Chulas Thai-Test für Ausländer: der CU-TFL

Chulas Thai-Test für Ausländer …

Ich sag’s dir ganz unverblümt: Wenn du wissen willst, wo du mit deinem Thai wirklich stehst, geh zum Sirindhorn Thai Language Institute der Chulalongkorn-Universität und mach dort den CU-TFL. Das steht für Chulalongkorn University Proficiency Test of Thai as a Foreign Language. Getestet wird in vier Bereichen: Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen.

Ich höre ständig, mit welchen Begriffen Ausländer, die Thai lernen, um sich werfen. Manche nennen sich untere Mittelstufe, obere Mittelstufe, unteres Fortgeschrittenenniveau, oberes Fortgeschrittenenniveau, fließend bis fast muttersprachlich. Noch schlimmer: Sie werfen mit CEFR-Einstufungen um sich, als hätten die für Thai überhaupt irgendeine Aussagekraft.

Da es in den thailändischen Amtsstuben bisher niemand für nötig hielt, die Thai-Kenntnisse von Ausländern genauso zu testen und einzustufen wie Englisch, bringen solche Einstufungen selten etwas. Ich habe schon Leute gehört, die ihr eigenes Thai mit B1, B2 oder C1 bewertet haben. Solche Selbsteinschätzungen sind bestenfalls subjektiv, schlimmstenfalls schummelt man sich selbst eine bessere Note zu. Ich hab’s schon mal gesagt: Meiner Erfahrung nach überschätzen Ausländer ihr tatsächliches Thai-Niveau ziemlich deutlich.

Sei gewarnt: Der CU-TFL ist kein laues MOE-Einsteigertest nach dem Motto „an die Hand nehmen“ für Ausländer, die bloß eine Verlängerung ihres ED-Visums brauchen. Er ähnelt zwar auffällig dem jährlichen Thai-Prüfungstest des MOE für Ausländer, der den alten ป.๖-Test abgelöst hat. Als ich die Leute von Chula darauf ansprach, sagten sie, sie hätten nicht mit dem MOE zusammengearbeitet und von der Ähnlichkeit nichts gewusst. Was du wirklich wissen musst: Der CU-TFL ist ein knallharter, waschechter Kompetenztest.

Getestet wird in Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen. Anders als beim MOE-Test, wo du alle vier Module ablegen musst, kannst du hier selbst wählen, in welchen Bereichen du getestet werden willst. Ich hab auf Schreiben verzichtet, denn auch wenn ich Thai schreiben kann, tippe ich es meistens nur, und meine Handschrift auf Thai sieht aus wie ไก่เขีย (Hühnerkrakel).

Vor vielen Jahren hab ich drei der vier Module abgelegt: Lesen, Hören und Sprechen. So durchdacht, so stimmig aufgebaut und mit einem derart sauber gestaffelten Schwierigkeitsgrad ist mir noch NIE ein Test begegnet. Auch wenn Lesen und Hören als Multiple-Choice laufen (also mit 25 % Trefferchance beim Raten), kommst du kaum mehr als ein, zwei Fragen über dein tatsächliches Thai-Niveau hinaus. Du fliegst genau auf deinem eigenen Level raus.

Der Vorteil: Den CU-TFL kannst du praktisch jederzeit ablegen, statt bis zum Jahresende auf den MOE-Test zu warten. Und anders als beim MOE-„Massenauftrieb“ am Jahresende, wo du mit ein paar Hundert anderen zusammen antrittst, machst du den CU-TFL ganz allein. Der Ablauf: Du meldest dich online an, wählst die gewünschten Bereiche aus, druckst deinen Beleg aus, überweist das Geld, schickst per E-Mail deine Überweisungsbestätigung, und man schickt dir freie Termine zurück. Ich hab am Dienstag bezahlt, und die Antwort mit freien Terminen für Donnerstag/Freitag kam praktisch sofort.

Auf der thailändischen Version der Website wird das Bewertungssystem mit mehreren internationalen Einstufungssystemen verglichen, etwa ACTFL, IFR, FSI und CEFR. Beim CU-TFL bekommst du in jedem Bereich eine „Note“: Novice (ฝึกพูด), Intermediate (กลาง), Advanced (ดี), Superior (ดีมาก) oder Distinguished (ดีเด่น). Auch wenn ich nur ungern einen direkten Vergleich zum CEFR ziehe: Auf der Website wird es so zugeordnet: Novice = A1–A2, Intermediate = B1, Advanced = B2, Superior = C1 und Distinguished = C2.

Das waren mit Abstand die stressigsten drei Stunden meiner gesamten Thai-Lernreise, die inzwischen fast 9 Jahre dauert! Ich bin völlig unvorbereitet reingegangen und wusste nichts, außer dass auf der Website steht, jeder Test dauere eine Stunde. Genauere Infos dazu, wie die Tests wirklich ablaufen, gibt es kaum. Hätte ich vorher gewusst, was mich erwartet, wäre ich besser vorbereitet gewesen. Mein Thai wäre dadurch nicht besser geworden, aber ich hätte zumindest gewusst, worauf ich mich einstellen muss.

Hier ein Überblick, wie der CU-TFL bei mir abgelaufen ist:

Du kommst zur vereinbarten Zeit und meldest dich an. Nur damit du’s weißt: Im Büro spricht und versteht jeder problemlos Englisch. Als ich ankam, bin ich einfach reinspaziert und hab auf Englisch gesagt: „Hi, ich bin Tod und bin hier für die Thai-Tests.“ Dass ich für einen Thai-Test auf Englisch aufgetaucht bin, schien niemanden zu irritieren. Anders als beim MOE-Test gibt’s offenbar auch keinen Dresscode, ich bin in Levi’s, schwarzem KISS-Bandshirt und Baseballkappe erschienen. Man bringt dich zu einem Schließfach für Handy, Laptop, Bücher und Co., dann geht’s mit der Aufsichtsperson in ein kleines Klassenzimmer. Darin stehen ein Tisch und ein Stuhl, eine laut tickende Wanduhr (die dir schmerzhaft bewusst macht, wie die kostbaren Sekunden verstreichen!) und in der oberen Ecke eine kleine Videokamera. (Bei der Anmeldung stimmst du zu, dass sie dich aufnehmen und für Schulungszwecke verwenden dürfen.) Wenn du willst, darfst du auch eine Flasche Wasser mit reinnehmen.

Lesen: Du bekommst einen Antwortbogen mit 50 Fragen, unterteilt in „Themenblöcke“ (1 bis 6, wenn ich mich recht erinnere), dazu die Lesetexte. Die Lehrerin erklärt dir, dass du eine Stunde Zeit hast und bei jeder Frage ein X in das passende Kästchen mit ก, ข, ค oder ง setzen sollst. Dann geht’s los. Am Anfang ist der Lesestoff einfach: kleine Anzeigen, ein Flugplan mit neuen Flugzielen und Ähnliches. Die ersten Aufgaben hatten nur 3 oder 4 Fragen. Dann wird’s härter! Die Texte werden länger, erst ein halbseitiger Artikel, dann eine ganze Seite, dann anderthalb Seiten, und am Ende hab ich wohl gut 2 ¼ Seiten ziemlich anspruchsvollen Stoff gelesen! Soweit ich mich erinnere (das ist schon etwas verschwommen), ging es im letzten Teil um einen Psychiater, der über Stress bei Thais und dessen Ursachen schrieb. Ich meine, im Ernst?

Denk dran: Für alle 50 Fragen hast du nur eine Stunde, also solltest du entweder ziemlich schnell lesen können oder die Fragen im Blick behalten und gezielt im Text nach Schlüsselwörtern für die Antworten suchen. Ich hab’s (gerade so) geschafft, alle 50 Fragen durchzuarbeiten. Ohne mich selbst zu loben: Ich lese ziemlich schnell und mit ordentlichem Verständnis. Trotzdem musste ich bei ein paar Antworten raten. Außerdem versuchen sie, dich mit Fragen wie „Welcher dieser Punkte gehört NICHT zum Thema“ aufs Glatteis zu führen. Bei solchen Fallen-Fragen ist das „nicht“ unterstrichen, also aufgepasst!

Danach gibt’s eine kurze Pause, oder vielleicht auch nicht. Ich hab einfach gesagt, ich müsse aufs Klo und eine Zigarette rauchen, bin aufgestanden und hab’s getan. Vielleicht weil ich der einzige Prüfling an dem Tag war, oder weil ich einfach hartgesotten genug bin, hat niemand ein Wort dazu gesagt. Ob das auch so läuft, wenn du in einer Gruppe testest, weiß ich nicht.

Hören: Du gehst mit der Lehrerin ins selbe Klassenzimmer, sie erklärt dir noch mal, wie die Multiple-Choice-Fragen funktionieren, dann startet sie eine Tonaufnahme. Auch hier erklärt sie noch mal, wie du richtige Antworten markierst und wie du eine Antwort ungültig machst. Dann kommen etwa 15 Sekunden gesprochenes Thai. Du hörst zu (logisch), und danach liest sie dir die Fragen mitsamt den Antwortmöglichkeiten vor. Als Nächstes kommen rund 30 Sekunden Audio, die im Laufe des Tests immer länger werden. Du bekommst ein Blatt Papier für Notizen, aber das ist kein extra verlangsamtes Anfänger-Thai. Es wird in normalem Sprechtempo gesprochen, und ich konnte einfach nicht gleichzeitig mitschreiben und zuhören. Die Themen reichen von Meinungen über Aussagen und Informationen bis zu Werbeeinblendungen, und am Ende hört man wohl fast 90 Sekunden bis 2 Minuten gesprochenes Thai am Stück. Am Ende bin ich dazu übergegangen, schon während die Aufnahme lief die Fragen mitzulesen, nach Schlüsselwörtern oder Formulierungen aus den Antworten zu horchen und mir kleine Markierungen auf dem Bogen zu machen. Wenn dann die Frage vorgelesen wurde, konnte ich sehen, wie meine Notiz dazu passte. Auch hier hab ich es (gerade so) durch alle 50 Fragen geschafft, aber es war hart.

Nach einer weiteren Klo-/Rauchpause ging’s für mich in den letzten Testteil.

Sprechen: Du bekommst ein Blatt mit dem Ablauf des Tests. Er läuft in Abschnitten mit Bestehen/Durchfallen, du musst einen bestehen, um zum nächsten zu kommen. Es geht in einen Gesprächsraum, dort sitzen zwei thailändische Lehrkräfte, bei mir waren es entweder Studierende oder gerade fertige Uni-Absolventen. Sie erklären den Ablauf so: Die ersten beiden Teile sind im Grunde ein 10-minütiges Interview und 5 Minuten freies Sprechen. Fällst du dabei durch, ist vermutlich Schluss. Überzeugst du die Lehrkräfte, geht’s weiter zum nächsten Abschnitt. Dort bekommst du ein Blatt mit 5 Themen, jeweils auf Englisch und Thai. Du wählst eins aus, hast 5 Minuten für Notizen und sprichst dann etwa 10 Minuten zu dem Thema. Manche dieser Themen hätte ich nicht mal auf Englisch erklären können, so abgefahren waren die! Witzigerweise war eines der Themen „Non-Formal Education“ beziehungsweise การศึกษานอกระบบ. Was für ein Glück, oder? Genau das ist ja jede private Thai-Sprachschule für Ausländer! Reiner Zufall, dass genau dieses Thema dabei war, aber perfekt für mich! Ich hatte 5 Minuten, um mir ein paar Stichpunkte zu notieren (auf Englisch), dann wurde die Zeit gestartet, und ich hielt meine Präsentation. Ich sprach darüber, wie Thai an Ausländer im Vergleich zu Thais unterrichtet wird, über Vor- und Nachteile der Systeme, die weit verbreitete „Union-Clone“-Methodik und die Mühen von Ausländern bei der Verlängerung des ED-Visums für Thai-Unterricht bei der Immigration. Der Timer lief tatsächlich schon ab, während ich noch redete, aber beide Lehrkräfte schienen wirklich interessiert und sagten: „Mach ruhig weiter, sprich zu Ende!“ Das fand ich richtig nett und entgegenkommend von ihnen. Danach hieß es, ich sei für das letzte Modul des Sprechtests qualifiziert.

Im letzten Teil sollte ich eine der Prüferinnen interviewen, mir 5 Minuten Notizen machen und dann 10 Minuten über sie vortragen. Ich hab beschlossen, das zu lassen, sehr zum Bedauern der beiden Lehrkräfte. Beide haben mich gedrängt, es doch zu versuchen, ich hätte damit keine Probleme. Ich hab abgelehnt und gesagt, meine แรง sei หมด, meine Energie am Ende. Sie haben noch mal versucht, mich zu überreden, sogar mit dem Angebot, vorher eine Raucherpause einzulegen. Zu dem Zeitpunkt war ich aber wirklich fix und fertig, meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding, und mein Hemd war komplett durchgeschwitzt. Nach den drei Stunden, die ich schon hinter mir hatte, war einfach keine Energie mehr für diesen letzten Teil da. Im Nachhinein hätte ich lieber eine Rauch-/Klopause einlegen, mich sammeln und mich durchbeißen sollen. Jetzt bereue ich es wirklich, es nicht gemacht zu haben. Ich bin sicher, ich hätte Name, Alter, Familie, Herkunft, ob sie noch studiert, was sie beruflich macht und was sie gern machen würde herausfinden und daraus eine einigermaßen stimmige Präsentation basteln können.

Wie schon gesagt, hab ich den Schreibteil der Prüfung nicht gemacht, dazu kann ich euch also nichts sagen. Vielleicht kann jemand, der diesen Teil auch abgelegt hat, ein paar Tipps beisteuern, wie er abläuft.

Ach, ich sollte noch erwähnen: Weil mein gesprochenes Thai ziemlich derb und, sagen wir, „farbenfroh“ ist, hab ich mich vor dem Sprechteil bei den Lehrkräften vorher entschuldigt. Ich hab ihnen gesagt, ich würde พูดตรงไปตรงมา (direkt reden), พูดแรง (hart reden), manchmal พูดหยาบคาย (unhöflich reden), ประชด (sarkastisch) und ทะลึ่ง (frech), und dass ich, weil ich zu 100 % Amerikaner bin, die typisch thailändischen Sprachmanierismen nicht เลียนแบบ (nachahme), so wie Thais es aus kultureller Prägung tun. Ich hab ihnen gesagt, das sei bei mir สันดาน (ein negativer angeborener Wesenszug), und wir müssten beide damit klarkommen. Sie schienen das locker zu nehmen, und im Interview mit ihnen glaube ich, hab ich alle diese Vorwarnungen ziemlich genau erfüllt!

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Okay, das war’s von mir! Ihr habt jetzt eine viel bessere Vorstellung davon, was euch erwartet, als ich damals hatte. Ich kann es nicht genug empfehlen: Wenn du wirklich wissen willst, wo du mit deinem Thai stehst, mach diese Tests. Es kann stressig sein (für mich war es das definitiv), aber am Ende hast du eine viel klarere Vorstellung davon, wo du sprachlich wirklich stehst.

Viel Glück, und mach’s gut …

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