Wusstest Du, dass Expats ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen haben? Wer weit weg von zu Hause lebt und sich in einem neuen Umfeld zurechtfinden muss, kann Stress, Angst oder Depressionen entwickeln. Psychische Probleme können das Leben aus der Bahn werfen. Zum Glück gibt es in Thailand verschiedene Behandlungsmethoden – mit Beratern und Psychiatern, die nach westlichen Standards ausgebildet sind.
Dieser Artikel informiert nicht nur über psychiatrische Dienste, Krisenunterstützung, Beratung und Psychotherapie in Thailand. Ich berichte auch über echte Erfahrungen – Rückschläge und Erfolge –, die unsere Leser beim Suchen nach Hilfe für psychische Erkrankungen in Thailand gemacht haben. Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre weggelassen.
Wenn Du gerade in einer Krise bist, spring direkt zum Abschnitt mit den 3 Notfalltipps.
Contents
Was ist ein psychisches Problem?
Psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit. Psychische Erkrankungen sind real – und um sie zu überwinden, braucht man oft therapeutische Unterstützung.
Aber was steckt eigentlich dahinter? Liegt ein psychisches Problem vor, oder ist man einfach unglücklich? Sind die eigenen Gefühle eine normale – wenn auch schmerzhafte – Reaktion auf Lebensereignisse? Oder leidet man tatsächlich unter ernsteren psychischen Beschwerden?
Als Expat kann man auf mehr psychische Probleme stoßen, als man erwartet. Eine Studie im International Journal of Mental Health kommt zu folgendem Schluss:
„Personen, die als Expatriates leben, sind verschiedenen Risikofaktoren ausgesetzt, die die ihrer Heimatland-Altersgenossen übersteigen. Expatriates haben ein höheres Risiko für internale und externale Probleme sowie für Substanzmissbrauch.“
Online-Tests und populäre Vorstellungen über psychische Gesundheit sind oft irreführend. Was kann man also tun?
Mal ehrlich nachdenken!
- Versuche, Deine Gefühle zu benennen.
- Bist Du traurig? Ängstlich? Erschöpft? Oder so aufgedreht, dass Du nicht schlafen kannst?
- Reagierst Du auf Lebenssituationen anders als früher?
- Erkennst Du konkrete Auslöser wie sexuelle Probleme, Beziehungsprobleme, Trauer oder traumatische Erinnerungen?
- Wie lange geht das schon so? Kannst Du sagen, wann es angefangen hat?
- Wie dringend fühlt es sich an? Vertrau diesem Gefühl und handle danach.
Hilfe holen
Ein Berater oder Psychotherapeut hilft dabei, das Problem zu verstehen und zu analysieren. Er stellt aber keine psychiatrische Diagnose. Gleichzeitig beginnt die eigentliche Behandlung bereits in der ersten Sitzung.
Liegt tatsächlich ein psychisches Problem vor, erarbeitet der Berater gemeinsam mit einem einen Behandlungsplan.
Wenn das Unglücklichsein keine psychische Erkrankung ist, sondern eine Reaktion auf ein Lebensereignis – etwa einen Verlust, Beziehungsprobleme oder Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung in Thailand – kann ein Berater dabei helfen, diesen Prozess zu begleiten.
Es kann sinnvoll sein, zu gehen (weitere Infos weiter unten). Den eigenen Gedanken und Gefühlen mit einem erfahrenen Berater Raum zu geben, hilft. Der Berater überweist weiter zu einem Psychiater, wenn Medikamente notwendig sind.
Berater sind dazu da, zu helfen und zu begleiten – die eigenen Entscheidungen trifft man aber selbst.
3 Notfalltipps
- Ruf die Samaritans an.
- Geh diese Woche zu einem Berater.
- Wenn die Krise lebensbedrohlich ist, geh in ein internationales Krankenhaus und bitte, den diensthabenden Psychiater zu sprechen.
Psychische Gesundheitsdienste sind VERTRAULICH. Was gesagt wird, bleibt unter uns – außer wenn eine Gefahr für sich selbst oder andere besteht (zum Beispiel bei Suizidgedanken oder geplanter Gewalt).
Die Samaritans anrufen
Die Samaritans sind eine weltweite Organisation mit einer 24-Stunden-Krisenhotline, besetzt von ausgebildeten Freiwilligen. In Thailand ist der englischsprachige Dienst der Samaritans unter (02) 113–6789 Taste 2 erreichbar. Die Samaritans arbeiten anonym – man muss nicht einmal den echten Namen nennen. Kontakt ist auch per E-Mail über die Website möglich.
Die thailändische Regierung betreibt außerdem zwei Krisentelefone auf Thai: 1667 und 1323. Diese Dienste richten sich jedoch hauptsächlich an Thais.
Jetzt einen Berater aufsuchen
Berater sind nicht rund um die Uhr erreichbar. Wenn es bis zum nächsten Morgen warten kann, sollte man jetzt sofort ein Beratungszentrum oder einen Therapeuten per E-Mail kontaktieren. Darauf hinweisen, dass es sich um eine Krise handelt, und so früh wie möglich einen Termin vereinbaren – und ihn dann auch einhalten.
Berater und Psychotherapeuten urteilen nicht. Gemeinsam lässt sich herausfinden, was gerade im Inneren vorgeht – und ein Behandlungsplan erarbeiten.
Zwei bekannte Beratungszentren in Bangkok sind NCS und PSI. Sie helfen dabei, den passenden Berater zu finden. Auch Therapeuten in eigener Praxis nehmen in Krisensituationen oft kurzfristig Termine an.
Beratung ist ein Prozess, der sich über mehrere Wochen oder Monate erstreckt. Trotzdem berichten viele, dass schon die erste Sitzung einen spürbaren Unterschied für das Wohlbefinden macht.
Berater können bei Bedarf auch eine Überweisung zum Psychiater ausstellen, wenn Medikamente notwendig sind.
Bei lebensbedrohlicher Krise: Diensthabenden Psychiater im internationalen Krankenhaus aufsuchen
Man kann jederzeit – auch nachts – in ein internationales Krankenhaus gehen und nach dem diensthabenden Psychiater fragen. Wichtig ist dabei, dass der Psychiater gut Englisch spricht.
Psychische Probleme sollte man nicht mit Familienmitgliedern oder Freunden besprechen. Krankenhäuser fragen nach Zahlung oder Versicherungsnachweis. In einer Krise sollte das aber kein Hindernis sein. Die eigene Gesundheit hat Vorrang.
In Bangkok haben das Bangkok Hospital und das Manarom Hospital eigene psychiatrische Abteilungen. Aber jeder Psychiater kann in einem Notfall helfen.
Berater und Psychologen nehmen eine Einschätzung vor und helfen, das Problem zu verstehen.
Auch wenn die Behandlung bereits in der ersten Sitzung beginnt, wird keine psychiatrische Diagnose gestellt.
Die häufigsten psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen können viele Formen annehmen. Auch wenn man sich nur leicht „nicht in Ordnung“ fühlt, lohnt es sich, Hilfe zu suchen.
Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich verlor täglich die Geduld mit meiner Familie. Ich hatte Wutausbrüche, unrealistische Hochs und Tiefs. Es kam soweit, dass ich keine Entscheidungen mehr treffen konnte – weder große noch kleine. Ich wusste, dass ich Hilfe brauchte, wollte aber einen Ort finden, an dem ich mich wohlfühle – weil psychische Gesundheit in Thailand anders wahrgenommen wird. Gleichzeitig war mir klar, dass meine Optionen begrenzt waren. – TSK-Leserin
Schauen wir uns einige der häufigsten psychischen Probleme an, mit denen Expats konfrontiert werden – und wo man Hilfe bekommt.
Depression
Auch wenn man schnell sagt „Ich bin deprimiert“, wenn man sich schlecht fühlt: Klinische Depression ist eine medizinische Diagnose. Depressionen sind keine Traurigkeit, Unzufriedenheit oder Erschöpfung – auch wenn diese Symptome auftreten können.
Depression ist ein anhaltender Zustand von tiefer Antriebslosigkeit, Motivationsverlust und Konzentrationsschwäche. Sie geht mit negativen Gedanken und einem geringen Selbstwertgefühl einher. Lebensereignisse können eine Depression auslösen, die Ursachen sind jedoch komplex und oft schwer zu benennen. Im Ausland zu leben, ohne ein verlässliches soziales Netz, kann Einsamkeit und Isolation verstärken – und so eine Depression begünstigen. Depressionen können in ihrer Schwere sehr unterschiedlich sein. Wenn Symptome länger als zwei Monate anhalten – oder kürzer, aber besonders stark sind –, sollte man sich Hilfe holen. Eine klinische Depression muss von Fachleuten diagnostiziert werden.
Hier gibt es eine gute Übersicht zum Thema Depression.
Depressionen lassen sich mit Beratung und Medikamenten behandeln.
Angst (einschließlich Panikattacken)
Angst ist nicht per se ein psychisches Problem. Angst kann sogar sinnvoll sein – sie schützt vor Gefahren. Wenn Furcht, Nervosität und ständige Sorgen jedoch dauerhaft anhalten und den Alltag beeinträchtigen, wird es zum Problem. In der klinischen Form wird die Erkrankung als Generalisierte Angststörung diagnostiziert. Das Leben im Ausland konfrontiert einen mit vielen Ungewissheiten – und diese können bereits vorhandene Ängste verstärken. Wer merkt, dass die Sorgen überhand nehmen und das Leben spürbar beeinflussen, sollte Hilfe suchen.
Wie Depressionen kann auch Angst leicht, mittelschwer oder schwer ausgeprägt sein und ist oft mit Stress verbunden. Panikattacken können erschreckend sein – sie sind eine überschießende Reaktion des Stresssystems. Angststörungen können solche Attacken auslösen. Fachkundige Beratung ist in jedem Fall ratsam.
Wie Depressionen lassen sich auch Angststörungen behandeln.
Kindheitstrauma
Kindheitstraumata können ein Leben lang nachwirken. Die Herausforderungen, die ein Umzug in ein anderes Land mit sich bringt, können traumatische Erinnerungen wieder an die Oberfläche bringen. Kindheitstraumata entstehen durch psychischen und emotionalen Missbrauch, Vernachlässigung, Mobbing und Überprotektion. Die Symptome können denen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ähneln.
Kindheitstraumata können Angst- und Depressionssymptome verursachen. In der Psychotherapie lassen sie sich behandeln. Wer sich einem Trauma stellt und Hilfe sucht, kann damit den Beginn eines neuen Lebensabschnitts einläuten.
Anpassungsprobleme in Thailand
Die Eingewöhnung in das Leben in Thailand kann psychische Probleme zutage fördern. Wie geht man mit Isolation um? Mit dem Verlust sozialer Netzwerke? Wie findet man seinen Platz in der thailändischen Gesellschaft? Was möchte man hier eigentlich erreichen?
Beratung kann helfen, Lösungen zu finden, bevor sich diese Fragen zu ernsteren Problemen auswachsen.
Sexuelle Probleme
Sexualität wird oft totgeschwiegen oder auf schädliche Weise thematisiert. Sexuelle Probleme und Schamgefühle rund um die eigene Sexualität können das Selbstwertgefühl untergraben und Beziehungen belasten. Wer einen Berater sucht, der auf sexuelle Themen spezialisiert ist, kann davon ausgehen, dass dieser schon alles gehört hat – ohne zu urteilen oder zu beschämen.
Sexuelle Orientierung
Sexuelle Orientierung ist kein psychisches Problem. Probleme entstehen jedoch durch den Umgang mancher Menschen mit anderen, die eine andere Orientierung haben. Wer LGBTQIA (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intersexuell oder asexuell) ist, möchte vielleicht einen Berater finden, der mit den spezifischen Lebensrealitäten vertraut ist. In den Ressourcen unten gibt es entsprechende LGBTQIA-Links.
Beziehungsprobleme
Enge Beziehungen bringen das Beste und das Schwierigste in uns zum Vorschein. Interkulturelle Paare haben dabei eine zusätzliche Ebene zu bewältigen.
Paarberatung hilft, effektiver miteinander zu reden. Es lohnt sich, nach einem Spezialisten für Paarberatung zu suchen.
Essstörungen
Essprobleme wie Bulimie, Binge Eating und Anorexie betreffen in Thailand viele Menschen – Thais wie Ausländer gleichermaßen. Am besten werden sie von Ärzten, Beratern und Ernährungsberatern gemeinsam behandelt. Wenn eine Essstörung schwerwiegend ist und langfristige stationäre Behandlung erfordert, kann eine Rückkehr ins Heimatland die bessere Lösung sein. Bei Jugendlichen mit einer Essstörung empfiehlt es sich, den Schulberater zu kontaktieren und sich eine Überweisung geben zu lassen.
Behandlung
Suchtbehandlung
Suchtbewältigung erfordert tägliche Aufmerksamkeit – besonders in der Anfangsphase. Die bewährteste Methode ist die Anonymen Alkoholiker (AA). Sie haben auch Gruppen für Drogen, Esssucht, Spielsucht und andere Abhängigkeiten. AA-Treffen sind anonym und bringen Betroffene und Genesende zusammen. Außerdem gibt es ein Patenmodell, bei dem erfahrene Mitglieder mit mehr als zwei Jahren Abstinenz als Mentoren fungieren.
In Bangkok, Chiang Mai, Pattaya, Hua Hin und anderen Touristengebieten finden englischsprachige AA-Treffen statt. AA bietet außerdem Online-Foren und Thailand-weite Meetings an. Das Angebot ist kostenlos und wirksam.
Stationäre Suchtbehandlung ist in verschiedenen Zentren in Thailand verfügbar. Weitere Infos in den Ressourcen unten.
Wer mit einer schweren Sucht kämpft und eine längere stationäre Behandlung braucht, sollte erwägen, dafür ins Heimatland zurückzukehren.
Beratung und Psychotherapie
Beratung und Psychotherapie ähneln sich – beide zählen zu den sogenannten Gesprächstherapien. Der Therapeut begleitet dabei, Probleme zu erkennen, ihre Ursachen zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Beratung umfasst mehrere Sitzungen, je nach Art und Schwere des Problems.
Der Berater ist dazu da, zuzuhören und zu helfen. Therapie ist nicht wertend und vertraulich. Das Ziel ist, die eigene Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen. Berater und Psychotherapeuten haben langjährige Ausbildungen absolviert, die in ihren Heimatländern anerkannt sind.
Gesprächstherapien haben eine hohe Erfolgsquote.
Bei der Wahl eines Beraters sollte man auf das eigene Bauchgefühl hören. Vertrauen ist die Grundlage – der Berater muss einen wirklich verstehen. Ein guter Berater fordert auch heraus und erleichtert so den Wandel. Die Suche nach dem richtigen Therapeuten ist bereits Teil des Genesungsweges. Auch dem Psychiater und seinem Wissen über die richtige Medikation muss man vertrauen können. Fragen stellen ist ausdrücklich erwünscht.
Berater und Psychotherapeuten folgen verschiedenen therapeutischen Schulen, passen ihren Ansatz aber den Bedürfnissen des Einzelnen an. Wer zum ersten Mal in Beratung geht, kann ruhig nach der Methode und dem theoretischen Hintergrund fragen. Dabei sollte man nicht vergessen: Die Beziehung zwischen Klient und Therapeut ist das wirksamste Heilmittel überhaupt.
Psychiater und Medikamente
Ein Psychiater ist ein Arzt mit Zusatzausbildung in Psychiatrie, dem medizinischen Fachgebiet für psychische Erkrankungen. In Thailand darf ein Arzt Medikamente verschreiben. Bei Verschreibungen sollte man jedoch darauf bestehen, einen Psychiater zu sehen – nicht nur einen Allgemeinmediziner.
Bangkok Hospital, Manarom Hospital und das Chulalongkorn Hospital haben Psychiater, Berater und weitere Gesundheitsfachleute. Beratungszentren wie PSI und NCS sowie niedergelassene Therapeuten können Überweisungen zu den Psychiatern und Kliniken ausstellen, mit denen sie zusammenarbeiten.
In Thailand überweisen Psychiater nicht automatisch zur Beratung – in manchen anderen Ländern arbeiten diese beiden Berufsgruppen hingegen eng zusammen.
Fragen zur Medikation stellen ist wichtig und immer erlaubt.
Psychiater sind in internationalen Krankenhäusern in Bangkok und Chiang Mai erreichbar – außerhalb dieser Städte ist die Versorgungslage deutlich dünner.
Es gibt nur einen approbierten Psychiater pro 250.000 Einwohner. Das öffentliche Gesundheitsziel ist ein Psychiater pro 100.000 Menschen. In der thailändischen Kultur ist es unüblich, Therapie aufzusuchen, solange die Symptome einer psychischen Erkrankung nicht offensichtlich sind. Konservative Thais stehen Menschen, die in Therapie gehen, oft skeptisch gegenüber. – Dr. Somrak Chuwanichawong, Bangkok’s Srithanya Hospital
Mehr zum Unterschied zwischen Psychiatern und Psychotherapeuten – am Beispiel der USA.
Stationäre Behandlung
Die meisten leichten bis mittelschweren psychischen Erkrankungen lassen sich ambulant behandeln – man kann dabei weiter am Alltag teilnehmen, Lösungen aus der Therapie ausprobieren, Beziehungen reparieren und die eigenen Umstände verbessern. Stationäre Hilfe ist notwendig, wenn man nicht mehr in der Lage ist, das eigene Leben zu bewältigen. Einige Krankenhäuser in Bangkok bieten stationäre Behandlung an, wenn die Krankenversicherung diese abdeckt.
Auch für Suchtbehandlung gibt es stationäre Angebote. Wenn das Problem jedoch über einen langen Zeitraum das Funktionieren beeinträchtigt oder besonders schwer ist, kann eine Behandlung im Heimatland sinnvoller sein – dort sind kulturelle Hürden geringer, man ist näher an Freunden und Familie, und Hilfe ist oft erschwinglich oder kostenlos.
Unfreiwillige psychiatrische Behandlung (Zwangseinweisung)
Wie in den meisten Ländern ist es auch in Thailand möglich, Personen mit schweren psychischen Störungen, die eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellen, gegen ihren Willen zu behandeln – wenn ein Psychiater dies für notwendig hält.
In der Praxis ist dies jedoch ein aufwendiger Prozess, der thailändische Rechtsverfahren einschließt. Fälle, in denen Ausländer behördlich zur Heimkehr für eine Behandlung gedrängt werden, sind selten. Es empfiehlt sich, eine Patientenverfügung zu erstellen, in der eine Vertrauensperson in Thailand benannt wird, die Behandlungsentscheidungen übernehmen kann, falls man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Name und Kontaktdaten dieser Person sollte man stets bei sich tragen.
Fachleute für Kinder und Jugendliche
Die meisten internationalen Schulen haben Schulberater, die den psychischen Bedarf von Kindern einschätzen und auch Therapiesitzungen anbieten können. Den Schulberater aufzusuchen ist klug – kein Zeichen von Schwäche. Er kann das Kind auch an Therapeuten und bei Bedarf an Psychiater weitervermitteln. Die Merak Clinic in Nonthaburi ist ein integriertes Zentrum für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, das unter anderem Autismus und ADHS behandelt. Manche niedergelassenen Therapeuten sind ebenfalls auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert. Vor dem ersten Termin sollte man sich vergewissern, dass der Berater mit der entsprechenden Altersgruppe arbeitet.
Paarberatung
Ich wünschte, wir wären früher zur Paarberatung gegangen! Das ist der häufigste Kommentar von Klienten. Paarberatung bedeutet, zu lernen, wie man wirkungsvoll, offen und mit Neugier und Mitgefühl miteinander redet – und wie man Konflikte löst. Paarberatung kann eine Beziehung nicht retten. Aber sie kann beiden helfen herauszufinden, was man voneinander erwartet – und wie man das Beste aus der Situation macht. Am besten fragt man den eigenen Berater nach einer Empfehlung für einen Spezialisten in Paarberatung.
EAP – Employee Assistance Programs
Viele Unternehmen bieten sogenannte Employee Assistance Programs an – in Thailand ist dieses Angebot oft wenig bekannt. Es lohnt sich, bei der Personalabteilung nachzufragen. Solche Programme gibt es besonders häufig bei Arbeitgebern wie internationalen Schulen. Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen haben Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Beratungssitzungen pro Jahr, die vom Arbeitgeber bezahlt werden.
Die Beratung ist vertraulich – der Arbeitgeber erfährt nicht, was besprochen wurde. In schwerwiegenden Fällen kann eine Weiterüberweisung an spezialisierte Hilfsangebote erfolgen.
Selbsthilfe und Wohlbefinden
Von traditioneller Massage über Meditation bis hin zu Selbsthilfegruppen – Thailand hat einiges zu bieten. Psychische Erkrankungen sprechen gut auf Behandlung an. Meditieren lernen lässt sich in einem Kloster oder einem englischsprachigen Meditationszentrum wie dem Little Bangkok Meditation Center oder dem Rojana Dhamma Center.
Wer an einem Yoga-Retreat teilnehmen, Yoga, Qi Gong oder Alexander-Technik in einem Yoga-Center praktizieren oder die heilsamen Wirkungen einer traditionellen Thaimassage erleben möchte – das alles gibt es hier. In Bangkok, Hua Hin oder Chiang Mai kann man Meetups und Selbsthilfegruppen finden, die dabei helfen, wieder Freude ins Leben zu bringen.
Körperliche Bewegung und mentale Aktivierung sind wichtige Bausteine bei der Behandlung von Depressionen und Angststörungen. Freundschaften mit Gleichgesinnten aufzubauen und sich mit der Welt zu verbinden, hilft, psychische Erkrankungen besser zu bewältigen.
Fernberatung
Wer außerhalb der großen Städte lebt, muss sich möglicherweise auf Fernberatung per Zoom oder anderen Videoplattformen verlassen. In Thailand ansässige Berater möchten einen jedoch mindestens einmal persönlich sehen. Daneben gibt es auch seriöse Online-Beratungsangebote, wenn man lieber mit einem Berater aus dem Heimatland arbeiten möchte.
Nach einer Fernberatung kann Medikation auch zugestellt werden.
Die Sprache der psychischen Gesundheit
Da psychische Gesundheitsbehandlung auf Gesprächen beruht, spielt die Sprache eine zentrale Rolle.
Die meisten internationalen Berater in Thailand arbeiten auf Englisch. In Bangkok und Chiang Mai lassen sich auch Berater in den wichtigsten europäischen Sprachen, auf Japanisch oder Mandarin finden. Ein Beratungszentrum kann dabei helfen, die passende Empfehlung zu bekommen.
Psychiater in internationalen Krankenhäusern sprechen gut Englisch. Wer außerhalb der großen Städte lebt, sollte zunächst in ein Krankenhaus in der nächsten Großstadt fahren, um Diagnose und Verschreibung zu erhalten – und dort darum bitten, an ein örtliches Krankenhaus weitergeleitet zu werden. Regelmäßige Kontrolltermine beim Psychiater sind wichtig.
Behandlung in Thailand oder zurück in die Heimat?
Berater und Psychiater in internationalen Krankenhäusern arbeiten nach westlichen Standards und kennen die Situation von Expats gut. Ob man auf Reisen ist oder langfristig in Thailand lebt – die Unterstützung hier ist gut.
Die Ausnahmen bilden schwere und langfristige psychische Erkrankungen, die stationäre Hilfe erfordern. In solchen Fällen kann die Rückkehr ins Heimatland die bessere Lösung sein – sowohl finanziell als auch in Bezug auf Behandlung und soziale Unterstützung. Das gilt auch für die langfristige Suchtbehandlung. Wer abseits der Städte lebt, muss unter Umständen weite Wege in Kauf nehmen, um Behandlung zu erhalten.
Krankenversicherung bei psychischen Erkrankungen
Nicht alle Versicherungspläne decken psychiatrische Behandlung ab. Wenn ein Tarif sie abdeckt, gilt in der Regel eine Wartezeit von zehn Monaten, bevor man einen Psychiater aufsuchen kann.
Reiseversicherungen schließen das in der Regel nicht ein.
Bei manchen Versicherungen fallen Zuzahlungen für psychische Erkrankungen an. Versicherungsoptionen genau vergleichen.
Krankenversicherungen können Wartezeiten von 6 bis 10 Monaten haben, je nach Anbieter. Wer so früh wie möglich nach der Ankunft in Thailand eine Versicherung abschließt, kann bei Bedarf schneller einen Psychiater aufsuchen – ohne lange warten zu müssen.
Manche Beratungszentren bieten auch Sozialtarife auf gleitender Skala an – für Menschen mit geringem Einkommen und ohne Versicherung.
Ressourcen
Hinweis: Die unten aufgeführten Dienste sind auf Thai und Englisch verfügbar. Manche haben eine thailändischsprachige Website. Laut meiner Recherche antworten die Mitarbeiter jedoch auf Englisch.
Krankenhäuser mit eigener Psychiatrieabteilung
Ich habe jemandem geholfen, der absichtlich eine Überdosis Medikamente genommen hatte. Ich brachte ihn ins Manarom Hospital. Ich war schockiert, als sie ihn ans Bett fesselten. Aber das ist dort wohl durchaus üblich. Ich fand, dass das Personal sich trotz der Sprachbarriere gut um ihn gekümmert hat. Ich würde das Krankenhaus jedem empfehlen, der Hilfe braucht. – Ein deutscher Freund von Karsten
- Internationale Krankenhäuser in Bangkok wie Bumrungrad, BNH und Samitivej haben Psychiater im Bereitschaftsdienst.
Beratungszentren
- PSI (Psychological Services International): Bangkoks größtes und zentralstes Beratungszentrum. Große Auswahl an internationalen und thailändischen Beratern.
- NCS (New Counseling Service): Bangkoks dienstältestes Beratungszentrum – seit fast 20 Jahren aktiv. Internationale und thailändische Berater.
- Center for Psychological Wellness der Chulalongkorn University: Günstiger Service für die Allgemeinheit, besetzt von Beratern und Psychiatern der Chulalongkorn University. Wartelisten möglich.
- Bangkok Community Resources: Umfassende Übersicht verfügbarer Hilfsangebote.
Sie haben mir wirklich sehr geholfen. Vor sieben Jahren starb meine thailändische Frau an Aids und ich musste mich alleine um ihre Tochter kümmern. Ohne die Hilfe von Chrissy und Alex von The Life Change People hätte ich das alles nicht geschafft. – Ozzi Jarvinen, Inhaber von Iglu.net
Psychiatrische Dienste in thailändischen Krankenhäusern außerhalb Bangkoks
Das Englischniveau variiert stark. Vorher nachfragen. Auf einen Psychiater für Verschreibungen bestehen – nicht nur den Hausarzt aufsuchen. Nicht auf Familienmitglieder als Übersetzer verlassen.
Suchtberatung
- AA: Anonyme Alkoholiker
- The Cabin: Beratungszentrum in Bangkok und stationäre Einrichtungen in Chiang Mai
- Dara Thailand: Stationäre Behandlung in Chantaburi und Ko Chang
- Inspire rehab: Stationäre Hilfe in Bangkok
Krisentelefone
Samaritans Thailand: [email protected]
Samaritans Thailand: (02) 113–6789 Taste 2
Thailändischsprachige Krisentelefone: 1667/1323
HINWEIS: DIESE NUMMERN FUNKTIONIEREN ÜBERALL IN THAILAND.
Ressourcen für Kinder und Jugendliche
- Merak Clinic: Die bevorzugte Anlaufstelle der meisten Schulen und Berater. Spezialisierte Behandlung durch Experten für psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.
LGBTQIA-Ressourcen
- Tangerine Center: Bietet ganzheitliche Dienstleistungen für die Transgender-Community an.
Selbstfürsorge, Entspannung, Meditation
- Little Bangkok Sangha: Bietet Meditationsveranstaltungen und -retreats auf Englisch an.
- Rojanna Dhamma Foundation: Veranstaltungen und Meditation im zentralen Sukhumvit.
- Yoga-Center lassen sich online recherchieren.