Wer mit seiner Familie nach Thailand zieht, wird früher oder später eine Haushälterin oder Kinderpflegerin suchen.
Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen (auf Thai mae baan) übernehmen in Thailand oft sehr ähnliche Aufgaben – das sollte man beim Suchen im Hinterkopf behalten.
Grundsätzlich können beide den Haushalt führen, die Kinder betreuen und für die Familie kochen. Wer keine Kinder hat, kann sie einfach als Haushaltshilfe beschäftigen.
Dieser Leitfaden zeigt Dir alles, was Du beim Einstellen einer Haushälterin oder Kinderpflegerin in Thailand wissen musst: Wo man sie findet, was sie kosten und was sonst noch zu beachten ist.
Contents
Sind Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen in Thailand dasselbe?
Obwohl die beiden Rollen ähnlich klingen, unterscheiden sie sich in der Praxis.
Kurz zusammengefasst:
- Haushälterinnen kümmern sich um alles rund ums Putzen: Sie halten das gesamte Haus sauber, spülen ab und erledigen die Wäsche.
- Kinderpflegerinnen betreuen die Kinder, füttern und bespielen sie, fördern ihre Entwicklung, begleiten sie zum Beispiel zu Schwimmkursen und halten Dich über alles auf dem Laufenden.
Manche Expat-Familien stellen beide ein, andere beschäftigen nur eine Kinderpflegerin und zahlen ihr etwas mehr, damit sie auch den Haushalt übernimmt.
Möglichkeiten
Wer eine Haushälterin oder Kinderpflegerin sucht, hat verschiedene Optionen. Hier ein Überblick.
Nationalitäten
Kinderpflegerinnen aus verschiedenen Ländern bringen jeweils eigene Vor- und Nachteile mit.
In Thailand kann man Thai-Haushälterinnen oder -Kinderpflegerinnen einstellen, aber auch Frauen aus Nachbarländern wie Myanmar, Kambodscha oder Laos.
Nicht-Thai-Kräfte sprechen oft besseres Englisch. Viele sind außerdem engagierter und gewissenhafter, weil sie gezielt nach Thailand kommen, um Geld nach Hause zu schicken und ihre Familien zu unterstützen – entsprechend hoch ist ihre Arbeitsmotivation.
Bei nicht-thailändischen Kräften muss man sich um Visum und Arbeitserlaubnis kümmern. Diese müssen alle zwei Jahre erneuert werden und kosten etwa THB6.500 bis THB10.000 pro Jahr. Wer die Suche über eine Agentur abwickelt, bekommt dabei Unterstützung.
Zu beachten ist, dass die Arbeitserlaubnisanforderungen für Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen anderen Regeln folgen als für andere Berufsgruppen. Für Personen aus Myanmar, Kambodscha, Laos und Vietnam, die in Thailand Bau- oder Haushaltsarbeiten verrichten, gibt es ein spezielles Visum- und Arbeitserlaubnisverfahren.
Die Einzelheiten sind im Memorandum of Understanding (MOU) zwischen Thailand und den jeweiligen Ländern geregelt.
Einige Expat-Familien bevorzugen dagegen Thai-Haushälterinnen oder -Kinderpflegerinnen, die kein Englisch sprechen – so können die Kinder Thai von Muttersprachlern lernen. Außerdem entfallen alle Fragen rund um Visum und Arbeitserlaubnis.
Wichtig: Seltener, aber möglich: Kinderpflegerinnen aus Afrika oder den Philippinen. Das kann jedoch rechtlich problematisch sein, da diesen Nationalitäten keine Arbeitserlaubnis für Haushaltstätigkeiten erteilt werden kann.
Zertifikate und Lizenzen
Leider gibt es in Thailand keine Zertifikate oder Lizenzen für Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen. Im Grunde kann jede Person diese Stelle antreten. Es kommt sogar vor, dass Bewerberinnen mit einem Bachelorabschluss einer angesehenen thailändischen Universität in Facebook-Gruppen nach einer Stelle als Kinderpflegerin suchen.
Weil es keine standardisierten Nachweise gibt, ist es schwieriger, wirklich gute Kräfte zu finden.
Viele Expats berichten, dass die Suche anfangs frustrierend ist: Manche Bewerberinnen können weder kochen noch Kinder betreuen. Es gibt aber auch Kinderpflegerinnen, die westliche Gerichte zubereiten, sich hervorragend um Kinder kümmern und sowohl Thai als auch Englisch sprechen.
Es ist also ganz normal, beim ersten Versuch noch nicht die Richtige zu finden.
Arbeitszeiten
Das klassische 9-bis-17-Uhr-Modell von Montag bis Freitag gilt für Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen in Thailand nicht.
Stattdessen richten sich die Arbeitszeiten ganz nach dem eigenen Bedarf. Manche lassen ihre Kraft zwölf Stunden täglich von Montag bis Samstag arbeiten, andere suchen nur jemanden für die Wochenenden.
Flexible Zeiten sind zwar möglich, aber ungewöhnliche Arbeitszeiten können die Suche deutlich erschweren.
Wohnen im Haushalt oder eigene Unterkunft
Wer eine Vollzeitkraft einstellt, muss ihr keine Unterkunft im eigenen Haus anbieten. Sie kann morgens kommen und abends nach Hause gehen.
Viele Vollzeit-Kinderpflegerinnen, besonders aus dem Ausland, bevorzugen jedoch das Wohnen beim Arbeitgeber, da sie so Kosten für Unterkunft und Verpflegung sparen.
Was kosten Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen?
Die Vergütung hängt von den Anforderungen und den Qualifikationen der jeweiligen Person ab.
Als grobe Orientierung: Der Stundenlohn liegt bei etwa THB200. Für einen halben Tag zahlt man ungefähr THB500, für einen vollen Arbeitstag (acht Stunden) zwischen THB800 und THB1.000.

Vollzeitkräfte kosten im Durchschnitt THB18.000 bis THB20.000 im Monat. Bei Unterkunft im Haushalt beginnen die Kosten ab THB15.000 pro Monat – das sind jedoch nur Richtwerte, denn manche Familien zahlen mehr, andere weniger.
Für besonders gute Live-in-Kräfte werden auch THB22.000 oder mehr im Monat gezahlt.
Die Bezahlung kann bar oder per Überweisung erfolgen.
Zusatzleistungen
Bei Vollzeitkräften kann eine Sozialversicherungspflicht bestehen. Für Personen, die unter das MOU fallen und aus Myanmar, Vietnam, Kambodscha oder Laos stammen, ist dies sogar vorgeschrieben.
Vollzeitkräften sollte man außerdem mindestens 13 Urlaubstage pro Jahr einräumen.
Wer in Thailand ein Unternehmen betreibt, kann die Mitarbeiterin unter die betriebliche Sozialversicherung aufnehmen, Boni auszahlen, eine Krankenversicherung anbieten und sie ähnlich wie andere Angestellte behandeln.
Mehr dazu: A Guide to Group Health Insurance for Your Business in Thailand
Wo findet man Haushälterinnen und Kinderpflegerinnen?
Jetzt, wo die Grundlagen klar sind, stellt sich die Frage: Wo findet man geeignete Personen? Es gibt mehrere Wege – hier sind drei der gängigsten.
Persönliche Netzwerke
Das persönliche Netzwerk ist oft der einfachste Ausgangspunkt.
So kann man etwa die Reinigungskraft aus dem eigenen Büro fragen, ob sie am Wochenende nebenberuflich putzen möchte. Im Condo sind die Haushälterinnen des Hauses oft froh über einen Nebenverdienst.
Oder man bittet sie um Empfehlungen. Haushälterinnen haben meistens ein großes Netzwerk, über das man gute Kontakte bekommt – manchmal empfehlen sie sogar eigene Familienmitglieder.
Für die Suche nach einer Kinderpflegerin ist diese Methode allerdings weniger geeignet, da die Anforderungen spezifischer sind. Hier empfehlen sich eher Expat-Gruppen.
Expat-Gruppen
Expat-Gruppen sind eine gute Anlaufstelle, besonders Gruppen wie Bangkok Expat Families.
Dort posten Familien manchmal, dass sie für ihre Kinderpflegerin eine neue Stelle suchen, weil sie Thailand verlassen – ein echtes Gütezeichen für die Bewerberin.
Das ist erfahrungsgemäß ein sehr guter Weg, um qualifizierte Kräfte zu finden: Sie kennen den Umgang mit Expat-Familien bereits, und wenn die alte Familie extra eine neue Stelle für sie sucht, ist das ein deutliches Zeichen für ihre Qualität.
Man kann auch selbst eine Stelle ausschreiben. Folgende Angaben sollten dabei nicht fehlen:
- Arbeitszeiten
- gewünschte Aufgaben, z. B. Kochen, Putzen, Wäsche
- Anzahl der Familienmitglieder
- Anzahl der Kinder
- ob Haustiere im Haushalt leben
- Gehaltsvorstellung
- angebotene Zusatzleistungen
Auf solche Posts reagieren oft andere Mitglieder mit Empfehlungen, oder Bewerberinnen melden sich direkt.

Weitere Gruppen wie Bangkok Expats oder Expats in Chiang Mai sind ebenfalls einen Blick wert.
Wer Thai lesen kann oder jemanden kennt, der hilft, findet auch in spezifischen Thai-Gruppen Angebote – etwa in dieser Gruppe für Live-In-Kräfte aus Myanmar und Laos.
Wichtig: Alle Kandidatinnen aus diesen Gruppen sollte man sorgfältig prüfen.
Professionelle Vermittlungsagenturen
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine professionelle Vermittlungsagentur beauftragen.
Auch wenn es in Thailand keine staatlich anerkannten Abschlüsse für diese Berufe gibt, schulen seriöse Agenturen ihre Kandidatinnen intern und verbessern so deren Qualifikationen.
Hinzu kommt, dass Agenturen rechtliche Fragen rund um Visum und Arbeitserlaubnis übernehmen, was den eigenen Aufwand erheblich reduziert. Außerdem bieten sie eine Garantie an: Passt eine Kraft nicht zur Familie, wird sie ersetzt.
Die einmalige Vermittlungsgebühr liegt in der Regel zwischen THB5.000 und THB10.000.
Damit wären die wichtigsten Optionen geklärt – bleibt noch ein letzter Punkt: Verträge.
Verträge
Außer bei professionellen Vermittlungsagenturen sind Verträge beim Einstellen von Haushälterin oder Kinderpflegerin in Thailand nicht üblich. Das Rechtssystem bietet in diesem Bereich bislang nur wenig Schutz.
Stattdessen einigt man sich per Handschlag – was für beide Seiten Vorteile hat.
Wenn eine Kraft nicht den Erwartungen entspricht, kann man sich ohne vertragliche Bindung trennen. Umgekehrt kann die Mitarbeiterin jederzeit zu einer anderen Familie wechseln, wenn es nicht passt.
Grundsätzlich ist es möglich, einen Vertrag auf Englisch aufzusetzen und unterschreiben zu lassen. Viele Kräfte zögern jedoch, einen Vertrag über mehr als ein Jahr zu unterzeichnen.
Jetzt liegt es an Dir
Nimm Dir Zeit für die Suche. Schließlich handelt es sich um eine Person, die bei Dir wohnt, Deine Kinder betreut und fast täglich ein Teil Deines Alltags ist.
Wer eine wirklich gute Kraft gefunden hat, sollte sie halten. Manche Expat-Familien nehmen ihre Kinderpflegerin sogar mit, wohin sie auch auf der Welt ziehen.