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Motorradfahren in Thailand hat einige Vorteile: Die Maschinen sind günstig in der Anschaffung, günstig im Unterhalt, und schmal genug, um sich durch den endlosen Stau zu schlängeln, der die meisten thailändischen Städte plagt.
Ein eigenes Motorrad gibt Dir die Freiheit, hinzufahren, wohin und wann Du willst, ohne auf unzuverlässige Taxis warten zu müssen, und spart Dir dazu noch eine Menge Geld.
Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass Motorräder auch extrem gefährlich sein können. Jedes Jahr sind Motorräder in Thailand für über 80 % aller Verkehrsunfälle verantwortlich.
Auf dem Motorrad bist Du mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, ohne den schützenden Metallkäfig, den ein Auto oder ein Van bietet: Es reicht, dass ein Auto zur falschen Zeit ausschert oder Du eines der vielen Schlaglöcher im falschen Winkel triffst, und schon gehörst Du selbst zu dieser Statistik.
Manche würden sagen, dass Du deshalb besser ganz auf Motorräder verzichten solltest.
Es gibt aber Wege, die Risiken zu verringern, und genau die stellen wir Dir in diesem Artikel vor.
Motorradfahren wird nie zu 100 % sicher sein, schließlich bist Du mit vielen anderen Verkehrsteilnehmern unterwegs, und Unfälle passieren nun mal. Wenn Du die Tipps in diesem Artikel befolgst, verbesserst Du aber Deine Chancen.
Contents
- Das Wichtigste in Kürze
- Ist Motorradfahren in Thailand gefährlich?
- Deinen Motorradführerschein machen
- Sicher ein Motorrad mieten
- Straßenzustand
- Fahrgewohnheiten
- Schutzausrüstung
- Verkehrsregeln
- Die Grundlagen
- Vorausschauend fahren: Den thailändischen Verkehr lesen
- Do's and Don'ts
- Was Du im Notfall tun solltest
- FAQ
- Ist es sicher, in Thailand Motorrad zu fahren?
- Brauche ich einen Führerschein, um in Thailand Motorrad zu fahren?
- Was sollte ich unmittelbar nach einem Motorradunfall in Thailand tun?
- Darf ich mit dem Motorrad auf Thailands Expressways fahren?
- Ist es sicher, in Thailand einen Roller zu mieten?
- Wie fahre ich im Bangkoker Verkehr sicher Motorrad?
- Ist Motorradfahren auf Inseln wie Phuket oder Koh Samui gefährlicher?
- Was ist die wichtigste Schutzausrüstung überhaupt?
- Jetzt bist Du dran
Das Wichtigste in Kürze
- Motorräder sind in Thailand für über 80 % aller Verkehrsunfälle verantwortlich. Das Risiko ist außerhalb der Städte und auf den Inseln am höchsten, wo Straßen schlecht instand gehalten werden und schneller gefahren wird.
- Fährst Du ohne gültigen thailändischen oder internationalen Führerschein, verweigern die meisten Versicherer die Zahlung von Behandlungskosten oder Fahrzeugschäden, selbst wenn der Unfall nicht Deine Schuld war.
- Trage mindestens immer einen Helm, geschlossene Schuhe und robuste Hosen. Vollständige Schutzkleidung ist bei der Hitze selten praktikabel, aber beim Helm gibt es keine Ausnahme: Ohne ihn kassiert die Polizei konsequent Bußgelder.
- Achte beim Helmkauf auf eine DOT-, Snell- oder ECE-Zertifizierung. Ein Integralhelm aus Carbon oder Carbon/Kevlar ist die sicherste Wahl und sollte eng anliegen, ohne zu wackeln.
- Vermeide nach Möglichkeit Fahrten bei Nacht oder starkem Regen. Beides erhöht das Risiko, in ein Schlagloch zu fahren, ins Schleudern zu geraten oder auf einen betrunkenen Fahrer zu treffen, deutlich.
- Motorräder sind auf Schnellstraßen und Mautstraßen in Thailand verboten. Stelle Google Maps vor jeder Fahrt auf „Autobahnen meiden“ und „Mautstraßen meiden“, um auf den richtigen Straßen zu bleiben.
- Verlasse bei einem Unfall mit einem anderen Fahrzeug niemals die Unfallstelle: Du kannst haftbar gemacht werden, selbst wenn Du unschuldig bist. Ruf die 191 an (oder die 1155 für die Tourist Police), mach Fotos und tausche Kontaktdaten aus. Eine günstige Dashcam oder Helmkamera liefert nützliche Beweise, da die Polizei eher zugunsten thailändischer Fahrer entscheidet.
Ist Motorradfahren in Thailand gefährlich?
Ich fahre seit vielen Jahren Motorrad in Bangkok, hauptsächlich von meinem Condo in Sukhumvit zu meinem Arbeitsplatz. Bisher hatte ich keinen Unfall.
Vielleicht liegt das an meinem Glück, vielleicht bin ich einfach ein vorsichtiger Fahrer. Sicher sagen kann ich aber nicht, dass Motorradfahren hier sicher ist.
Gefahren gibt es durchaus. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen:
- Bangkok: Der Verkehr ist zwar dicht, Motorradfahren kann hier aber sicher sein. Selbst bei einem Unfall wird es meist nicht ernst, weil sich der Verkehr in Bangkok nur langsam bewegt.
- Chiang Mai: Im Stadtgebiet ist es ähnlich wie in Bangkok, also nicht besonders gefährlich.
- Pattaya: Auf der Hauptstraße solltest Du vorsichtig sein, da Thailänder hier richtig schnell fahren. Ansonsten kann es sicher sein.
- Insel: Auf den Inseln kann es gefährlich sein. Die Straßen sind nicht immer gut instand gehalten, und es gibt unerwartet scharfe Kurven und steile Anstiege.
- Außerhalb der Stadt: Auch außerhalb der Städte kann es gefährlich sein. In Thailand gibt es viele rücksichtslose Fahrer, und die meisten schweren Unfälle passieren außerorts.
Bist Du ein unerfahrener Fahrer, raten wir generell davon ab, hier Motorrad zu fahren. Es kann überall gefährlich sein, egal wo Du unterwegs bist.
Als Anfänger solltest Du zunächst in einer wirklich sicheren Umgebung üben, etwa in einem Dorf oder einer geschlossenen Wohnanlage, um genug Erfahrung zu sammeln, bevor Du Dich in den Straßenverkehr wagst.
Deinen Motorradführerschein machen
Der erste und wichtigste Schritt für Deine Sicherheit auf der Straße ist, einen gültigen Motorradführerschein zu besitzen.
Zugegeben, viele Fahrer auf den Straßen haben gar keinen Motorradführerschein, und obwohl die Strafen auf dem Papier hart klingen (2.000 Baht Geldstrafe oder ein Monat Gefängnis), sieht die Realität anders aus. Manchmal bleibt es zunächst nur bei einer mündlichen Verwarnung.
Wundere Dich aber nicht, wenn direkt eine Geldstrafe fällig wird. Das gilt auch fürs Fahren ohne Helm und für Geschwindigkeitsüberschreitungen.
Gut zu wissen ist außerdem, dass viele Versicherer weder Behandlungskosten noch Reparaturen übernehmen, wenn Du ohne gültigen thailändischen oder internationalen Führerschein in einen Unfall verwickelt wirst – besorg Dir also unbedingt einen!
Den kompletten Ablauf zur Beantragung eines thailändischen Motorradführerscheins findest Du hier in unserem Artikel.
Sicher ein Motorrad mieten
Die meisten Besucher fahren lange einen gemieteten Roller, bevor sie sich einen eigenen zulegen. Die Miete selbst birgt eigene Risiken, unabhängig von der Straße. Ein paar Gewohnheiten schützen Dich sowohl vor schlechten Motorrädern als auch vor unseriösen Vermietern.
Gib niemals Deinen echten Reisepass als Kaution ab. Besteht ein Shop darauf, ist eine Barkaution oder eine Reservierung auf der Kreditkarte die sicherere Variante. Den Pass wegen eines Kratzers zu verlieren, den Du gar nicht verursacht hast, ist ein gängiger Betrug, und ihn zurückzubekommen kann tagelange Diskussionen oder eine Anzeige bedeuten.
Bevor Du losfährst, geh einmal um das Motorrad herum und fotografiere oder filme jeden vorhandenen Kratzer, jede Delle und jeden abgefahrenen Reifen, mit sichtbarem Datum und Uhrzeit. Teste Bremsen, Hupe, Licht und Blinker noch auf dem Parkplatz, bevor Du in den Verkehr fährst.
- Frag nach, ob im Mietpreis eine Haftpflichtversicherung enthalten ist, und lass Dir die Antwort schriftlich oder auf der Quittung geben.
- Prüfe Reifenprofil und Kettenspiel selbst. Abgefahrene Reifen sind eine der häufigsten Ursachen fürs Wegrutschen bei Regen.
- Auch beim Mieten gilt die oben genannte Führerscheinpflicht. Wirst Du ohne gültigen Führerschein angehalten, hilft Dir meist auch die Mietversicherung nicht.
- Wenn Du länger bleibst, ist ein eigenes Motorrad zu kaufen günstiger, als monatlich zu mieten, und Du kennst die komplette Vorgeschichte des Fahrzeugs.
Straßenzustand
Schlaglöcher lauern unberechenbar wie versteckte Fallen und stellen eine erhebliche Gefahr für Fahrer dar. Diese Unebenheiten, – teils regelrechte Krater – können die Stabilität eines Motorrads durcheinanderbringen und die Sicherheit des Fahrers gefährden.
Fehlende Wartung und ausbleibende Reparaturen sorgen dafür, dass manche Straßen von unebenen Oberflächen durchzogen sind, was das Unfallrisiko erhöht. Die Fahrt durch das Gewirr aus Schlaglöchern wird so zu einem komplizierten Balanceakt, der ständige Wachsamkeit und blitzschnelle Reaktionen verlangt.
Bedenkt man, dass große Teile Thailands während der etwa vier bis fünf Monate dauernden Monsunzeit unter Wasser stehen, wird die Sache noch brenzliger.
Fahrgewohnheiten
Die Fahrgewohnheiten der Thailänder spiegeln eine einzigartige Mischung aus kulturellen Eigenheiten und der Dynamik des Verkehrs im Land wider. Motorräder machen einen Großteil des Verkehrs auf Bangkoks Straßen aus, schlängeln sich zwischen Autos hindurch und finden dabei erstaunlich kreative Lücken.
Um sich durch eine hektische Stadt wie Bangkok zu bewegen, setzen die Menschen eher auf Flexibilität und Anpassungsfähigkeit als auf strikte Regeltreue. Spurmarkierungen und Ampeln dienen oft nur als grobe Richtlinie, es sei denn, ein Onkel Polizist steht gerade in der Nähe.

Da sich die Fahrer nahtlos durch den Verkehr schlängeln, was für Außenstehende chaotisch wirken mag, brauchst Du einiges an Übung, um Dich an die hiesigen Straßenregeln zu gewöhnen.
Hupen ist hier nicht zwangsläufig ein Ausdruck von Frust, sondern oft eine Form der Kommunikation, mit der Absichten signalisiert oder die eigene Präsenz angekündigt wird.
Geduld ist eine Tugend, besonders im Stau. Trotz der scheinbar unstrukturierten Fahrweise herrscht auf den Straßen ein gemeinsames Verständnis, das zu einer ganz eigenen Fahrkultur führt: Jemand schneidet Dir den Weg ab, entschuldigt sich dafür aber mit einer tiefen, wertschätzenden Verbeugung.
Schutzausrüstung
Eine Sache, die Dir auf thailändischen Straßen schnell auffallen wird: Die meisten Fahrer gehen mit der Schutzausrüstung deutlich lockerer um, als Du es vielleicht gewohnt bist.
Motorradfahrer in kompletter Schutzmontur mit Knie- und Armschützern sieht man hier extrem selten. Die anhaltende tropische Hitze macht die Ausrüstung schlicht unangenehm zu tragen.
Dazu kommt eine lasche bis gar nicht vorhandene Kontrolle, und für viele ist das Motorrad einfach ein Mittel, um zur Arbeit und zurück zu kommen, nicht ein Tourengefährt. Kaum jemand hat Lust, sich für eine zehnminütige Fahrt im Stadtverkehr erst umständlich ein- und wieder auszuziehen.
Aus Sicherheitsgründen empfehlen wir zwar, die richtige Ausrüstung zu tragen, geben aber zu, dass das nicht bei jeder Fahrt praktikabel ist, und wenn Du es nicht tust, fällst Du damit keineswegs aus dem Rahmen.
Zumindest solltest Du aber immer einen Helm tragen (die thailändische Polizei hält Motorradfahrer und Beifahrer ohne Helm tatsächlich häufig an), dazu robuste Schuhe (KEINE Flip-Flops), strapazierfähige Jeans oder Hosen und eine leichte Jacke.
Bei einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit schützt Dich das alles kaum, aber bei einem Sturz mit niedrigem Tempo bewahrt es Dich vielleicht vor Schürfwunden.
Helme
Nachdem Du Dir Dein eigenes Motorrad gekauft hast, lohnt sich die Investition in einen guten Helm, denn der Schutz Deines Kopfes sollte oberste Priorität haben.
Es braucht keinen besonders schweren Aufprall, um eine schwere Gehirnerschütterung oder sogar bleibende Hirnschäden zu verursachen. Du könntest an einer Ampel in die falsche Richtung fallen, mit dem Kopf ungünstig auf den Bordstein schlagen, und es wäre vorbei.
Achte beim Helmkauf immer auf eine internationale Zertifizierung. Die US-Behörde DOT (Department of Transportation) unterzieht jeden Helm strengen Tests, bevor sie ihn zertifiziert, achte also möglichst auf das DOT-Siegel. Hochwertige Helme können auch Snell- oder ECE-zertifiziert sein (beide europäisch).

Ein Integralhelm aus Carbon oder Carbon/Kevlar ist die sicherste Wahl. Probiere ihn vor dem Kauf unbedingt an, er sollte eng und bequem sitzen. Wackelt er auch nur ein wenig, ist er nicht sicher. Um die Hitze musst Du Dir keine Sorgen machen, hochwertige Helme bieten eine gute Belüftung.
Die Zahlen bestätigen das. Thailands Department of Disease Control stellte fest, dass 84 % der zwischen 2020 und 2024 ins Krankenhaus eingelieferten Motorradfahrer zum Unfallzeitpunkt keinen Helm trugen. Landesweit liegt die Helmquote laut WHO-Zahlen nur bei 52 % für Fahrer und 21 % für Beifahrer, wer also auf den Helm verzichtet, gehört nicht zur sichereren Hälfte der Verkehrsteilnehmer.
Gute Helme findest Du online und bei den meisten Motorradhändlern. Hier ein paar Helmläden in Bangkok mit guter Auswahl, die einen Besuch wert sind:
- Amnuaychai Helmet Shop – Thanon Chan in Sathorn
- Motoplex Bangkok – Near K-Village Rama 4
- AUTO2SPEED Helmets – In Old Town
- BKK Speed – Near Ratchathewi
Weitere Ausrüstung
Wenn Du komplette Schutzkleidung tragen möchtest, achte auf Mesh-Futter und geringes Gewicht statt auf Pro-Laminat.
Du wirst schnell merken, wie sehr Du atmungsaktive Ausrüstung in der tropischen Hitze zu schätzen weißt.
Ein leichter Poncho für Regenschauer ist eine gute Idee, statt der schweren wasserdichten oder thermischen Schichten, die Du vielleicht aus gemäßigteren Klimazonen kennst.
IKEA verkauft günstige, aber völlig taugliche Regenponchos, oder Du holst Dir im Notfall einen bei jedem 7/11.
Möchtest Du Deine Ausrüstung lieber in Thailand kaufen, statt sie von zu Hause mitzubringen, hat Wemotorbike eine große Auswahl, darunter Jacken, Handschuhe, Stiefel und mehr.
Verkehrsregeln
Auch wenn Verkehrsregeln auf thailändischen Straßen manchmal eher wie Empfehlungen wirken, lohnt es sich trotzdem, sie zu befolgen. Es geht dabei nicht nur um Sicherheit: Du kannst bei einem Unfall haftbar gemacht werden, wenn Du dabei gegen das Gesetz verstoßen hast, selbst wenn es etwas ist, das „alle machen“.
Wir können hier natürlich nicht alle Verkehrsregeln für Motorräder in Thailand im Detail behandeln (die lernst Du sowieso beim Führerschein), aber die wichtigsten Grundlagen fassen wir zusammen:
Eine vollständige Übersicht über das thailändische Verkehrsrecht abseits des Motorrads findest Du in unserem Leitfaden zum Autofahren in Thailand.
Die Grundlagen
Halte Dich links
Laut Gesetz müssen alle zweirädrigen Fahrzeuge stets die äußerst linke Spur nutzen, außer beim Überholen.
Du wirst schnell merken, dass das oft unpraktisch ist, weil die linke Spur von abbiegenden Autos, Straßenhändlern, parkenden Fahrzeugen und Fußgängern belegt ist, die vom Gehweg gedrängt wurden. Trotzdem lohnt es sich, wann immer möglich wieder ganz nach links zu wechseln.

Fahre unübersichtliche Kurven auf kurvigen Landstraßen so weit links wie möglich, um entgegenkommenden Autos auszuweichen, die in Deine Spur geraten könnten.
Halte die Geschwindigkeitsbegrenzungen ein
Die Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorräder liegt innerorts bei 80 km/h und außerorts bei bis zu 90 km/h. Für eine überfüllte Großstadt wie Bangkok sind 80 km/h mehr als genug, zumal andere Fahrzeuge unangekündigt in Deine Spur schießen können. Ein Tempo von 50 bis 60 km/h ist deutlich vernünftiger.
Nicht innen überholen
Eine der gefährlicheren, aber leider auch häufigsten Angewohnheiten thailändischer Motorradfahrer ist das Innenüberholen, also das Überholen eines Autos auf dessen linker statt rechter Seite (wie es das thailändische Gesetz vorschreibt).
Beim Innenüberholen landest Du direkt im toten Winkel eines abbiegenden Autos und riskierst, gerammt zu werden, es sei denn, der Fahrer hat extrem schnelle Reflexe.
Lass es einfach: Im besten Fall hast Du danach nur einen ziemlich verärgerten Fahrer am Hals.
Vorsicht beim Fahren zwischen den Spuren
Sich zwischen dem Verkehr hindurchzuschlängeln, ist einer der großen Vorteile des Motorradfahrens, aber nicht ohne Risiko. Eine plötzlich aufgehende Autotür oder ein aussteigender Fahrgast kann Dich im Bruchteil einer Sekunde aus der Bahn werfen, und Deine Sicht nach vorn und zur Seite wird oft von anderen Fahrzeugen verdeckt.
Steckst Du im Stau fest und möchtest Dich durchschlängeln, fahre langsam und vorsichtig und achte darauf, auf beiden Seiten genug Platz zu haben.
Meide Schnellstraßen
Gesetzlich dürfen Motorräder weder Mautstraßen noch Schnellstraßen benutzen. Da diese Straßen meist durch Mautstellen abgeriegelt sind (die Dich sofort abweisen würden) und frühzeitig gut ausgeschildert sind, wirst Du diesen Fehler kaum machen, solltest es aber bei der Planung Deiner Fahrten trotzdem im Kopf behalten.
Stelle Deine Google-Maps-Routenoptionen auf „Autobahnen meiden“ und „Mautstraßen meiden“, damit Du nicht in die falsche Richtung geleitet wirst.
Vorausschauend fahren: Den thailändischen Verkehr lesen
Die Regeln oben zu befolgen hält Dich auf der sicheren Seite des Gesetzes. Zu verstehen, wie sich der thailändische Verkehr tatsächlich bewegt, hält Dich auf zwei Rädern. Ein paar Gefahrenquellen überraschen neue Fahrer immer wieder.
Wendespuren
Statt Linksabbiegen über den Gegenverkehr nutzen thailändische Straßen Wendelücken im Mittelstreifen. Autos und Lkw, die auf eine Wendemöglichkeit warten, schieben sich in Deine Spur, und manche warten nicht auf eine ausreichende Lücke. Bremse deutlich vor jeder markierten Wendestelle ab, auch wenn Du formal Vorfahrt hast.
Tote Winkel bei Lkw und Bussen
Songthaews, Busse und Lkw haben auf beiden Seiten große tote Winkel, und ihre Fahrer rechnen darin nicht mit einem Motorrad. Halte Dich nicht neben einem großen Fahrzeug auf. Fahr zügig durch den toten Winkel hindurch oder bleib zurück, bis Du den Spiegel des Fahrers sehen kannst.
Streunende Tiere
Streunende Hunde (Soi-Hunde) schlafen auf der Straße und können vor allem in der Dämmerung ohne Vorwarnung loslaufen. Auf dem Land solltest Du mit Wasserbüffeln, Rindern und Hühnern rechnen, die völlig unangekündigt die Straße überqueren. Fahr langsamer an geparkten Essensständen und Straßenständen vorbei, wo sich Hunde gerne aufhalten.
Unbeleuchtete und langsame Fahrzeuge
Handtraktoren, Fahrräder und Verkaufsstände bewegen sich oft im Schritttempo und sind nach Einbruch der Dunkelheit kaum oder gar nicht beleuchtet. Wenn Du nachts etwas unter dem erlaubten Tempolimit fährst, bleibt Dir mehr Zeit zu reagieren, bevor Du plötzlich davorstehst.
Do’s and Don’ts
Halte Dein Motorrad in gutem Zustand
Lässt Du Dein Motorrad verkommen, öffnest Du Tür und Tor für Unfälle, sei es durch abgefahrene Reifen, ein kaputtes Rücklicht oder defekte Bremsen.
Bring Dein Motorrad mindestens einmal im Jahr zur Inspektion und lass Reifen, Bremsen und Ölstand prüfen und bei Bedarf wechseln.
Sorge für vollständigen Versicherungsschutz
Du kannst der beste Fahrer der Welt sein, Unfälle passieren trotzdem.
Sorge dafür, dass Du und Dein Motorrad vollständig versichert seid, bevor Du losfährst, und trage Deine Versicherungskarten bei jeder Fahrt bei Dir, dazu eine Kopie Deiner Pass- und Visaseite (die Du laut thailändischem Gesetz sowieso jederzeit dabeihaben solltest), für den Fall eines Unfalls.
Benutze Deine Spiegel
Ich habe längst den Überblick verloren, wie oft mir ein kurzer Blick in den Spiegel das Leben gerettet hat. Nutze sie! Andere Fahrzeuge können mit wenig bis gar keiner Vorwarnung von hinten auftauchen, Du willst nicht gerade dann die Spur wechseln, wenn ein rasender Bus dahinterkommt.

Stelle Deine Spiegel außerdem so ein, dass Du links und rechts gut sehen kannst, und halte sie sauber.
Benutze den Blinker
Geblinkt wird in Thailand ziemlich willkürlich, wenn überhaupt: Fast täglich sehe ich jemanden, der vor einer Abbiegung in die falsche Richtung blinkt. Das thailändische Verkehrsrecht schreibt aber vor, dass Du vor jedem Abbiegen oder Überholen immer blinken musst. Das ist nicht nur rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, Du kannst auch haftbar gemacht werden, wenn Du beim Abbiegen oder Spurwechsel ohne Blinker einen Unfall verursachst.
Bleib aufmerksam
Straßen in Thailand sind manchmal etwas … ungepflegt. Schlaglöcher, Bodenwellen, herumliegende Gegenstände, Baumwurzeln, Bahngleise und umherwandernde Fußgänger, all das kann Dich überraschen und einen bösen Unfall verursachen. Behalte die Straße jederzeit im Blick. Bei grellem Sonnenlicht sind manche Hindernisse besonders schwer zu erkennen, eine gute Sonnenbrille lohnt sich.
Schau nicht auf Dein Handy
Wenn Du Dein Handy nicht wirklich für die Navigation brauchst, verzichte auf eine Handyhalterung vor Dir. Das lenkt einfach zu sehr ab. Egal, ob eine Nachricht von Deinem Ex aufploppt oder der Anruf für den Job kommt, für den Du vorgesprochen hast: Schon ein kurzer Blick nach unten kann im Ernstfall zur Katastrophe führen.
Verlier nicht die Nerven
Niemand hat je behauptet, Autofahren in Thailand sei sicher. Bei jeder Fahrt wirst Du schlechtes Fahrverhalten erleben: Innenüberholen, Falschfahren, Rasen und mehr.
So ist es hier nun mal. Halte reichlich Abstand zu anderen Fahrzeugen (etwa eine Autolänge ist eine gute Faustregel), und wirst Du selbst Opfer schlechten Fahrverhaltens, atme tief durch und lass es nicht an Dich heran.
Manche Fahrer in Thailand sind bewaffnet, von der Machete über den Baseballschläger bis zur Schusswaffe. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Fall von Straßenwut für alle Beteiligten sehr schlecht endet. Bewahre jederzeit einen kühlen Kopf.
Vermeide Fahrten bei Nacht oder schlechtem Wetter, wenn möglich
Nachts Motorrad zu fahren, kann orientierungslos machen und gefährlich sein. Die Wahrscheinlichkeit, auf betrunkene Fahrer zu treffen oder ein Schlagloch zu spät zu sehen, steigt deutlich.
Ebenso erhöht starker Regen die Gefahr, ins Schleudern zu geraten, im Hochwasser stecken zu bleiben oder die Sicht zu verlieren. Sofern nicht unbedingt nötig, ist es in solchen Momenten meist besser, ein Taxi oder Tuk-Tuk zu nehmen oder abzuwarten.
Eine vollständige Übersicht, was sich sobald der Regen einsetzt alles ändert, von überfluteten Unterführungen bis zu weniger Grip, findest Du in unserem Leitfaden zum sicheren Motorradfahren während Thailands Regenzeit.
Musst Du bei schlechtem Wetter trotzdem fahren, hilft vielleicht ein Gebet für eine sichere Fahrt.
Was Du im Notfall tun solltest
Egal wie sicher Du als Fahrer unterwegs bist, Unfälle können passieren, und sie passieren.
Bei einem kleineren Unfall (keine ernsten Verletzungen, kaum Schaden am Motorrad) solltest Du Dein Motorrad möglichst schnell aus dem Weg des herannahenden Verkehrs bringen.
Ist ein anderer Fahrer beteiligt, ruf die Polizei unter 191 an (1155 für die Tourist Police, falls Dein Thai nicht ausreicht oder Du niemanden auf Englisch erreichst), Du brauchst deren Bericht für Deine Versicherung.
War ein anderes Fahrzeug beteiligt, fahr auf keinen Fall weg: Du haftest für Schäden, selbst wenn Du völlig unschuldig warst. Mach Fotos vom Motorrad, dem anderen Fahrzeug und eventuellen Verletzungen, und kontaktiere sofort Deine Versicherung.
Tausche außerdem Kontaktdaten aus (Name, Telefonnummer, Versicherungsdaten, thailändischer Ausweis/Reisepass) mit allen Beteiligten.
Es ist eine unschöne Realität in Thailand, dass Polizei und Versicherer als Ausländer eher dem Wort eines thailändischen Fahrers glauben, was bedeuten kann, dass Du zahlen musst, selbst wenn der Unfall nicht Deine Schuld war. Eine günstige Helmkamera hilft, das zu umgehen.
Bei einem schweren Unfall versuch nicht aufzustehen (außer Du bist in der Nähe eines Feuers): Hast Du Dir den Nacken verletzt, kann eine plötzliche Bewegung ihn vollständig brechen.
Generell reagieren Thailänder bei Unfällen auf der Straße erstaunlich schnell: Die Leute vor Ort richten meist zügig eine Absperrung ein, und jemand ruft den Rettungsdienst. Danach wirst Du in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.
Es gibt in Thailand nur wenige Gegenden, die mehr als eine Stunde von der nächsten Stadt oder dem nächsten Dorf entfernt liegen, Hilfe dürfte also so gut wie überall schnell eintreffen.
FAQ
Ist es sicher, in Thailand Motorrad zu fahren?
Ganz risikofrei ist es nie, aber wenn Du vorausschauend fährst, lässt sich das Risiko gut steuern. In den Innenstädten von Bangkok und Chiang Mai ist das Tempo relativ niedrig, weshalb Unfälle dort meist glimpflicher ausgehen. Auf Landstraßen und den Inseln ist das Risiko höher, weil dort schneller gefahren wird und der Straßenbelag oft schlechter ist.
Brauche ich einen Führerschein, um in Thailand Motorrad zu fahren?
Ja. Ein gültiger thailändischer Motorradführerschein oder ein internationaler Führerschein ist gesetzlich vorgeschrieben, und die meisten Versicherer zahlen im Schadensfall nicht, wenn Du ohne einen davon fährst. Den kompletten Ablauf findest Du in unserem Leitfaden zum thailändischen Motorrad-Führerschein.
Was sollte ich unmittelbar nach einem Motorradunfall in Thailand tun?
Bring das Motorrad wenn möglich aus dem Verkehr, rufe 191 an (oder 1155 für die Tourist Police), und verlasse den Unfallort nicht, wenn ein anderes Fahrzeug beteiligt ist, selbst wenn Dich keine Schuld trifft. Fotografiere die Schäden und tausche mit allen Beteiligten die Kontaktdaten aus. Einen Erfahrungsbericht aus erster Hand liest Du in diesem Bericht über einen Motorradunfall in Thailand.
Darf ich mit dem Motorrad auf Thailands Expressways fahren?
Nein. Motorräder sind auf allen Expressways und Autobahnen in Thailand verboten. Die Auffahrten sind mit Mautschranken gesichert, sodass Du kaum aus Versehen dort landest, aber plane Deine Route in Google Maps trotzdem mit aktivierten Optionen „Autobahnen vermeiden“ und „Mautstraßen vermeiden“.
Ist es sicher, in Thailand einen Roller zu mieten?
Das kann es sein, wenn Du Dich beim Mietvorgang selbst absicherst. Hinterlege niemals Deinen echten Reisepass als Kaution, fotografiere vorhandene Schäden, bevor Du losfährst, und vergewissere Dich, dass das Motorrad versichert ist. Die vollständige Checkliste findest Du oben im Abschnitt „Sicher ein Motorrad mieten“.
Wie fahre ich im Bangkoker Verkehr sicher Motorrad?
Bleib nach Möglichkeit auf der linken Spur, rechne damit, dass Fahrzeuge ohne zu blinken die Spur wechseln, und halte mehr Abstand als üblich, da der Verkehr ständig stockt und wieder anfährt. Achte besonders auf Fahrzeuge, die an Lücken im Mittelstreifen wenden, und auf Autos, die aus Seitengassen (Sois) fahren, ohne in den Spiegel zu schauen.
Ist Motorradfahren auf Inseln wie Phuket oder Koh Samui gefährlicher?
Grundsätzlich ja. Straßen auf den Inseln sind oft schlechter instand gehalten, mit engeren Kurven und steileren Anstiegen als in der Stadt, und viele Fahrer dort sind unerfahrene Touristen auf ihrem ersten Roller. Fahr langsamer als auf flachen, vertrauten Straßen, und geh eine unbekannte Bergstrecke lieber einmal zu Fuß ab, bevor Du sie zum ersten Mal auf zwei Rädern in Angriff nimmst.
Was ist die wichtigste Schutzausrüstung überhaupt?
Ganz klar der Helm. Er ist die eine Ausrüstung, die den Ausgang eines Unfalls am ehesten verändert, er ist für Fahrer und Beifahrer gesetzlich vorgeschrieben, und er ist das Ausrüstungsteil, das bei Motorrad-Krankenhauseinweisungen in Thailand am häufigsten fehlt.
Jetzt bist Du dran
Motorradfahren in Thailand ist eine günstige und praktische Art, sich fortzubewegen, aber eben nicht ohne Risiko.
Trage immer Schutzkleidung (vor allem einen Helm), sorge dafür, dass Du vollständig lizenziert, angemeldet und versichert bist, und fahr defensiv, um Deine Chancen auf eine sichere Fahrt zu verbessern.