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Englischunterricht gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Jobs für alle, die sich in Thailand ein Leben aufbauen wollen, und das aus gutem Grund.
Thailand ist ein attraktives Land für Expats. Es gibt tolle Strände, niedrige Lebenshaltungskosten und jede Menge günstiges, leckeres Essen.
Doch als Englischlehrer in Thailand seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist nicht ganz so einfach. In den meisten Fällen braucht man dafür einen Abschluss und/oder ein Zertifikat.
Was bleibt also denen, die keinen Studienabschluss haben?
Dieser Leitfaden zum Englischunterrichten in Thailand ohne Abschluss zeigt Dir, welche Möglichkeiten es gibt, wo Du sie findest und wie es rechtlich aussieht. So weißt Du genau, was zu tun ist, während Du auf einen Lehrabschluss oder ein Zertifikat hinarbeitest.
Contents
Das Wichtigste in Kürze
- Wer an regulären Schulen in Thailand unterrichten will, braucht eine Lehrlizenz, und die setzt einen Studienabschluss voraus. Ohne Abschluss sind die Möglichkeiten begrenzter, aber nicht gleich null.
- Sprachschulen in Einkaufszentren unterliegen nicht der Aufsicht des Teachers‘ Council of Thailand und können daher auch ohne Abschluss einstellen. Bezahlung und Bedingungen unterscheiden sich stark, also vorher gut recherchieren.
- Ein TEFL-Zertifikat zeigt Arbeitgebern, dass man es ernst meint, und kann Türen öffnen, besonders wenn man einen Präsenzkurs in Thailand mit echter Unterrichtspraxis absolviert.
- Muttersprachler aus Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Irland und Südafrika sind im Vorteil. Nicht-Muttersprachler brauchen in der Regel mindestens einen IELTS-Wert von 5,5 oder TOEIC 600.
- Vermittlungsagenturen können einen ohne Lizenz als Assistenzlehrer an einer Schule unterbringen, allerdings ist die Bezahlung niedrig, die Agentur behält einen Anteil ein, und die Rechtslage ist nicht immer eindeutig.
- Online-Unterricht und private Nachhilfe sind beliebte Umgehungslösungen, aber ohne Arbeitserlaubnis technisch illegal. Wer ohne Arbeitserlaubnis arbeitet, hat zudem keinerlei rechtlichen Schutz, falls ein Arbeitgeber schlecht behandelt.
- Visa-Runs werden zunehmend riskanter: Thailand geht immer härter gegen aufeinanderfolgende Touristenvisa vor. Wer langfristig hier unterrichten will, kommt am zuverlässigsten mit einem Studienabschluss ans Ziel.
Warum sind Abschlüsse so wichtig?
Nach den Vorschriften des Teacher’s Council of Thailand (TCT) braucht jeder, der an einer regulären Schule in Thailand arbeiten möchte, eine Lehrlizenz.

Als reguläre Schule gilt jede Schule, die dem thailändischen Lehrplan folgt, egal ob staatlich oder privat, und ihre Schüler in Klassen mit Gleichaltrigen unterrichtet.
Diese großen Gebäude voller lärmender Kinder in weißen Hemden und khakifarbenen Shorts oder blauen Röcken, mit Tafeln in jedem Klassenzimmer? Das sind reguläre Schulen, und sie sind mit Abstand die größten Arbeitgeber für Lehrkräfte in Thailand.
Lehrlizenzen in Thailand verstehen
Wie oben erwähnt, sind die Anforderungen für eine reguläre Lehrlizenz ziemlich streng und umfassen unter anderem eine postgraduale Lehrqualifikation, was viele potenzielle Lehrkräfte von einer Anstellung an Schulen ausschließt.
Deshalb bietet der TCT eine befristete Lehrlizenz an, die zwei Jahre gültig ist.
Um für eine Lehrlizenz infrage zu kommen, muss man älter als 20 Jahre sein und eines der folgenden Kriterien erfüllen:
- ein Studium der Pädagogik
- einen Abschluss in einem anderen von der Schule geforderten Fach
- eine vom TCT anerkannte Lehrlizenz aus einem anderen Land.
Es ist zwar nicht unmöglich, eine formale Lehrlizenz aus einem anderen Land zu besitzen, ohne vorher ein Studium abgeschlossen zu haben, aber sicherlich ungewöhnlich.
Unterm Strich braucht man also einen Studienabschluss, um sich für eine Lehrlizenz zu qualifizieren und legal an den meisten Schulen in Thailand zu unterrichten.
Deshalb wird auf Plattformen wie Ajarn.com bei den meisten ausgeschriebenen Lehrstellen ein Studienabschluss als Standardanforderung genannt, das erleichtert schlicht den Papierkram.
Diese Abschlusspflicht mag auf manche, die keinen Abschluss haben, wie eine unnötige zusätzliche Bürokratieschicht wirken, verständlicherweise.
Sie könnten einwenden, dass die Fähigkeiten, die einen guten Lehrer ausmachen, sich nicht unbedingt an einer Universität lernen lassen, vor allem wenn der Abschluss bestenfalls am Rande mit dem Fach zu tun hat, und damit hätten sie wahrscheinlich sogar recht.
Ich kenne persönlich einige Lehrer ohne Abschluss, die trotzdem hervorragende Arbeit leisten.
Allerdings sollte man bedenken, dass die Anforderungen an thailändische Lehrkräfte für reguläre Schulen deutlich strenger sind, und diese oft mit niedrigeren Gehältern einsteigen.
Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass es ein wenig Groll auslöst, wenn ausländische Lehrer mit nichts als einem Highschool-Abschluss hereinspazieren und trotzdem mehr verdienen.
Die Regeln sollen diesen durchaus verständlichen Unmut mit der Notwendigkeit ausgleichen, die enorme Nachfrage nach ausländischen Lehrkräften zu decken.
Lehrstellen ohne Abschluss finden
Ist also alle Hoffnung verloren für alle ohne Studienabschluss? Sollten sie einfach akzeptieren, dass Unterrichten für sie keine Option ist?
Ganz und gar nicht.
Wie bereits erwähnt, herrscht in Thailand eine riesige Nachfrage nach Englischlehrern, und selbst die gesenkte Einstiegshürde eines bloßen Studienabschlusses reicht bislang nicht aus, um sie vollständig zu decken.
Allerdings muss man festhalten, dass die Jobsuche ohne Abschluss nicht einfach ist.
Nicht nur macht es die Sache für die Schule beim Papierkram komplizierter, man konkurriert zudem mit Lehrern, die einen Abschluss vorweisen können.
Entsprechend ist die Zahl der Lehrstellen, die einem offenstehen, deutlich geringer als bei Bewerbern mit Abschluss.
Was also kann man tun, um sich für Arbeitgeber attraktiver zu machen? Hier ein paar Ansätze zum Einstieg.
Bei nicht-formalen Schulen bewerben
Die Vorschriften des TCT gelten nur für reguläre Schulen.
Es gibt jede Menge Schulen, die nicht unter die Zuständigkeit des TCT fallen und daher deutlich weniger Regulierung unterliegen als klassische Schulen.
Dazu zählen etwa die Sprachschulen, wie man sie in den Bildungsbereichen der meisten Einkaufszentren findet, und diese Schulen stellen häufig ein.
Wer aktuell keinen Abschluss hat, sollte einfach mal seinen Lebenslauf bei den Sprachschulen im nächstgelegenen Mall abgeben, man wird überrascht sein, was da geht.
Ein TEFL-Zertifikat machen
Ein anerkanntes TEFL-Zertifikat zeigt Arbeitgebern, dass man trotz fehlendem Abschluss ernsthaft daran interessiert ist, sich als Lehrkraft weiterzuentwickeln.
Zudem ist ein akkreditiertes 120-Stunden-TEFL-Zertifikat deutlich günstiger als ein vierjähriges Universitätsstudium, und für viele Kurse braucht man nicht einmal einen Abschluss, um sich anzumelden.
Ich empfehle außerdem, das Zertifikat in Thailand selbst zu machen. Das kann zwar teurer und weniger bequem sein als ein Onlinekurs, doch TEFL-Schulen in Thailand können einem beibringen, wie man thailändische Schüler unterrichtet, und bieten oft auch echte Unterrichtspraxis im Klassenzimmer. Manche helfen sogar dabei, eine Lehrstelle in Thailand zu finden.
Muttersprachler sein (oder gute IELTS-Werte haben)
Wer nur ein bisschen Zeit in einem Thailand-Lehrerforum verbringt, gerät unweigerlich in die Debatte darüber, wer die besseren Lehrer sind, Muttersprachler oder Nicht-Muttersprachler.
Die unbequeme Wahrheit ist jedoch: Unabhängig davon, wer tatsächlich die besseren Lehrer stellt, bevorzugen viele thailändische Arbeitgeber Muttersprachler gegenüber Nicht-Muttersprachlern. Als Muttersprachler gilt in der Regel, wer einen Pass aus einem der folgenden Länder besitzt:
- Großbritannien
- Irland
- Südafrika
- Australien
- Neuseeland
- USA
- Kanada
Wer keinen Pass aus einem dieser Länder besitzt, muss in der Regel ein starkes Englischniveau nachweisen, um für Arbeitgeber attraktiv zu sein. Häufig wird ein TOEIC-Wert von mindestens 600 oder ein IELTS-Wert ab 5,5 verlangt.
Einer Vermittlungsagentur beitreten
Ein Schlupfloch, das einige Lehrer nutzen, um die TCT-Vorschriften zu umgehen, ist die Anmeldung bei einer der zahlreichen thailändischen Vermittlungsagenturen.
Diese Agenturen stellen einen als eigenen Angestellten ein, kümmern sich um Visum und Arbeitserlaubnis und vermitteln einen als sogenannten Assistenzlehrer an eine lokale Schule, wodurch die Notwendigkeit einer Lehrlizenz umgangen wird.
Der Nachteil dabei: Die Bezahlung ist meist niedrig, und die Agentur behält jeden Monat einen Anteil vom Gehalt ein. Und ganz legal ist das Ganze womöglich auch nicht.
Lehrstellen, für die kein Abschluss nötig ist
Wer stellt also überhaupt Lehrer ohne Abschluss ein?
Internationale Schulen kann man von vornherein ausschließen. Viele von ihnen setzen die Latte hoch (Stichwort Masterabschluss in Pädagogik), und die Stellen sind selbst bei erfahrenen Lehrkräften mit Abschluss stark umkämpft.
Es ist nicht unmöglich, eine Stelle an einer internationalen Schule zu bekommen, aber ohne exzellente Kontakte oder eine andere gefragte Fähigkeit eher unwahrscheinlich.
Auch Stellen an Schulen in großen Städten wie Bangkok oder Chiang Mai sind meist umkämpfter und daher ohne starken Lebenslauf schwerer zu bekommen.
Wo also sollte man in Thailand nach Lehrstellen suchen? Hier ein paar Ideen für den Einstieg.
Staatliche Schulen
Thailändische staatliche Schulen sind in vielerlei Hinsicht nicht gerade ideale Arbeitsplätze; sie sind oft unterfinanziert, haben überfüllte Klassen und veraltete Ausstattung.

Viele von ihnen, besonders außerhalb der Großstädte, wären jedoch dankbar für ein paar Stunden mit einem fließend sprechenden Englischlehrer und wären vielleicht sogar bereit, die Regeln ein wenig zu biegen, damit man legal dort arbeiten kann.
Das ist sicher nicht für jeden das Richtige, und die Bezahlung ist nicht großartig, aber es ermöglicht einem, in Thailand zu leben und zu arbeiten, und gibt einen einzigartigen Einblick in eine Seite des Landes, die die meisten Touristen und sogar manche Expats selten zu Gesicht bekommen.
Sprachschulen
Wie bereits erwähnt, zählen Sprachschulen zu den nicht-formalen Schulen und sind daher von den TCT-Vorschriften ausgenommen, das heißt, es gibt keine gesetzliche Pflicht zu einem Studienabschluss.
Allerdings können sich diese Schulen bei Bezahlung, Arbeitsbedingungen und der Bereitschaft, eine Arbeitserlaubnis zu stellen, stark unterscheiden. In manchen Fällen ist der Unterricht an einer Sprachschule auch nicht ganz legal.
Also lieber vorher gründlich recherchieren, bevor man sich bindet. Da die meisten Kunden dieser Schulen nur abends und am Wochenende Zeit zum Lernen haben, sind die Arbeitszeiten für einen selbst oft ungünstig.
Mehr dazu in dem Erfahrungsbericht unserer Autorin über eine Lehrstelle in einer Sprachschule.
Online-Unterricht
Online-Unterricht hat sich mittlerweile zu einer beliebten Möglichkeit entwickelt, das eigene Einkommen aufzubessern.
Es gibt eine große Nachfrage nach Englischlehrern in Ländern wie China, und die Bezahlung für Unterricht über Apps wie Zoom kann durchaus attraktiv sein.
Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass diese Art von Arbeit in Thailand illegal sein kann, da man ohne Arbeitserlaubnis Geld verdient.
Private Nachhilfe
Wer gepflegt auftritt und bereit ist, ein wenig zu netzwerken, kann mit privater Nachhilfe in Thailand gutes Geld verdienen, besonders wenn man Nischenfächer wie IELTS-Vorbereitung unterrichten kann.
Diese Arbeitsweise bringt einige Vorteile mit sich: Man bestimmt selbst die Arbeitszeiten und das Honorar, und es ist oft entspannter als der Unterricht an einer Sprachschule.
Wie beim Online-Unterricht kann das jedoch formell illegal sein, auch wenn es enorm verbreitet ist. An den meisten Wochenenden trifft man in zahlreichen Cafés in Bangkok auf Expats, die dort unterrichten.
Visa-Runs in Thailand
Viele Expats ohne Abschluss umgehen die Regeln, indem sie illegal arbeiten, etwa an Sprachschulen, mit privater Nachhilfe oder Online-Unterricht, um über die Runden zu kommen.
Da sie keinen Anspruch auf ein Arbeitsvisum haben, bleiben sie stattdessen mit anderen Visa (Touristenvisum, Heiratsvisum, Bildungsvisum usw.) im Land, und rund um den berüchtigten Visa-Run hat sich eine ganze Nebenindustrie entwickelt.
Dabei verlassen sie Thailand, sobald ihr Touristenvisum abläuft, reisen in ein Nachbarland und beantragen dort bei einer thailändischen Botschaft ein neues Visum.
Auch wenn das weit verbreitet ist, sollten wir betonen, dass das keine gute Idee ist.
Die thailändische Regierung geht in den letzten Jahren zunehmend hart dagegen vor, und Ausländer mit auffällig vielen aufeinanderfolgenden Touristen- oder Bildungsvisa riskieren, mit einem Einreiseverbot belegt zu werden.
Wer zudem illegal arbeitet, ist ausbeuterischen oder missbräuchlichen Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert, ohne jeden rechtlichen Rückhalt bei Problemen.
Und jetzt bist Du dran
Auch wenn es in Thailand Möglichkeiten zum Unterrichten ohne Abschluss gibt, ist es nicht leicht, eine gute, gut bezahlte und vor allem legale Stelle zu finden.
So verlockend der Weg über illegale Arbeit mit Visa-Runs auch erscheinen mag, wir raten dringend davon ab.
Wer es ernst meint mit dem Wunsch, eine Lehrkarriere in Thailand zu verfolgen, kommt letztlich am einfachsten damit weiter, sich durchzubeißen und einen Studienabschluss zu machen.