.
Falls Du Dich bereits entschieden hast, ein Motorrad zu kaufen, begleitet Dich dieser Artikel durch den gesamten Prozess. Wir gehen auf die Vor- und Nachteile von Neu- und Gebrauchtkauf ein, zeigen Dir, wie und wo Du Dein Motorrad legal anmeldest, und geben Dir Tipps für die erste Fahrt auf Thailands Straßen.
Außerdem erfährst Du, wie Du Dein Motorrad in Top-Zustand hältst und wo Du die Steuer bezahlst, damit alles legal bleibt.
Contents
- Das Wichtigste in Kürze
- Solltest Du Dir in Thailand ein Motorrad kaufen?
- Wo Du Dein Motorrad kaufen kannst
- Das richtige Motorrad finden
- Elektromotorräder
- Solltest Du Dir ein Elektromotorrad kaufen?
- Motorrad anmelden oder ummelden
- Motorradfahren in Thailand
- Nächste Schritte
- Häufig gestellte Fragen
- Wie viel kostet ein Motorrad in Thailand?
- Sollte ich ein neues oder gebrauchtes Motorrad kaufen?
- Können Ausländer in Thailand ein Motorrad kaufen und anmelden?
- Was ist ein grünes Buch, und wozu brauche ich es?
- Kann ich ein Motorrad in Thailand finanzieren?
- Welche sind die besten Motorradmarken in Thailand?
- Brauche ich eine Versicherung für mein Motorrad in Thailand?
- Wie hoch ist die jährliche Motorradsteuer in Thailand?
- Quellen
Das Wichtigste in Kürze
- Motorräder sind in thailändischen Städten schnell, günstig und praktisch. Ein Fahrer berichtete, dass er in unter 15 statt 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommt, bei laufenden Kosten von rund THB800 im Monat.
- Der größte Nachteil ist die Sicherheit. Thailand hat eine der höchsten Verkehrstotenraten der Welt, und die meisten Opfer sind Motorradfahrer.
- Die meisten Expats kommen gut mit einem kleinen 125-ccm-Automatikroller zurecht. Der Honda Click und der Yamaha GT kosten neu zwischen THB45.000 und 51.000, die 155-ccm-Modelle Honda PCX oder Yamaha Nmax liegen bei THB80.000 bis 110.000.
- Wer gebraucht bei einem ausreisenden Expat kauft, zahlt oft nur die Hälfte oder sogar ein Drittel des Neupreises. Trotzdem gilt: immer erst Probe fahren und Licht, Bremsen und Reifen prüfen.
- Um legal zu fahren, brauchst Du einen Motorradführerschein, eine Pflichtversicherung und ein grünes Fahrzeugbuch. Neue Motorräder kommen mit dem grünen Buch; bei einem Gebrauchtkauf musst Du zur zuständigen DLT-Behörde, bei der das Fahrzeug ursprünglich angemeldet wurde.
- Die jährliche Kfz-Steuer ist praktisch zu vernachlässigen. Für einen Honda Click zahlst Du THB100 im Jahr, und in den ersten fünf Jahren geht das sogar online.
- Elektromotorräder gewinnen an Beliebtheit. Angemeldete Modelle starten bei rund THB35.000 und kosten im Betrieb nur THB0,1 pro Kilometer, allerdings kommt alle 5 bis 10 Jahre ein Batteriewechsel als Zusatzkosten hinzu.
Solltest Du Dir in Thailand ein Motorrad kaufen?
Die Antwort hängt von folgenden Faktoren ab:
- Standort: Wenn Du in einer Stadt mit viel Verkehr wie Bangkok oder Chiang Mai lebst, sparst Du mit einem Motorrad jede Menge Zeit.
- Fahrerfahrung: Motorradfahren in Thailand kann gefährlich sein. Du solltest schon etwas Fahrpraxis mitbringen, bevor Du Dir ein Motorrad zulegst. Mehr dazu liest Du in unserem Artikel über sicheres Motorradfahren in Thailand.
- Familie: Mit Kindern würde ich vom Motorradfahren abraten. Mit dem Auto ist es deutlich sicherer.
Wenn Du also sicher fährst und in einer verkehrsreichen Stadt lebst, hat ein eigenes Motorrad einige klare Vorteile:
- Geschwindigkeit: Mit dem Motorrad kommst Du sehr schnell von A nach B. Von meinem Condo zur Arbeit brauche ich beispielsweise keine 15 Minuten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wären es mindestens 30.
- Kosten: Es ist die günstigste Art, sich in Thailand fortzubewegen. Für mein Motorrad zahle ich inklusive Sprit und Wartung nur THB800 im Monat.
- Praktisch: Parkplätze für Motorräder gibt es überall, und auch eine Werkstatt zur Wartung findest Du im Handumdrehen.
Nach mehr als vier Jahren als Motorradfahrer in Bangkok sehe ich vor allem folgende Nachteile:
- Sicherheit: Motorradfahren ist hier nicht immer ungefährlich. Du musst ständig wachsam bleiben, denn es gibt viele rücksichtslose Fahrer. Die Straßen sind nicht immer gut in Schuss, und Schlaglöcher tauchen an den unerwartetsten Stellen auf.
- Regenzeit: Motorradfahren in der Regenzeit ist eine echte Herausforderung. Starker Regen macht alles schwieriger, das Fahren wird deutlich riskanter, und Unfälle passieren leicht. Außerdem besteht die Gefahr plötzlicher Überschwemmungen.
Wo Du Dein Motorrad kaufen kannst
Die erste Entscheidung beim Motorradkauf: neu oder gebraucht?
Wie immer hat beides Vor- und Nachteile. Beim Neukauf bekommst Du garantiert Top-Qualität direkt ab Werk, mit minimalem Risiko, dass der Motor schon nach einem halben Kilometer wieder streikt. Außerdem kannst Du finanzieren und in den ersten fünf Jahren die Kfz-Steuer online bezahlen, ohne den lästigen jährlichen Behördengang. Gebrauchte Motorräder sind dagegen oft deutlich günstiger, und viele sind genauso fahrtüchtig wie ein Neufahrzeug.
Schauen wir uns an, wo Du in beiden Fällen fündig wirst:
Neukauf
Motorradhändler gibt es überall in Thailand. Große Marken wie Honda und Yamaha haben eigene Autohäuser, aber auch einige unabhängige Händler sind unterwegs, die bei Verhandlungsgeschick oft ein besseres Angebot machen. Viele stellen ihre Motorräder direkt auf dem Gehweg aus, sodass sich die Preise leicht vergleichen lassen.

Bevor Du beim Händler ein Motorrad kaufst, brauchst Du folgende Unterlagen:
- Deinen Original-Reisepass sowie Kopien der Passfoto-Seite, des aktuellen Visums und des Verlängerungsstempels.
- Residence Certificate: hier erfährst Du, wie Du eines bekommst.
Wenn Du Dein Motorrad auf Raten (Hire Purchase) kaufen möchtest, brauchst Du folgende Unterlagen:
- ein Langzeitvisum und einen Einkommensnachweis: ein Business-Visum oder eine Arbeitserlaubnis reicht aus.
- sechs Monate Kontoauszüge
- und in der Regel einen Nachweis Deiner Beschäftigung, etwa Deinen Arbeitsvertrag.
Leider steht die Finanzierung Inhabern eines Touristenvisums nicht offen; stattdessen legen Händler manchmal kleine Extras drauf, etwa eine Jacke mit Logo oder ein Jahr Kfz-Steuer geschenkt.
Tipp: Viele unabhängige Händler drängen Dich zum Leasing, weil es für sie profitabler ist, und setzen die Preise dafür auch etwas höher an. Ist das der Fall, geh einfach zum offiziellen Händler.
Gebrauchtkauf
Wenn Du über einen Gebrauchtkauf nachdenkst: Es gibt einen Weg, ein Motorrad in top Zustand für fast die Hälfte des Neupreises zu bekommen. In unserem exklusiven Artikel erfährst Du mehr.
Der Gebrauchtkauf ist wohl der häufigste Weg, wie Expats an ihr Motorrad kommen, meist von anderen Expats. Ständig kehren Leute in ihre Heimat zurück und wollen ihr Motorrad vor der Abreise loswerden, oft zu einem echten Schnäppchenpreis. Es ist keine Seltenheit, nur die Hälfte oder sogar ein Drittel des Händlerpreises zu zahlen.
Beim Gebrauchtkauf ist etwas Vorsicht angebracht, vor allem wenn Du von einem fremden Dritten kaufst.
- Bitte um eine Probefahrt, um zu sehen, wie sich das Motorrad fährt.
- Funktionieren Licht und Bremsen einwandfrei?
- Qualmt der Auspuff?
- Sind die Reifen abgefahren?
- Tritt Öl aus?
Gibt es ein Problem mit dem Motorrad, lässt Du besser die Finger davon, egal wie gut der Preis ist.
Tipp: Wenn Du von privat kaufen möchtest, hast Du viele Möglichkeiten. Facebook Marketplace ist eine Option, und in Facebook-Gruppen wie dem Bangkok Expats Classifieds Forum finden sich regelmäßig Angebote. Außerdem gibt es überall in Thailand Gebrauchtwarenhändler; viele sind einfache Freiluftstände unter Plane, bei denen die Preise direkt auf der Windschutzscheibe stehen.
Mieten
Viele Expats verzichten ganz auf den Kauf und mieten stattdessen ihr Motorrad. Das bringt einige Vorteile mit sich. Du musst Dich nicht um den lästigen Wiederverkauf kümmern, sondern gibst das Motorrad einfach beim Verleih zurück. Auch die Wartung ist im Preis enthalten, sodass Dich keine Überraschungsrechnung erwartet, wenn plötzlich Öl austritt.
Langfristig lohnt sich das Mieten finanziell aber weniger, besonders weil gebrauchte Motorräder so günstig sind. Ein Honda Click für THB20.000 hat sich schon nach einem Jahr amortisiert, wenn Du ihn kaufst statt mietest.
Manche Verleiher wie Fatboy’s bieten Miet-Kauf-Modelle an, die das Beste aus beiden Welten verbinden, wobei diese meist etwas teurer kommen als ein direkter Gebrauchtkauf.
Das richtige Motorrad finden
Sobald Du weißt, wo Du kaufst, geht es an die Auswahl des passenden Motorrads.
Für die meisten Expats, die einfach zur Arbeit und zurück kommen wollen, reicht ein kleiner 125-ccm-Roller völlig aus.
Zwei der beliebtesten Modelle sind der Honda Click und der Yamaha GT, leichte und leicht zu fahrende Automatikmotorräder. Etwas wuchtiger, im Vespa-Stil, sind der Yamaha Fino und der Honda Scoopy. Neu kosten all diese Modelle je nach Ausführung und Händler zwischen THB45.000 und THB51.000.
Wenn Du auch längere Strecken fahren möchtest oder einfach etwas mehr Power willst, sind beliebte 155-ccm-Modelle der Honda PCX und der Yamaha Nmax. Beide kosten neu zwischen THB80.000 und THB110.000.
Wer richtig Benzin im Blut hat, denkt vielleicht über ein Sportmotorrad nach. Beliebt sind etwa die 400-ccm-Kawasaki Ninja oder die auffallend stylische 350-ccm-Royal Enfield Bullet.

Für eine neue Ninja zahlst Du mindestens THB300.000 (meist eher über eine Million). Die Bullet ist deutlich günstiger und startet bei rund THB150.000.
Elektromotorräder
Neben einem Benziner kommt inzwischen auch ein Elektromotorrad infrage, das in Thailand immer beliebter wird.
Da der Markt noch jung ist, stammen die meisten E-Motorräder in Thailand von thailändischen oder chinesischen Marken, die Dir vermutlich noch unbekannt sind.
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten von Elektromotorrädern:
- nicht angemeldete Elektromotorräder
- angemeldete Elektromotorräder
Nicht angemeldete Elektromotorräder
Für diesen Typ bekommst Du kein Kennzeichen und kein grünes Buch. Das heißt, Du darfst damit nicht legal auf der Straße fahren. Er eignet sich vor allem für kurze Strecken in der näheren Umgebung.
Dafür ist der Preis niedrig, oft 2- bis 3-mal günstiger als ein angemeldetes E-Motorrad mit vergleichbaren Daten.
Und Du kannst es direkt online kaufen, zum Beispiel bei Lazada.
Angemeldete Elektromotorräder
Mit einem angemeldeten E-Motorrad bekommst Du Kennzeichen und grünes Buch wie bei einem normalen Motorrad.
Dafür ist der Preis deutlich höher als bei einem nicht angemeldeten Modell. Ein einfaches E-Motorrad startet in der Regel bei THB35.000.
Wenn Du ein gutes E-Motorrad mit rund 80 Kilometern Reichweite pro Ladung suchst, solltest Du mit mindestens THB60.000 rechnen.
Beliebte Marken sind Deco, Sleek EV, EM, Lyva, Scomadi und Zeeho.
Elektromotorräder im Vergleich
Damit Du einen besseren Überblick über die aktuellen E-Motorrad-Modelle bekommst, vergleicht die folgende Tabelle beliebte Marken und Modelle.
| Modell | Sleek Play | EM Owen | Lyva MKK | Scomadi TURISMO ELECTRONICA | ZEEHO AE8 S+ |
| Preis | THB66.900 | THB58.900 | THB75.000 | THB149.900 | THB149.900 |
| Watt | 3.000 Watt | 2.500 Watt | 2.500 Watt | 3.000 Watt | 5.000 Watt |
| Höchstgeschwindigkeit | 90 km/h | 75 km/h | 85 km/h | 90 km/h | 100 km/h |
| Reichweite | 80 km | 100 km | 100 km | 100 km | 140 km |
| Akkutyp | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen | LFP-Akku | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen NMC |
| Ladezeit | 3,5 Stunden | 4 Stunden | 4 Stunden | 4 Stunden | 6 Stunden |
Solltest Du Dir ein Elektromotorrad kaufen?
Um Dir die Entscheidung zu erleichtern, hier die wichtigsten Vor- und Nachteile von Elektromotorrädern in Thailand.
Vorteile:
- Praktisch: Keine Tankstopps mehr nötig, Du lädst einfach zu Hause auf.
- Energiekosten: Ein E-Motorrad kostet nur THB0,1 pro Kilometer, 8- bis 10-mal günstiger als ein Benziner.
- Lautstärke: Elektromotorräder sind sehr leise, vom Motor hörst Du kaum etwas.
- Umweltfreundlich: Keine Abgase mehr.
- Wartung: Kein regelmäßiger Ölwechsel mehr nötig, das macht die Pflege einfacher.
Nachteile:
- Parkplatz: Du brauchst einen Stellplatz mit Steckdose in der Nähe.
- Reichweite: Die meisten E-Motorräder schaffen bis zu 100 Kilometer pro Ladung.
- Markenreputation: Alle E-Motorrad-Marken sind noch jung. Wie sich die Qualität langfristig hält, ist noch offen.
- Akkukosten: Alle 5 bis 10 Jahre steht ein Batteriewechsel an, der bis zu einem Drittel des Motorradpreises kosten kann.
- Preis: Im Vergleich zu Benzinmotorrädern ist der Einstiegspreis deutlich höher.
Mehr erfahren: Elektromotorräder in Thailand: Vorteile, Preise und wo Du kaufen kannst
Motorrad anmelden oder ummelden
Damit ein Fahrzeug in Thailand straßenzugelassen ist, braucht es ein tabien rot, besser bekannt als „grünes Buch“. Darin stehen alle bisherigen Besitzer des Motorrads, die Fahrgestellnummer und das Kennzeichen.
Beim Neukauf beim Händler bekommst Du das grüne Buch direkt mit. Beim Gebrauchtkauf musst Du den Besitzerwechsel dagegen selbst beim Department of Land Transport eintragen lassen.
So geht’s:
Benötigte Unterlagen
Für die Anmeldung brauchst Du Folgendes:
- Antragsformular: Das bekommst Du direkt beim DLT-Amt.
- Eine Kopie Deines Reisepasses (Passfoto-Seite, aktuelles Visum und letzter Einreisestempel) sowie das Original.
- Residence Certificate: erhältlich bei der Einwanderungsbehörde oder Deiner Botschaft.
- Das Original des grünen Buchs.
- Kopien des Reisepasses des bisherigen Besitzers (bei Ausländern) oder des Personalausweises (bei Thailändern).
- Eine Kopie des tabien baan (Hausregisterbuchs) des aktuellen Besitzers; kaufst Du von einem Ausländer, reicht hier auch ein Residence Certificate.
Der Vorgang kostet THB200, dazu kommen THB300 für die Pflichtversicherung.
Department of Land Transport
Sobald Du alle Unterlagen beisammen hast, geht es zum Department of Land Transport, um die Ummeldung einzutragen. Wichtig: Du musst zu der Filiale, bei der das Motorrad ursprünglich angemeldet wurde, nicht zu Deiner örtlichen Filiale (falls das nicht dieselbe ist); diese Information steht normalerweise in Deinem grünen Buch.

Am besten fahren Käufer und Verkäufer gemeinsam zum DLT, das vermeidet Missverständnisse und Probleme. Auch das Motorrad solltest Du am besten mitbringen, falls eine Inspektion nötig ist.
Tipp: Beim DLT reichst Du einfach Deine Unterlagen und das Geld ein und wartest, bis die Ummeldung abgeschlossen ist. Das geht meist recht flott: Ohne großen Andrang bist Du in unter einer Stunde fertig. Ab jetzt gehört Dir das Motorrad offiziell!
Versicherung
Wie bereits erwähnt, musst Du im Rahmen der Anmeldung eine Pflichtversicherung fürs Motorrad abschließen. Diese deckt im Schadensfall aber nur die medizinischen Kosten ab, und auch das nur im absoluten Mindestmaß.
Wenn Du Dir Sorgen um Schäden am Motorrad oder Haftungskosten im Unfallfall machst, solltest Du zusätzlich eine private Versicherung abschließen.
Es gibt vier Versicherungsstufen für Motorräder:
- Typ 1: Die teuerste Stufe, meist für große Motorräder (ab 250 ccm) und/oder neuere Fahrzeuge (unter sieben Jahren). Typ 1 deckt so gut wie jeden Fall ab, auch Unfälle ohne Beteiligung Dritter.
- Typ 2+: Im Grunde wie Typ 1, deckt aber keine Unfälle ohne Beteiligung Dritter ab. Reparaturen werden zudem nur in unabhängigen Werkstätten übernommen, nicht bei offiziellen Marken-Werkstätten (z. B. Honda).
- Typ 2: Bietet denselben Schutz wie Typ 2+, deckt aber keine Unfälle ab.
- Typ 3+: Diese Police deckt Unfälle und Kollisionen ab, aber keine Schäden aus anderen Ursachen (z. B. Feuer, Überschwemmung, Diebstahl). Dafür ist sie günstiger als die oben genannten Stufen.
Es gibt außerdem eine Typ 3-Stufe, die ist aber derzeit nur für Autos verfügbar.
Einen ausführlichen Leitfaden zur Motorradversicherung findest Du in diesem Artikel.
Motorradfahren in Thailand
Du hast Dein Motorrad gekauft und bist bereit für die erste Fahrt. Das kann ganz schön einschüchternd sein, also: Worauf solltest Du achten?

Foto Phoebe Storm
„Sicher“ gibt es beim Motorradfahren in Thailand (wie eigentlich überall) nicht wirklich. Aber mit ein paar wichtigen Maßnahmen lassen sich viele Risiken deutlich reduzieren.
Vergiss nicht, Dir einen Motorradführerschein zu besorgen, den Du hier für legales Fahren brauchst.
Schutzkleidung tragen
Klar, auf Thailands Straßen sieht man selten jemanden in kompletter Lederkombi. Trotzdem solltest Du nie ohne guten (idealerweise Integral-)Helm, richtigem Schuhwerk (keine Flip-Flops) und robuster Kleidung wie Jeans und Lederjacke losfahren.
Zugegeben, bei einem Sturz mit hohem Tempo bringt das nicht viel, aber bei einem langsamen Stolperer bewahrt es Dich zumindest vor Schürfwunden.
Links halten
Laut thailändischem Gesetz müssen Motorräder immer die äußerst linke Spur nutzen. In der Praxis ist das aber oft schwierig, weil dort auch abbiegende Autos, ständig haltende Busse, Straßenhändler mit ihren Karren und Fußgänger unterwegs sind, die kaputten Gehwegen ausweichen.
Trotzdem solltest Du Dich möglichst weit links halten, wenn immer es geht. Passiert ein Unfall auf einer anderen Spur, zahlt Deine Versicherung unter Umständen nicht.
Abstand halten
Halte mindestens eine Autolänge Abstand zum Fahrzeug vor Dir. So bleibt Dir genug Zeit zu reagieren, falls (oder eher: wenn) der Vordermann etwas Unüberlegtes macht.
Die Spiegel nutzen
Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Fahrer in Thailand einfach ihre Spiegel abmontieren. Benutze sie! Andere Fahrzeuge tauchen ständig plötzlich hinter Dir auf, und wenn Du gerade die Spur wechselst, kann es richtig krachen.
Die Sois nutzen
Thailands Großstädte sind von Hunderten schmalen Gassen und Seitenstraßen durchzogen, den sogenannten Sois. Mit etwas Planung lässt sich die Stadt erstaunlich weit allein über diese Sois durchqueren. Viele davon sind wenig befahren und mit Bodenschwellen gespickt, was das Fahren zwar langsamer, aber deutlich sicherer macht als auf den Hauptstraßen.
Kein Alkohol am Lenker
Eigentlich selbstverständlich, aber Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ist mit Abstand die häufigste Todesursache für Ausländer in Thailand. Lass es einfach. Wirklich.

Wartung
Werkstätten für Reparaturen findest Du in Thailand an praktisch jeder Ecke, das ist nicht übertrieben. Viele sind kleine, unabhängige Betriebe, erkennbar an den verstreuten Motorradteilen und der Luftpumpe vor der Tür, aber auch große Marken wie Honda betreiben eigene Servicecenter.
Als Faustregel gilt: alle 5.000 Kilometer zur großen Inspektion. Dazu gehören die Basics wie Ölwechsel, Filterreinigung sowie die Kontrolle von Bremsbelägen und Bremsflüssigkeit, außerdem ein Check von Reifen und Kettenspannung. Das lässt sich professionell in jedem Servicecenter erledigen und ist recht günstig.
Steuer
Für Dein Motorrad fällt jährlich Steuer an. In den ersten fünf Jahren geht das komplett online über die Website des DLT hier. Danach musst Du jährlich zu Deiner örtlichen DLT-Behörde oder einer autorisierten Prüfstelle (erkennbar am gelben Zahnrad-Logo auf blauem Grund), wo Dein Fahrzeug inspiziert wird. Mitbringen musst Du das grüne Buch (siehe oben) und eventuell Deinen Reisepass (auch wenn das eher unwahrscheinlich ist).
Die Steuer für die meisten Motorräder ist für Expats zu verschmerzen; für einen Honda Click zahlst Du beispielsweise THB100 im Jahr (rund 2,50 €). Mit Versicherung und Gebühren kommst Du insgesamt auf etwa THB500 im Jahr. Sobald Du bezahlt hast und Dein Motorrad freigegeben ist, bekommst Du Deine Steuerplakette. Einfach in die Kapsel am Heck stecken, fertig!
Nächste Schritte
Um es klar zu sagen: Motorradfahren in Thailand ist nicht für jeden. Aber wer sich das zutraut, bekommt hier eine Freiheit bei der Fortbewegung, wie sie ein Auto niemals bieten kann, wenn auch manchmal etwas nass oder verschwitzt, und das zu einem Bruchteil der Kosten eines Autos.
An Auswahl mangelt es nicht, und dank des lebendigen Expat-Markts findest Du immer ein passendes Motorrad. Achte einfach darauf, alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Falls Motorradfahren noch nichts für Dich ist, kannst Du stattdessen auch ein Auto kaufen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kostet ein Motorrad in Thailand?
Ein kleiner 125-ccm-Automatikroller wie der Honda Click oder Yamaha GT kostet neu zwischen THB45.000 und THB51.000. Ein 155-ccm-Modell wie der Honda PCX oder Yamaha Nmax liegt bei THB80.000 bis THB110.000. Sportmotorräder sind teurer: Eine neue Kawasaki Ninja startet bei rund THB300.000 (oft über einer Million), eine Royal Enfield Bullet bei rund THB150.000. Gebraucht, oft von einem ausreisenden Expat, kostet es meist nur die Hälfte oder ein Drittel des Neupreises.
Sollte ich ein neues oder gebrauchtes Motorrad kaufen?
Neue Motorräder kommen mit einem frischen grünen Buch, Finanzierungsoptionen und bis zu fünf Jahren online zahlbarer Kfz-Steuer. Gebrauchte Motorräder sind deutlich günstiger, oft von ausreisenden Expats, aber vor dem Kauf solltest Du eine Probefahrt machen und Licht, Bremsen, Reifen, Auspuff und mögliche Ölundichtigkeiten prüfen.
Können Ausländer in Thailand ein Motorrad kaufen und anmelden?
Ja. Für den Neukauf brauchst Du Deinen Reisepass (Passfoto-Seite, Visum, Verlängerungsstempel) und ein Residence Certificate. Um ein gebrauchtes Motorrad auf Deinen Namen anzumelden, gehst Du zu der DLT-Filiale, bei der es ursprünglich registriert wurde, mit Passkopie, Residence Certificate, dem Original des grünen Buchs und den Ausweisdokumenten des Vorbesitzers.
Was ist ein grünes Buch, und wozu brauche ich es?
Das grüne Buch (tabien rot) ist Thailands Fahrzeugschein. Es listet die Besitzer, die Fahrgestellnummer und das Kennzeichen auf und ist Voraussetzung für die Straßenzulassung. Beim Neukauf stellt der Händler es aus, bei einem Gebrauchtkauf musst Du die Ummeldung beim Department of Land Transport vornehmen.
Kann ich ein Motorrad in Thailand finanzieren?
Für eine Finanzierung (Hire Purchase) brauchst Du ein Langzeitvisum (Business-Visum oder Arbeitserlaubnis reicht), einen Einkommensnachweis, sechs Monate Kontoauszüge und einen Nachweis Deiner Beschäftigung, etwa Deinen Arbeitsvertrag. Mit einem Touristenvisum ist keine Finanzierung möglich; dafür bieten Händler manchmal Extras wie eine Jacke oder ein Jahr Kfz-Steuer an.
Welche sind die besten Motorradmarken in Thailand?
Honda und Yamaha dominieren den Alltagsmarkt: Honda Click, Yamaha GT, Honda Scoopy und Yamaha Fino als kleine Automatikmodelle, Honda PCX oder Yamaha Nmax für mehr Power. Bei größeren Motorrädern sind Kawasaki Ninja und Royal Enfield Bullet beliebt.
Brauche ich eine Versicherung für mein Motorrad in Thailand?
Ja. Die Pflichtversicherung (THB300) ist Teil der Anmeldung und deckt medizinische Kosten im Mindestmaß ab. Private Versicherungen gibt es in vier Stufen, von Typ 1 (umfassendster Schutz, vor allem für Motorräder ab 250 ccm oder unter sieben Jahren) bis Typ 3+ (nur Unfälle und Kollisionen, kein Schutz bei Feuer, Überschwemmung oder Diebstahl).
Wie hoch ist die jährliche Motorradsteuer in Thailand?
Die Steuer ist günstig: Für einen Honda Click zahlst Du THB100 im Jahr. Inklusive Versicherung und Gebühren kommst Du auf insgesamt rund THB500 jährlich. In den ersten fünf Jahren geht das online über die Website des DLT, danach brauchst Du einen jährlichen Termin bei einer DLT-Behörde oder autorisierten Prüfstelle.
Quellen
- Department of Land Transport (dlt.go.th, Online-Service für die Kfz-Steuer unter eservice.dlt.go.th): Anmelde- und Ummeldeprozess, benötigte Unterlagen, Gebühren für Ummeldung und Pflichtversicherung sowie die Online-Zahlung der Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren für Motorräder.
- World Health Organization, Global Status Report on Road Safety 2023 (who.int): Thailands Verkehrstotenrate und der Anteil der Todesfälle, die auf Motorradfahrer entfallen.