Anki im Test: Thai lernen mit Karteikarten und Handy-App

Als ich zum ersten Mal von einem Programm namens Anki hörte, war ich wenig begeistert. Das klang nach digitalen Karteikarten, so etwas, was meine Freunde in der achten Klasse als kleine Programmierübung gebaut haben. Auf ihre Französischnoten hatten die fertigen Werke offenbar keinen großen Einfluss. Das passte zu meiner Überzeugung, dass Technik Faulheit nicht heilt. Dachte ich zumindest.

Was sich seit Anki 2 geändert hat

Kurz gesagt: Die App hat einen neuen Namen und neue Menüs bekommen, die Idee dahinter ist aber dieselbe geblieben. Diese Rezension entstand, als „Anki 2″ die aktuelle Version war. Auf der offiziellen Anki-Seite steht für den Desktop inzwischen die Version 26.09.3, deshalb sehen Deine Bildschirme anders aus als auf älteren Screenshots. Das Prinzip der verteilten Wiederholung (Spaced Repetition) ist unverändert. (Geprüft im Oktober 2026.)

Hier siehst Du, wie die einzelnen Apps heißen und was sie kosten.

  • Anki (Desktop): kostenlos für Windows, macOS und Linux.
  • AnkiDroid (Android): kostenlos. Entwickelt wird die App von freiwilligen Helfern, sie ist bei Google Play zu finden.
  • AnkiMobile (iPhone und iPad): die offizielle iOS-App, im US-App-Store für 21 € (US$ 24,99) gelistet. In anderen App-Store-Regionen können die Preise abweichen.
  • AnkiWeb: ein kostenloses Konto, das Deine Karten zwischen den Geräten synchronisiert. Lernen kannst Du damit auch direkt im Browser.

Neben dem älteren, auf SuperMemo basierenden Verfahren bietet Anki inzwischen eine zweite Planungsmethode namens FSRS. Sie ist optional, Du kannst sie als Einsteiger also getrost ignorieren. Wenn Du sie doch aktivierst, achte darauf, dass alle synchronisierten Geräte auf dem neuesten Stand sind, denn ältere Versionen unterstützen sie womöglich nicht.

Die Grundlagen

Anki gibt es für verschiedene Plattformen: für PC, Mac, Linux, iOS und Android sowie als Webanwendung, die sich in den meisten Browsern am Handy oder Rechner öffnen lässt. Die Idee in Kürze: Du erstellst digitale Karteikarten und übst sie wie klassische Lernkarten, mit einem Kniff. Welche Karten wiederholt werden, wählt das Programm automatisch aus. Solange Du richtig antwortest, tauchen sie in immer größeren Abständen wieder auf, und bei einer falschen Antwort fängt der Zyklus von vorn an. Fertige Kartensätze kannst Du außerdem kostenlos herunterladen, dazu später mehr.

So funktioniert es

Anki arbeitet mit sogenannten Notizen, die aus mehreren Feldern bestehen (zum Beispiel Vorder- und Rückseite einer Karte). Es können auch mehr als zwei Felder sein, etwa „Englisch“, „Thai“ und „Thai-Abkürzung“, was besonders praktisch ist, wenn Du häufig abgekürzte Begriffe lernen willst. Auf Text ist Anki nicht beschränkt: Auch Audiodateien und Bilder lassen sich einbinden. Ich selbst habe nie etwas anderes als Text benutzt, aber wenn Du die Aussprache üben willst oder Thai noch nicht lesen kannst, hilft das enorm.

Anki-Rezension zum Thai-Lernen

Anki zeigt Dir eine Seite der Karte, und Du musst die Antwort erraten. Wer möchte, kann sogar einstellen, dass die Antwort eingetippt werden muss. Danach gibst Du an, ob Du falsch lagst (die Karte landet sofort wieder im virtuellen Stapel zum Wiederholen), ob Du richtig lagst (die Karte kommt nicht gleich wieder) oder ob sie leicht war (dann dauert es deutlich länger bis zur nächsten Anzeige). Dieses Verfahren nennt man Spaced Repetition.

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Wie lang die Abstände tatsächlich sind, hängt davon ab, wie oft Du eine Karte hintereinander richtig beantwortet hast. Beim ersten Mal kommt sie am nächsten Tag wieder, dann nach 3 Tagen, nach 7, nach einem Monat und so weiter. Markierst Du eine Antwort als leicht, ist das ungefähr so, als würdest Du die nächste Wiederholung überspringen.

Scheiterst Du nach der anfänglichen Lernphase zu oft an einer Karte (standardmäßig 8-mal, die Einstellung lässt sich ändern), markiert Anki sie als „Leech“ (Blutegel) und setzt sie aus, sodass sie nicht mehr zur Wiederholung auftaucht. Der Gedanke dahinter: Manche Wörter will man sich einfach partout nicht merken, und statt Lernzeit zu fressen, werden sie pausiert. Rückgängig machen kannst Du das jederzeit, aber die Software will Dir Frust ersparen.

Der PC-Client

Die Desktop-Versionen von Anki sind kostenlos herunterladbar. Ich habe nur die PC-Version benutzt, soweit ich weiß unterscheiden sich die Mac- und Linux-Versionen aber kaum. Die Oberfläche der PC-Version bietet viele Funktionen, wirkt anfangs aber etwas unübersichtlich.

Mir haben die kleinen Details gefallen, an denen man merkt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Ein gutes Beispiel: Gibst Du Daten in Feldern auf Englisch und auf Thai ein (mit echter Thai-Schrift, so sollte es auch sein), merkt sich die Software, welche Sprache zu welchem Feld gehört. Du musst die Tastatur also nicht ständig zwischen Thai und Englisch umschalten.

Der mobile Client

Anki auf dem Handy zu haben, entscheidet meiner Meinung nach darüber, ob das Ganze funktioniert oder nicht. Für Android gibt es AnkiDroid kostenlos. Die offizielle iOS-App AnkiMobile kostet im US-App-Store 21 € (US$ 24,99; geprüft im Oktober 2026). Autsch! Gemessen am Nutzen ist das aber immer noch ein Schnäppchen: Du kannst in der U-Bahn üben, beim Warten auf den Aufzug oder an der Kasse bei Big C am Samstagvormittag.

Klar, das ist etwas mehr als bei einer durchschnittlichen „Angry Birds“-App, aber wenn Du Hunderte zusätzliche Übungsstunden herausholst, ist der Preis locker gerechtfertigt. Alternativ nutzt Du AnkiWeb, das im mobilen Browser läuft und komplett kostenlos ist.

Du musst Dich trotzdem aufraffen, in der U-Bahn Thai zu üben, statt die neuesten Facebook-Meldungen Deiner Freunde zu lesen. Dafür wird aus Wartezeit schnell produktive Lernzeit. Vielleicht ist dieser Drang, die Zeit effizient zu nutzen, auch einfach der Deutsche in mir.

Jedenfalls reizt es mich sehr, mein Thai zu verbessern, ohne dafür Freizeit oder Arbeit zu opfern.

Warum Du beide Apps nutzen solltest

Als Faustregel empfehle ich, neue Einträge am PC oder Mac zu erfassen, schon wegen der Tippgeschwindigkeit. Die iOS- oder Android-App eignet sich dagegen perfekt für die Wiederholungen. Der Wechsel zwischen beiden klappt prima, weil Anki Handy und Rechner über einen eigenen Server automatisch abgleichen kann.

Sobald Du Daten eingegeben (oder Wiederholungen beendet) hast, kann Dein Gerät den aktuellen Stand per WLAN, Mobilfunk und Co. mit dem zentralen Anki-Server synchronisieren. Du kannst also neue Einträge am PC anlegen und direkt danach auf dem Handy wiederholen, ohne es an den Rechner anzuschließen.

So baust Du Thai-Karten, die funktionieren

Kurz und konkret schlägt lang und clever. Baue Deine Karten rund um Wörter, die Dir wirklich begegnen werden, und frage pro Karte nur eine Sache ab. Eine einzelne Frage lässt sich viel leichter wiederholen als ein ganzer Absatz.

  • Ganze Sätze verwenden: Bei der Lückentext-Funktion (Cloze Deletion) blendet Anki ein Wort in einem Satz aus, sodass Du es im Zusammenhang übst. Wenn ein Wort immer wieder durchfällt, kombiniere es mit einem Satz, den Du im Alltag gehört hast, zum Beispiel aus unseren gängigen Thai-Redewendungen mit Audio.
  • Lesehilfen ergänzen, wo nötig: Du kannst die Thai-Schrift noch nicht lesen? Füge ein Feld für die Umschrift oder eine Audiodatei hinzu. Arbeite parallel zu Deinen Karten den Leitfaden zum Thai-Alphabet durch.
  • Karten in einer Tabelle erstellen: Anki importiert reine Textdateien, deren Felder durch Kommas, Semikolons oder Tabulatoren getrennt sind. Speichere die Datei als UTF-8, damit die Thai-Zeichen korrekt importiert werden.
  • Leeches beheben, statt gegen sie zu kämpfen: Nach 8 gescheiterten Wiederholungen (Standardwert) markiert Anki eine Karte als Leech und setzt sie aus. Laut Anki-Handbuch ist es am effektivsten, die Darstellung der Information zu ändern. Eine überfrachtete Karte in zwei aufzuteilen, ist ein Beispiel dafür.

Karten sind nur ein Baustein beim Lernen. Kombiniere sie mit echter Gesprächspraxis. In unserem Leitfaden zum schnellen Thai-Lernen siehst Du, wie alles zusammenspielt. (Geprüft im Oktober 2026.)

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Fertige Kartensätze nutzen

Es gibt unglaublich viele frei geteilte, fertige Kartensätze für Anki. Du kannst sie direkt in der Anwendung vom zentralen Anki-Server herunterladen, ohne Zusatzkosten. Ehrlich gesagt reizt mich das meistens nicht. Du fährst in der Regel besser damit, Wörter und Redewendungen selbst einzugeben, und zwar solche, deren Zusammenhang Du kennst und die Du mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder brauchst. Ein fertiger Satz deckt sich selten mit dem, was Du tatsächlich brauchst.

Wenn Du bereits ein eigenes Kartendeck hast, gibt es auch dafür Hilfe. Anki kann gepackte Anki-Decks, reine Textdateien und Sammlungen von Mnemosyne 2.0 importieren. Theoretisch kannst Du auch aus anderen Programmen in standardisierte Textdateien exportieren und diese in Anki importieren. Ob das klappt, suchst Du aber am besten für Deine jeweilige Software per Google heraus.

Eine einfache Tagesroutine und die Synchronisierung einrichten

Die Einrichtung dauert ein paar Minuten. Lege ein kostenloses AnkiWeb-Konto an, klicke dann in der Desktop-App auf die Sync-Schaltfläche und gib Deine AnkiWeb-Zugangsdaten ein. Mach dasselbe in AnkiDroid oder AnkiMobile, und Deine Karten begleiten Dich von Gerät zu Gerät.

AnkiWeb ist kostenlos und löscht deshalb ungenutzte Kontodaten. Wenn Du Dein Konto 6 Monate lang weder synchronisiert noch geöffnet hast, können die bei AnkiWeb gespeicherten Daten gelöscht werden. Karten, die auf Deinen eigenen Geräten liegen, bleiben erhalten. (Geprüft im Oktober 2026.)

Sei ehrlich zu den Antwortschaltflächen. Drücke „Nochmal“, wenn Du die Antwort nicht wusstest. Laut Anki-Handbuch nutzt Du diese Schaltfläche typischerweise in 5 bis 20 Prozent der Fälle. „Gut“ ist die Schaltfläche für richtige Antworten und kommt in etwa 80 bis 95 Prozent der Fälle zum Einsatz. Wenn Dir vier Schaltflächen zu viel sind, reichen auch nur „Nochmal“ und „Gut“.

Halte die tägliche Gewohnheit so klein, dass sie auch eine stressige Woche übersteht. In den Deck-Optionen legst Du fest, wie viele neue Karten pro Tag erscheinen. Fang niedrig an und erhöhe die Zahl, sobald sich die Wiederholungen leicht anfühlen.

Fazit

Dank der Kombination aus Desktop- und Mobil-Client kannst Du Deinen eigenen Kartensatz bequem am PC anlegen und ihn dann jeden Tag unterwegs üben, etwa auf dem Arbeitsweg. Wenn Du statt einzelner Wörter ganze Sätze verwendest, verbesserst Du Wortschatz, Grammatik und Sprachgefühl ganz nebenbei in alltäglichen Leerlaufzeiten.

Anki ist nicht die einzige SRS-Lösung, aber die einzige, die ich ausprobiert habe, und bislang sehe ich keinen Grund zu wechseln. Ich freue mich über Erfahrungsberichte von Leuten, die andere Lösungen nutzen. Schreib einfach einen Kommentar!

Häufig gestellte Fragen

Ist Anki kostenlos?

Größtenteils. Die Desktop-App, AnkiDroid für Android und der Sync-Dienst AnkiWeb sind kostenlos. Die App für iPhone und iPad, AnkiMobile, ist kostenpflichtig und im US-App-Store für 21 € (US$ 24,99) gelistet. (Geprüft im Oktober 2026.)

Ist „Anki 2″ noch die aktuelle Version?

Nein. Auf der offiziellen Anki-Seite steht 26.09.3 als aktuelle Desktop-Version. „Anki 2″ ist der alte Name, unter dem diese Rezension geschrieben wurde. (Geprüft im Oktober 2026.)

Kann ich Anki auf dem Handy nutzen, ohne zu zahlen?

Unter Android ja, über die kostenlose App AnkiDroid. Auf dem iPhone kannst Du im mobilen Browser über das kostenlose AnkiWeb lernen oder für die volle App AnkiMobile bezahlen.

Wie bekomme ich meine eigene Wortliste in Anki?

Speichere die Liste als reine Textdatei im UTF-8-Format, mit Feldern, die durch Kommas, Semikolons oder Tabulatoren getrennt sind. Dann wählst Du in der Desktop-App „Datei“ und „Importieren“. Tabellenprogramme wie LibreOffice können dafür eine CSV-Datei speichern.

Was ist ein Leech in Anki?

Ein Leech ist eine Karte, an der Du immer wieder scheiterst. Standardmäßig markiert Anki die Notiz als Leech und setzt die Karte aus, sobald Du sie 8-mal vergessen hast. Du kannst den Schwellenwert ändern oder die Karte so umschreiben, dass sie sich leichter merken lässt.

Löscht AnkiWeb meine Karten, wenn ich es nicht mehr nutze?

Möglicherweise, aber nur die Kopie auf den Servern. AnkiWeb kann diese Daten löschen, wenn Du 6 Monate lang weder auf das Konto zugegriffen noch synchronisiert hast. Dein Konto bleibt bestehen, und die Karten auf Deinen eigenen Geräten bleiben erhalten.

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Verwendete Quellen

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