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Auf Thailands Straßen wird es bei Regen richtig gefährlich, und Motorradfahrer trifft es am härtesten. Hier erfährst Du, welche Ausrüstung unter Deinen Sitz gehört, wie Du auf nasser Fahrbahn bremst und in die Kurve gehst, und in welche eine Gefahr Du niemals hineinfahren solltest.
Die Regenzeit ist in Thailand in vollem Gange, und das macht die Straßen für den durchschnittlichen Motorradfahrer noch gefährlicher. Mehr Verkehr, rutschige Straßen, schlechtere Sicht und Überschwemmungen bergen Risiken für jeden, der mutig (oder leichtsinnig) genug ist, sich aufs Bike zu schwingen.
Zum Glück helfen wir Dir dabei, die größten Risiken zu vermeiden, wenn Du während eines der zahlreichen Stürme, die das Land in dieser Regenzeit heimsuchen, unbedingt aufs Motorrad musst.
Wir erklären Dir, welche Ausrüstung unverzichtbar ist, wie Du bei einem Wolkenbruch sicher unterwegs bleibst und was Du unbedingt vermeiden solltest.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, schon gar nicht zu dieser Jahreszeit. Wenn Du Dir aber einige der folgenden Tipps zu Herzen nimmst, verbesserst Du Deine Chancen deutlich.
Contents
Das Wichtigste in Kürze
- Wenn es stark regnet, ist die sicherste Entscheidung, einfach nicht zu fahren. Keine Besorgung ist das wert.
- Prüfe vor Beginn der Regenzeit Reifenprofil, Bremsen und Beleuchtung. Abgefahrene Reifen auf nasser Fahrbahn sind ein Unfall, der nur auf seine Gelegenheit wartet.
- Bewahre einen Integralhelm, eine Regenjacke, eine Regenhose, wasserdichte Handschuhe und Stiefel in Deinem Motorrad auf, damit Du für einen plötzlichen Wolkenbruch immer gewappnet bist.
- Bremse bei Regen sanft mit beiden Bremsen gleichzeitig, fahre Kurven langsam und weiträumig und halte mindestens eine Autolänge Abstand zum Fahrzeug vor Dir.
- Fahre nie durch Hochwasser. Darin können sich tiefe Schlaglöcher verbergen, Dein Motor kann Schaden nehmen, und Du riskierst Kontakt mit Abwasser und stromführenden Kabeln.
- Achte auf besonders rutschige Stellen: Bahngleise, Gullideckel, Ölspuren und nasses Laub können Dich mit wenig Vorwarnung ins Rutschen bringen.
- Wird der Sturm heftig, halte an und warte an einer Tankstelle oder einem Convenience Store ab. Regenschauer in Thailand sind meist kurz.
Solltest Du bei Regen überhaupt fahren?
Die mit Abstand sicherste Option an einem Regentag ist es, ganz aufs Fahren zu verzichten.
Selbst mit der gesamten Ausrüstung, die weiter unten beschrieben wird, sind die Straßen rutschiger, Deine Sicht ist eingeschränkter, und der Verkehr staut sich oft deutlich stärker.
Die Zahlen bestätigen das. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert die Verkehrstoten in Thailand für 2021 auf 18.218, im Schnitt 50 pro Tag. Motorradfahrer machten 83,8 % davon aus. Nasse Straßen verschlechtern diese Quote nur weiter.
Motorräder sind für Expats wie Einheimische gleichermaßen die Arbeitstiere Thailands, und es kann gut sein, dass Dir gar nichts anderes übrig bleibt, als dem Sturm zu trotzen.
Fahrer im Norden berichten, dass der Regen häufig in Bändern auftritt, sodass eine einzige Strecke innerhalb einer Stunde mehrfach zwischen klatschnass und knochentrocken wechseln kann. Das gilt in beide Richtungen: Ein Wolkenbruch an Deinem Standort bedeutet nicht, dass die ganze Fahrt gelaufen ist, und ein trockener Start bedeutet nicht, dass Du die Regenausrüstung zu Hause lassen kannst.
Hier sind unsere Tipps für Tage, an denen Du unbedingt im Regen fahren musst:
Motorrad-Check für die Regenzeit
Wer in Thailand bei Regen Motorrad fahren will, braucht mehr als nur den passenden Führerschein. Es gibt weitere Dinge, die Du regelmäßig zur Sicherheit prüfen solltest.
- Reifen: Achte darauf, dass Deine Reifen ausreichend Profil haben und (nahezu) vollständig aufgepumpt sind.
- Bremsen: Stelle sicher, dass Deine Bremsen einwandfrei funktionieren und der Bremsflüssigkeitsbehälter voll ist.
- Regenausrüstung: Bevor Du an einem Regentag losfährst, solltest Du Deine komplette Regenausrüstung im Staufach, in der Satteltasche oder im Topcase griffbereit haben.
- Gefrierbeutel: Es lohnt sich, ein paar Zip-Beutel (oder Ähnliches) einzupacken, um Deine Wertsachen trocken zu halten. Die kleinen Plastikbeutel mit Kordelzug, die viele Thailänder beim jährlichen Songkran-Wasserfest benutzen, eignen sich dafür perfekt, und im März und April bekommst Du sie fast überall im Land. Falls Du auf eine Songkran-Party gehst, heb Deine also auf!

Die richtige Ausrüstung
Während der Regenzeit ist es immer sinnvoll, die richtige Ausrüstung ständig dabei zu haben.
Das Wetter in Thailand kann extrem unberechenbar sein, und heftige Regenschauer können selbst an einem klaren Tag völlig unerwartet aufziehen.
Fahrer, die lange Strecken zurücklegen, verzichten genau deshalb oft auf Mesh-Kleidung und setzen stattdessen auf richtige Regenausrüstung. Das andere Problem, das sie ansprechen, ist die Kälte: Durchnässt bei hoher Geschwindigkeit zu fahren, entzieht dem Körper enorm viel Wärme, und mancher Fahrer kam von einer langen nassen Tour schon mit Fieber nach Hause.
Die folgenden Dinge solltest Du im Staufach Deines Motorrads (oder im Topcase bzw. der Satteltasche, falls vorhanden) aufbewahren.
- Helme: Am besten fährst Du mit einem Integralhelm. HJC-Helme sind eine gute Wahl: solide verarbeitet und mit viel Schutz (wenn auch nicht ganz billig!). Falls Du einen Jethelm trägst, achte auf ein Visier oder bring Deine eigene Schutzbrille mit, damit Du weiterhin gut sehen kannst. Ein Pinlock-Einsatz für Dein Visier ist ein Muss, damit es im feuchtwarmen tropischen Klima nicht beschlägt.
- Regenjacke: Regenjacken sind in Thailand weit verbreitet, von hochwertigen Polyurethan-Jacken bis zu einfachen Plastikponchos ist alles erhältlich. Im Minimum musst Du auf Atmungsaktivität achten. Wenn Du eine richtige Regenjacke suchst, halte Ausschau nach atmungsaktiven Funktionsfasern wie Gore-Tex. Achte auf einen hohen Kragen und enge Ärmelbündchen, damit möglichst wenig Wasser eindringt. Auch knallige Farben sind von Vorteil, weil sie Dich besser sichtbar machen.
- Poncho: Wenn Du kein besonders ambitionierter Biker bist und für den täglichen Arbeitsweg einfach nur trocken bleiben willst, gibt es jede Menge einfache Ponchos. IKEA bietet eine günstige, leicht faltbare Variante, die problemlos in Dein Staufach passt. Wenn Dich ein plötzlicher Wolkenbruch wirklich kalt erwischt, bekommst Du in fast jedem 7-Eleven einen super-günstigen (rund THB100) Plastikponcho, der zumindest gegen das Gröbste schützt.
- Regenhose: Genau wie bei der Jacke brauchst Du unbedingt etwas Atmungsaktives. Auch hier gilt: Funktionsfasern und/oder Gore-Tex sind Deine Freunde. Deine Regenhose sollte großzügig geschnitten sein, damit Du sie über Deine Kleidung ziehen kannst, aber mit guten Abdichtungen an den Knöcheln, damit kein Wasser eindringt.
- Regenhandschuhe: Auch hier gilt: Achte auf wasserdichtes, atmungsaktives Material (Gore-Tex oder Ähnliches) mit gutem Grip.
- Stiefel: Entscheide Dich am besten für robuste, knöchelhohe Stiefel mit wasserdichtem Futter. Stecke Deine Hose bzw. Regenhose einfach hinein und vermeide es möglichst, mit den Füßen in Hochwasser zu treten. Praktisch sind auch wasserdichte Überschuhe aus Silikon, die Du direkt über Deine normalen Schuhe ziehen kannst, damit sie (halbwegs) trocken bleiben.
Unterwegs
- Scheinwerfer einschalten: Die meisten Motorräder in Thailand haben Scheinwerfer, die sich beim Starten automatisch einschalten und dauerhaft an bleiben, sodass Du Dir darüber meist keine Gedanken machen musst. Sollte Dein Bike das ausnahmsweise nicht tun, denk bei starkem Regen daran, das Licht einzuschalten, sowohl für Deine eigene Sicht als auch, damit andere Dich sehen.
- Genug Abstand zu anderen halten: Klar, Du weißt, dass Du sicher fährst, aber das gilt nicht automatisch für alle anderen auf der Straße. Andere machen ständig Fehler, und bei nassen Straßen ist Dein Bremsweg deutlich länger. Halte deshalb immer mindestens eine Autolänge Abstand zum Fahrzeug vor Dir.
- Aufmerksam bleiben: Thailands Straßen sind vor allem eines: unberechenbar, und das gilt bei Regen doppelt. Neben anderen Verkehrsteilnehmern, die Dir in die Spur geraten, musst Du auch auf die zusätzlichen Gefahren auf der Fahrbahn selbst achten: Ölspuren, unsichtbare Schlaglöcher, Hochwasserstellen und Ähnliches. Lass Dir Zeit und behalte die Straße genau im Blick.
- Sanft fahren: Kurven fahren, Beschleunigen und Bremsen erfordern bei Nässe deutlich mehr Fingerspitzengefühl. Bremse nicht zu hart und leg Dich in Kurven nicht zu weit, sonst rutschst Du schnell außer Kontrolle. Lass Dir Zeit und geh es ruhig an.
- Vorsichtig abbiegen: Kurven fahren gehört bei Nässe zu den riskantesten Manövern überhaupt. Es reicht schon, sich ein bisschen zu weit zu neigen oder etwas zu scharf einzulenken, und schon rutschst Du weg. Fahre Kurven im Regen deshalb immer schön langsam. Schalte gleich zu Beginn der Kurve herunter und ziehe die Kupplung (bei einem Schaltmotorrad). Vermeide es, die Bremsen ruckartig zu betätigen, sonst gerät das Bike aus der Balance. Reduziere stattdessen sanft Dein Tempo, während Du Dich in die Kurve legst, und gib erst am Ausgang wieder vorsichtig Gas.
- Sanft bremsen: Verringere Dein Tempo wenn möglich schon vor dem eigentlichen Bremsen. Tritt nicht plötzlich hart in die Bremse, sonst riskierst Du auf nasser Fahrbahn einen Kontrollverlust. Betätige immer beide Bremsen gleichzeitig und ziehe sie langsam und behutsam an.
- Scheu Dich nicht, Unterschlupf zu suchen: Regenschauer in Thailand können plötzlich und heftig einsetzen. Wenn es Dir wie aus einem Feuerwehrschlauch ins Gesicht prasselt, ist es Zeit, aufzugeben und irgendwo unterzustellen. In thailändischen Städten gibt es zum Glück genug Möglichkeiten dafür: Tankstellen, Convenience Stores und Ähnliches. Im absoluten Notfall machst Du es einfach wie die Einheimischen und wartest am Straßenrand unter einer Brücke ab.

Was Du beim Fahren im Regen vermeiden solltest
Nach einem Regenschauer werden Thailands Straßen zu einer Art Hindernisparcours (na ja, mehr als sonst!). Auf Folgendes solltest Du besonders achten:
- Überschwemmungen: Überschwemmungen sind nach besonders heftigen Regenschauern ein ernstes und häufiges Risiko. Manche Straßenabschnitte stehen bis zur Schienbeinhöhe (oder noch höher!) unter Wasser. Wenn Du umdrehen und eine andere Route nehmen kannst, statt durch das Hochwasser zu fahren, solltest Du das unbedingt tun. Das schmutzige Wasser (Rückstau aus der Kanalisation, irgendjemand?) schadet Dir und Deinem Motorrad. Riskiere es nicht.
- Schlaglöcher: Viele Straßen in Thailand sind in schlechtem Zustand, Schlaglöcher gibt es reichlich. Nach einem Regenschauer füllen sich diese Löcher (manche davon ziemlich tief) bis zum Rand mit trübem Regenwasser und sind kaum noch von einer gewöhnlichen flachen Pfütze zu unterscheiden. Auf einer Dir unbekannten Straße solltest Du große Pfützen lieber meiden. Triffst Du bei Geschwindigkeit auf ein verstecktes Schlagloch, kannst Du leicht stürzen.
- Blitzschlag: Stürme in Thailands tropischem Klima können heftig ausfallen, und Blitze können völlig unvermittelt einschlagen. Bist Du als einziges Fahrzeug auf einem besonders einsamen Straßenabschnitt unterwegs, kannst Du selbst zum Blitzableiter werden. Wird aus dem Regen ein Gewitter, suche sofort Schutz und warte ab.
- Rutschige Untergründe: Manche Straßenabschnitte werden nach einem Regenschauer besonders rutschig. Dazu zählen Bahngleise, Gullideckel, Laub und unbefestigte Wege. Auch Ölspuren sind auf nassem Untergrund eine Gefahr, weil sie schwerer zu erkennen sind. Sei extrem vorsichtig, wenn Du über solche Stellen fährst. Fahre sehr langsam und sei bereit, das Motorrad mit beiden Füßen abzustützen.
- Stromführende Kabel: Thailands Elektroinstallationen lassen manchmal, vorsichtig ausgedrückt, zu wünschen übrig. Lose, stromführende Kabel sind eine ständige Gefahr für alle, auch für Motorradfahrer. Behalte Deine Umgebung stets im Blick, achte auf herabhängende Kabel und sei vorsichtig, wenn Du auf nassem Untergrund die Füße abstellst und lose Kabel siehst.

Übrigens
Wenn Du vorhast, ein gebrauchtes Motorrad in Thailand zu kaufen, ist die Regenzeit dafür der beste Zeitpunkt. Die Preise liegen dann in der Regel niedriger als zu anderen Jahreszeiten.
Und jetzt zu Dir
Ein gelegentlicher Regentag sollte Dich nicht davon abhalten, in Thailand Motorrad zu fahren. Vorsichtsmaßnahmen sind aber Pflicht, denn bei Regen passieren regelmäßig Unfälle. Ein Flug bei starkem Regen kann sogar sicherer sein als eine Fahrt mit dem Motorrad.
Achte darauf, dass Du alles, was Du bei Nässe brauchen könntest, in Deinem Motorrad verstaut hast.
Erwischt Dich ein plötzlicher Regenschauer, drossle Dein Tempo, fahre vorsichtig und behalte Deine Umgebung im Blick, dann kommst Du in der Regel gut durch.
Prüfe außerdem vor der Regenzeit, ob Deine Motorradversicherung aktuell ist. Ein Schaden bei nasser Fahrbahn ist der wahrscheinlichste Versicherungsfall, den Du je haben wirst.
Außerdem lohnt es sich, diesen Artikel darüber zu lesen, was bei einem Verkehrsunfall zu tun ist. So weißt Du im Ernstfall bereits, wie Du vorgehen musst. Es gibt außerdem einen Erfahrungsbericht darüber, was ein Motorradunfall tatsächlich kostet, von der Krankenhausrechnung bis zum Papierkram mit der Versicherung.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation Thailand, Road Safety: Thailands Verkehrstote, der Tagesdurchschnitt und der Anteil der getöteten Motorradfahrer.