Geschrieben von: Hugh Leong
Wer Thai lernt, kommt um die thailändischen Höflichkeitspartikel am Satzende nicht herum. Die bekanntesten sind ครับ /kráp/ (für Männer) und คะ /ká/ (für Frauen). Sie hängen wie ein kleiner Höflichkeitsmarker am Ende eines Satzes.
Diese Endpartikel heißen auch หางเสียง /hăang sĭang/ (wörtlich: „Schwanz des Klangs“). Wer ohne sie spricht (ไม่มีหางเสียง /mâi mee hăang sĭang/), wirkt schroff und gilt schnell als unhöflich.
Oft wird gefragt, wie viele „khrups“ und „kaas“ man verwenden soll und wie häufig. Das hängt stark von der Situation ab. Ein guter Trick: Hör genau hin, wie Dein Gegenüber sie benutzt, und antworte auf dieselbe Weise.
Spannend ist auch, wie manche Leute (meist Frauen) mit kleinen Kindern reden. Sie benutzen die Endpartikel, die zum Geschlecht des Kindes passt. Mit einem kleinen Jungen sagen sie ครับ /khrup/, mit einem kleinen Mädchen คะ /ká/. So lernen die Kleinen ganz nebenbei, wie man die Partikel richtig einsetzt, einfach weil sie sie ständig hören.
Anfänger denken oft, Endpartikel hätten nur die eine Aufgabe, einen Satz höflich abzurunden. Doch sie tragen durchaus eine eigene Bedeutung. Willst Du eine Frage bejahen, reicht manchmal schon eine der Endpartikel allein. Fragt Dich zum Beispiel jemand:
คุณอยากกินข้าว ไหมคะ
kun yàak gin kâao măi ká
Möchtest Du etwas essen?
… kannst Du einfach mit ครับ/คะ /khrup/ká/ antworten. Damit sagst Du im Grunde: „Ja, gerne.“
Je nach Zusammenhang nimmt die thailändische Endpartikel aber ganz unterschiedliche Bedeutungen an. Hier ein Telefongespräch, das ich eines Tages im Einkaufszentrum mitbekommen habe (natürlich nur die eine Seite).
สวัสดีค่ะ, ค่ะ, ค่ะ, ค่ะ, ค่ะ, ค่ะ, ค่ะ, OK ค่ะ, สวัสดีค่ะ
Sà-wàt-dee ká, ká, ká, ká, ká, ká, ká, OK ká, Sawadee ká.
Eine mögliche Deutung: Hallo, ja, genau, klar, stimmt, gut, natürlich, OK, tschüss.
Am sichersten fährst Du wohl mit คฺรับ /kráp/ und คะ /ká/. Als kleine Orientierung hier trotzdem eine kurze Liste (es gibt noch viele mehr) gängiger thailändischer Endpartikel und ihrer Verwendung. Sobald Du diese im richtigen Kontext einsetzt, klingt Dein Thai gleich viel runder, und die Flüssigkeit ist nur noch einen Schritt entfernt.
Umgangssprachliche, weniger förmliche Variante von khrup/khaa, am Ende einer Frage: ฮะ /há/
Beispiel: กินข้าวไหมฮะ
gin kâao măi há
Möchtest Du etwas essen?
Drückt Vertrautheit aus, oder im Umgang mit Kindern oder Personen mit niedrigerem Status: จ๊ะ /já/
Beispiel: กินข้าวไหมจ๊ะ
gin kâao măi já
Möchtest Du etwas essen?
Signalisiert eine sanfte Frage, sucht Zustimmung oder Bestätigung: นะ /ná/
Beispiel: กินข้าวนะ
gin kâao ná
Lass uns essen, ja?
Im Imperativ und zur Betonung: ซิ /sí/
Beispiel: กินข้าวซิ
gin kâao sí
Iss doch was!
Lass uns: เถอะ /tùh/
Beispiel: กินข้าวเถอะ
gin kâao tùh
Komm, lass uns essen.
Ein Weichmacher (lässt alles höflicher klingen): ด้วย /dûay/
Beispiel: ขอข้าวด้วย
kŏr kâao dûay
Könnte ich bitte etwas Reis haben?
Um die Bedeutung eines Satzes abzumildern: หน่อย /nòi/
Beispiel: ขอข้าวหน่อย
kŏr kâao nòi
Könnte ich bitte ein bisschen Reis haben?
Nach einer verneinten Aussage, um sie milder wirken zu lassen: หรอก /ròk/
Beispiel: ไม่อยากกินข้าวหรอก
mâi yàak gin kâao ròk
Ich möchte nichts essen.
Die nächsten drei Partikel gelten als unhöflich, kommen unter Freunden aber oft vor. Ein eigentlich grobes Wort wird zwischen Freunden schnell zum Zeichen von Vertrautheit. Ihre Verwendung ist allerdings ziemlich subtil. Solange Du nicht wirklich sicher im Umgang damit bist, lässt Du sie besser weg.
Zeigt Verachtung, Abneigung, Ekel, Ärger, Wut: วะ /wá/
Ähnlich wie วะ /wá/: โว้ย /wói/
Abwertend, unhöflich oder salopp: ยะ /yá/
Und dann gibt es noch das berüchtigte ครับผม /kráp pŏm/. Diese Endpartikel (von Männern verwendet) wird von Expats oft maßlos überstrapaziert. Sie ist nicht ganz dasselbe wie ครับ /kráp/, denn sie trägt die Bedeutung „mein Herr/meine Dame“ oder „jawohl, mein Herr“ statt eines schlichten „ja“. Sie soll besonders höflich und unterwürfig klingen. Ich bin ja ein Verfechter davon, erst zuzuhören und dann das zu benutzen, was man hört. Genau darin könnte aber das ครับผม /kráp pŏm/-Problem liegen: Wir hören, wie andere es uns gegenüber verwenden. In diesem Fall heißt das aber nicht, dass wir es ihnen zurückgeben sollten.
Ich höre es oft von meinem Gärtner, und auf einer kürzlichen Reise nach Bangkok benutzten es die Taxifahrer am laufenden Band. Normalerweise verwenden es Männer mit niedrigerem Status gegenüber Personen mit höherem Status. Ich habe aber Expats erlebt, die ครับผม /kráp pŏm/ gegenüber kleinen Kindern, Marktverkäufern und Hausangestellten benutzten. Ein schlichtes ครับ kráp würde völlig genügen. Übrigens gibt es theoretisch ein weibliches Gegenstück zu ครับผม /kráp pŏm/, nämlich ค่ะท่าน /kâ tâan/. Gehört habe ich das allerdings noch nie.
Hier ein paar Beispiele, wie ครับผม /kráp pŏm/ benutzt wird:
Chef: อย่าขี้เกียจ ไปทำงาน
yàa kêe gìat bpai tam ngaan
Sei nicht faul. Ab an die Arbeit.
Angestellter: ครับผม
kráp pŏm
Jawohl, Chef.
Und das hier hört man sehr oft:
General: ไปต่อสู้ศัตรู
pai dtòr sôo sàt-dtroo
Bekämpft den Feind.
Soldat: ครับผม
kráp pŏm
Jawohl, Sir! (springt zackig in Habachtstellung und salutiert).
Und wenn Du jemals in den Norden kommst, hörst Du die sehr melodische weibliche Endpartikel จ้าว /jâow/ mit langgezogenem Vokal, gesprochen von den Frauen aus Chiang Mai. Männer aus Bangkok fahren extra nach Chiang Mai, nur um die Mädchen จ้าว /jâow/ sagen zu hören. Da werden sie weich in den Knien.