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In den letzten sechs Monaten habe ich alle meine persönlichen Ausgaben erfasst und kategorisiert. Dieser Beitrag listet sie im Detail auf – ergänzt durch Erklärungen, Gedanken und Beobachtungen. Ich hoffe, er gibt anderen einen Vergleichspunkt, hilft bei der Recherche zu den Lebenshaltungskosten als Expat in Bangkok und zeigt, wie jemand sein Geld tatsächlich ausgibt. Das hier soll kein Leitfaden sein und auch keine repräsentative Stichprobe – es gibt viele Möglichkeiten, weniger, mehr oder cleverer zu wirtschaften.
Die ursprüngliche Idee kam aus der /r/personalfinance-Community auf Reddit, die empfiehlt, alle Ausgaben detailliert festzuhalten. Die tägliche Erfassung lief über eine Ausgaben-App namens Depoza.
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Contents
Einschränkungen
Ich habe mir Mühe gegeben, alles korrekt zu erfassen – aber eine gewisse Fehlerquote lässt sich nicht ausschließen. Einzelne Posten könnten vergessen, falsch zugeordnet oder geschätzt worden sein (z. B. bei geteilten Ausgaben oder gerundeten Wechselkursen). Im Großen und Ganzen sollte das Bild aber stimmig sein und meinen Lebensstil sowie die damit verbundenen Kosten realistisch abbilden.
Wer bin ich?
Ich bin ein 33-jähriger deutscher Unternehmer, der in Bangkok lebt und Dinge liebt wie Arbeit, Reisen, Videospiele – und eine gute Krankenversicherung. In den letzten Jahren habe ich mehr auf Sport und Ernährung geachtet, was als Vegetarier besonders anspruchsvoll (sprich: teurer) sein kann. Ich habe keine Kinder und kein Auto (Autofahren in Thailand ist eine Geduldsprobe) – beides würde meine Ausgaben sonst erheblich in die Höhe treiben.
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Meine Erwartungen
Ich hatte kein festes Budget und wollte einfach sehen, wofür ich mein Geld ausgebe. Erwartet hatte ich etwa ฿60.000 – der tatsächliche Betrag lag knapp 25 % höher. Schon die erste Überraschung.
Das große Bild
Insgesamt habe ich ฿444.190,98 ausgegeben, was einem monatlichen Durchschnitt von ฿74.031,83 (ca. 1.862 €) entspricht. Für ein Land, das gemeinhin als „sehr günstig“ gilt, ist das eine Summe, die durchaus nach Erklärung verlangt. Wie komme ich in Bangkok auf ein Budget, das sich auch in Frankfurt nicht unbedingt deplatziert anfühlen würde? Hier zunächst eine Aufschlüsselung nach Kategorien:
| Kategorie | Monatliche Ausgaben |
| Miete & Nebenkosten | ฿15.780,33 |
| Lebensmittel | ฿7.896,67 |
| Krankenversicherung | ฿6.250,00 |
| Reisen | ฿5.855,67 |
| Essen gehen | ฿5.794,50 |
| Spenden | ฿5.561,17 |
| Kleidung | ฿5.415,17 |
| Alkohol | ฿3.693,13 |
| Geschenke | ฿2.912,67 |
| Nahrungsergänzung & Apotheke | ฿2.842,67 |
| Transport | ฿2.510,67 |
| Haushaltshilfe | ฿2.433,33 |
| Unterhaltung | ฿1.869,50 |
| Versicherung | ฿1.600,00 |
| Kaffee | ฿1.096,38 |
| Körperpflege | ฿166,67 |
| Sonstiges | ฿1.131,50 |
| Gesamt | ฿74.031,83 |
Wenig überraschend macht das Wohnen den größten Posten aus, gefolgt von Lebensmitteln und Gesundheit – Maslow hätte seine Freude daran gehabt. Meine Unterhaltungsausgaben verraten, dass ich kein Stammgast in Massagesalons bin. Für andere Wege, Geld loszuwerden, habe ich aber durchaus ein Talent. Schauen wir uns die einzelnen Posten genauer an.
Einzelne Posten
Die folgenden Zahlen sind monatliche Durchschnittswerte. Zum besseren Vergleich habe ich jeweils den EUR-Gegenwert zum damaligen Wechselkurs hinzugefügt.
Miete & Nebenkosten
฿15.780,33 (ca. 405 €)
Da Vermieter in Thailand die Nebenkosten nicht selten aufschlagen, fasse ich alles zusammen: Strom, Wasser, Internet und Kaltmiete als einen gemeinsamen Betrag. In meinem Fall ist die Miete vergleichsweise niedrig und Internet ist ohne Aufpreis inklusive – dafür ist der Stromtarif ungewöhnlich hoch. Da es eine monatliche Pauschale ist, lässt sich das gut im Blick behalten. Wer sich einen besseren Überblick über Wohnkosten in verschiedenen Stadtteilen verschaffen möchte, findet in meinem Artikel über Wohnen in Bangkok mehr Informationen. Eine Eigentumswohnung als Ausländer zu kaufen ist durchaus möglich und erschwinglich – ich habe mich dagegen entschieden, um flexibel zu bleiben.
Lebensmittel
฿7.896,67 (ca. 179 €)
Der Betrag setzt sich aus günstigeren lokalen Produkten und teureren Importwaren zusammen (z. B. eine bestimmte Sorte Sojamilch, Käse usw.) – Alkohol ist separat erfasst. Den Großteil meiner Lebensmittel bestelle ich online bei Tesco Lotus und lasse sie liefern (es gibt natürlich auch viele andere Online-Lieferdienste). Da Tesco Lotus keinen Fleischersatz auf Soja- oder Molkebasis führt, mache ich alle zwei Monate einen Vorratseinkauf bei einem Spa-Foods-Laden in der Nähe von Golden Place. Den Rest deckt der 7-Eleven – hauptsächlich Snacks (gekochte Eier, Tomaten, Äpfel, Trinkjoghurt) und Wasser für unterwegs. Dass meine Lebensmittelkosten etwas höher ausfallen, liegt an meiner Ernährungsweise: vegetarisch und gleichzeitig kohlenhydrat- und fettarm – eine Kombination, die ich während meiner Abnehmphase entwickelt habe.
Krankenversicherung
฿6.250,00 (ca. 142 €)
Bei der Krankenversicherung bin ich eher großzügig. Mein Tarif deckt praktisch alles ab – einschließlich ambulanter Behandlungen (OPD) und ohne Selbstbeteiligung. Angesichts des Leistungsumfangs halte ich meinen aktuellen Beitrag bei ACS für fair. Günstigere Optionen gibt es: Ohne ambulante Leistungen käme derselbe Vertrag etwa halb so teuer. Seit diesem Artikel habe ich eine ausführliche Übersicht zur Krankenversicherung in Thailand verfasst, in der ich auch meinen eigenen Tarif vorstelle. Wer älter oder weiblich ist, zahlt für denselben Schutz in der Regel mehr – der Grund dafür ist einleuchtend.
Reisen
฿5.855,67 (ca. 133 €)
Dieser Betrag umfasst Hotels, Flüge und sonstige Reisekosten. Geschäftsreisen sowie Essen und Trinken unterwegs (die ich in ähnlicher Höhe auch in Bangkok gehabt hätte) habe ich herausgelassen. Im Einzelnen waren es zwei Kurzurlaube – nach Hongkong und nach Laos. Aufs Jahr gesehen dürfte das eher die untere Hälfte meiner Reiseausgaben abbilden, da ich in der zweiten Jahreshälfte erfahrungsgemäß mehr unterwegs bin. In früheren Jahren habe ich auch entlegenere Ziele bereist (z. B. Armenien, Simbabwe) – längere Reisen, die pro Tag aber oft deutlich günstiger waren.
Für Flugbuchungen nutze ich am liebsten Expedia – dort laufen in Thailand regelmäßig Aktionen. Mein letzter Hin- und Rückflug von Bangkok nach Deutschland hat mich zum Beispiel nur 408 € gekostet, weniger als die Hälfte des üblichen Preises von rund 765 €.
Essen gehen
฿5.794,50 (ca. 132 €)
Restaurants sind in Thailand deutlich günstiger als in Deutschland – aber in den zehn Jahren, die ich hier lebe, haben sich die Preise in etwa verdoppelt. Food Courts (besonders im Terminal 21 und im The Street) bieten noch immer ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, aber mit einem breiteren Angebot an gehobenen Speisen sind auch die Preise gestiegen. Zusammen mit meiner höheren Frequenz beim Auswärtsessen – und einer gewissen Bequemlichkeit in der Küche – gebe ich hier mehr aus, als ich es in Deutschland täte.
Spenden
฿5.561,17 (ca. 127 €)
Größtenteils regelmäßige Spenden an die hervorragende Organisation GiveWell. Für die meisten Menschen wohl kein relevanter Posten, aber er gehört nun mal zu meinen persönlichen Ausgaben. Der Rest fließt in die Unterstützung eines indisch-thailändischen Häftlings im Bang-Kwang-Gefängnis, den ich alle paar Monate besuche. Er bittet mich meist um Seife, Shampoo, Kaffee, Kaffeesahne und Zucker, und ich überweise ihm etwas auf sein „Konto“, damit er sich auch sonst etwas kaufen kann. Wer jemanden in einer ähnlichen Situation unterstützen möchte, findet hier mehr Informationen.
Kleidung
฿5.415,17 (ca. 123 €)
Deutlich mehr als sonst – aber ich arbeite in der IT, also wundert man sich zurecht. In den letzten Monaten musste ich meinen Kleiderschrank erneuern, weil mir nach einer Gewichtsabnahme vieles nicht mehr passte (vor allem Anzüge, Westen und Hosen) – und wenn ich schon dabei bin, kann ich mir auch ein paar Slim-Fit-Hemden gönnen. Grundsätzlich sind Klamotten in Thailand nicht so günstig, wie viele denken. Zum einen ist viel billiges Zeug von schlechter Qualität und muss ständig ersetzt werden, zum anderen werden viele Produkte zwar in der Region hergestellt, müssen aber re-importiert werden (z. B. Onitsuka-Tiger-Schuhe).
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Alkohol
฿3.693,13 (ca. 84 €)
Hier habe ich Getränke in Clubs und Bars (der mit Abstand größte Teil) mit im Laden gekauftem Alkohol zusammengefasst. Bierpreise sind in etwa vergleichbar mit Deutschland – im Supermarkt eher teurer, in Außenlokalen eher günstiger. Wein ist tendenziell auf der teureren Seite (ab ca. ฿300 pro Flasche im Supermarkt, die meisten Angebote zwischen ฿499 und ฿799). Beim Ausgehen sind Whisky- und Scotch-Flaschen oft das beste Angebot – Bars verdienen an Flaschen weniger, dafür mehr an Mischern und Eis. Viele Einheimische greifen zu lokalem Rum, der zu absoluten Kampfpreisen erhältlich ist.
Geschenke
฿2.912,67 (ca. 66 €)
Ein Posten, den die meisten wohl nicht bewusst im Blick haben. Dazu zählen Souvenirs, Geburtstagsgeschenke und alles, was anfällt, wenn ich anderen unter die Arme greife. Als ich die einzelnen Positionen durchgegangen bin, war ich angenehm überrascht, wie gut ich mich über alles davon gefreut habe. Stimmt wohl: Geld für andere ausgeben macht glücklich.
Nahrungsergänzung & Apotheke
฿2.842,67 (ca. 64 €)
Günstige Nahrungsergänzungsmittel in Thailand zu finden ist mühsam. Ob es an Regulierungen oder fehlendem Wettbewerb liegt – die Preise sind oft doppelt so hoch wie in Europa oder den USA. Zum Glück gibt es zwei Ausnahmen, bei denen man US-Preise bekommt: PhuketHealthShop (dort bestelle ich Proteinpulver) und iHerb (ein US-Shop, der Vitamine und Supplements nach Thailand liefert – ab umgerechnet ca. 3,40 €). Bei rezeptfreien Medikamenten ist es umgekehrt: Die gibt es überall und zu sehr günstigen Preisen.
Transport
฿2.510,67 (ca. 57 €)
Ein Mix aus Taxifahrten und Aufladungen für U-Bahn- und Skytrain-Karte. Motorradtaxis meide ich in der Regel (auf Hauptstraßen zu gefährlich). Insgesamt dürfte der Zeit- und Kostenaufwand für Transport dem in Deutschland ähneln: Was Bangkoks ÖPNV an Netzabdeckung und Preisgestaltung vermissen lässt, kompensiert er durch günstige Taxis – die durch den Stau aber oft genauso lange brauchen wie öffentliche Verkehrsmittel in Deutschland.
Haushaltshilfe
฿2.433,33 (ca. 55 €)
Der Preis für ein Zuhause, in dem man sich nicht um Wäsche, Abwasch oder Putzen kümmern muss. Ein angenehmer Nebeneffekt: Ich muss meine Termine nicht nach den Lieferfenstern meiner Lebensmittelbestellungen richten – die können einfach abgegeben werden, wenn die Haushaltshilfe da ist. Aus finanzieller Sicht macht das Sinn – solange ich die gewonnene Zeit für mein Business nutze und nicht für Videospiele!
Unterhaltung
฿1.869,50 (ca. 42 €)
Schaut man auf die Zahlen, führe ich ein bequemes, aber kein besonders aufregendes Leben. Diese Kategorie umfasst vor allem digitale Produkte und Dienste: Kindle-E-Books (ein echter Game-Changer, wenn man im Ausland lebt), Spotify (das Registrierungen aus Thailand blockiert – man braucht eine ausländische IP und Zahlungsmethode) und Steam (internationale Videospiele zum lokalen Preis). Die einzigen „analogen“ Ausgaben: Kinobesuche (günstig – muss man sein, um gegen die allgegenwärtigen Raubkopien zu bestehen) und Kostüme für Mottopartys (Details erspare ich Euch lieber).
Versicherung
฿1.600,00 (ca. 36 €)
Nur ein einziger Posten in dieser Kategorie: meine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie greift, falls ich aus gesundheitlichen Gründen meinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Abgeschlossen habe ich sie direkt nach dem Studium – und ich hoffe aufrichtig, dass sie ein schwarzes Loch bleibt, in das ich Monat für Monat Geld werfe, ohne je einen Cent zurückzusehen.
Sport
฿1.221,83 (ca. 28 €)
Eine dreimonatige Mitgliedschaft in einem 24-Stunden-Fitnessstudio, dazu ein paar Geräte für zuhause. Ich trainiere ungefähr zweimal pro Woche – je nach Phase entweder ein gerätefreies Reise-Workout, eine Runde im Park, eine T25-Session mit meiner Freundin oder Krafttraining. Konsequenter wäre ich wohl schneller vorwärtsgekommen – vielleicht ein Projekt für später im Jahr. Je nach Wohnlage in Bangkok kann das übrigens deutlich günstiger werden: Die günstigsten Fitnessstudios in Bangkok kosten nur 40 THB pro Jahr.
Kaffee
฿1.096,38 (ca. 25 €)
Ich hätte das mit „Essen gehen“ zusammenfassen können – aber zwischen einem 4,25-€-Starbucks und einem 0,03-€-Kaffee vom Straßenstand liegen Welten, also wollte ich wissen, was ich wirklich ausgebe. Die Antwort: kein weltbewegendes Budget. Wahrscheinlich liegt das daran, dass einer meiner Lieblingsstände direkt gegenüber meinem Bürogebäude für nur ฿35 echten Kaffeegenuss bietet. Dennoch habe ich das Gefühl, da noch etwas optimieren zu können. Seit mich meine Freundin mit Pacamara bekannt gemacht hat (fantastisches Zeug, ich könnte die Bohnen kistenweise kaufen), werde ich wohl fast vollständig auf selbst gebrühten Kaffee umsteigen. Der Perfektionist in mir lässt grüßen.
Körperpflege
฿166,67 (ca. 3,80 €)
Haarschnitte sprengen mein Budget nicht – ich könnte öfter hingehen, das stimmt. Aber billiger als eine neue Garderobe ist es allemal.
Sonstiges
฿1.131,50 (ca. 26 €)
Hierunter fallen Gebühren für die Neuausstellung und Abhebungen an fremden Geldautomaten (prozentual gesehen wahrscheinlich das größte Schnäppchen im ganzen Land – eine Fremdbank-Abhebung kostet gerade einmal ฿3 (ca. 0,07 €)), Küchengeräte und andere Haushaltsanschaffungen sowie alle Kleinposten, für die es keine bessere Kategorie gab.

Fazit
Peter Drucker (der „Vater des modernen Managements“) sagte einmal: „Was gemessen wird, wird gesteuert.“ Das gilt, wie ich festgestellt habe, genauso für persönliche Ausgaben wie für Kalorienzählen. Man merkt plötzlich sehr genau, wofür man sein Geld ausgibt. Allein das bewusste Erfassen hat dazu geführt, dass ich bestimmten Ausgaben positive oder negative Gefühle zugeordnet habe – je nachdem, ob sie es mir wert waren. Man wird zum bewussteren Konsumenten.
Meinen eigenen Lebensstil würde ich als „moderat“ beschreiben – aber das tun wohl die meisten. Die meisten Ausgaben jenseits des Notwendigen empfinde ich nicht als Luxus, sondern eher als Komfort und Freiheit (auch wenn das für andere vielleicht genau das Gleiche bedeutet). Ich muss aber zugeben, dass ein guter Teil auch Eitelkeit, Stolz und Selbstbild bedient – alles, was in den Versuch fließt, fitter und modischer auszusehen.
Ein konkretes Ziel verfolge ich damit nicht. Aber ich habe einen inneren Antrieb zur Selbstoptimierung, der mich dazu bringt, mein Ausgabeverhalten bewusst zu hinterfragen – wenn auch nur, um das Gefühl zu haben, mich weiterentwickelt zu haben.





