Was ist der größte Irrtum von Lernenden beim Thailändisch?
Von den 50 Befragten haben sich 22 auf Töne und Aussprache konzentriert. Doch das Bild ist gemischt. Einige meinten, die Töne seien durchaus zu meistern, während andere zwischen „wichtig“ und „längst nicht so schlimm wie befürchtet“ schwankten. Und 14 nannten den Irrglauben, Thailändisch sei eine schwer zu lernende Sprache.
Und jetzt kommt der Rest des Interviews …
Aaron Handel
Aaron: Die meisten Menschen klammern sich an das, was ihnen vertraut ist. Am wohlsten fühlen sie sich mit den Lauten ihrer Muttersprache. Die Töne im Thailändischen wirken auf sie umständlich, nebensächlich und fremd. Manche reden sich sogar ein, dass Töne überflüssig seien. Das ist ein großer Irrtum.
Ich habe viele Ausländer getroffen, die sich mit ihren thailändischen Freundinnen recht gut verständigen, von anderen aber nicht verstanden werden. Dieses „Thai“ wird meist in einem Monoton gesprochen oder bekommt eine Betonung, die eher die Gefühlslage des englischen Sprechers wiedergibt. Das ist kein Thailändisch.
Einmal traf ich einen Chinesen, der „Thai“ in atemberaubendem Tempo sprach. Er hatte es in sechs Monaten bei chinesischen Lehrern gelernt. Es gab nur ein Problem: Egal, wie sehr ich mich anstrengte, ich verstand ihn einfach nicht. Seine vom Chinesischen geprägten Töne ergaben für mich keinen Sinn. Manche chinesischen Dialekte haben bis zu 13 verschiedene Töne. Mir kam es vor, als benutzte er mindestens 13, wenn nicht mehr! Mir wurde ganz schwindelig dabei. Er tat mir ein bisschen leid. Es wird ihn viel Zeit kosten, das falsch Gelernte wieder zu verlernen.
Thailändisch zu sprechen heißt nicht nur, Töne zu benutzen, sondern für jede Silbe den richtigen Ton zu treffen. Zum Glück gibt es im Thailändischen nur fünf Töne. Der Ton eines Wortes ist fester Bestandteil seiner Bedeutung. Stell Dir das so vor: Du gehst in ein Restaurant und möchtest gegrilltes Hähnchen bestellen. Du solltest nach gài yâhng fragen (wörtlich: Hähnchen gegrillt). Yâhng ist das Verb für grillen und wird mit fallendem Ton ausgesprochen. Sagst Du yahng aber mit mittlerem Ton, bestellst Du ein Gummihuhn!
Meistens haben Thais etwas zu lachen, wenn ein Ausländer den Ton verpatzt, doch manchmal führt der falsche Ton zu echten Missverständnissen. Der tonale Unterschied zwischen nah (glâi, mit fallendem Ton) und fern (glai, mit mittlerem Ton) hat schon so manchen Ausländer ziellos umherirren lassen.
Aaron Le Boutillier
Aaron: Dass Töne nicht wichtig seien. Ich habe Leute sagen hören, man solle sich nicht zu viele Gedanken machen, der Satzzusammenhang reiche schon aus. Belege dafür habe ich nie gesehen. Der beste Rat, den ich je bekommen habe und der mir auf meinem Weg geholfen hat, war: „Finde Deine thailändische Stimme.“
Adam Bradshaw
Adam: Dass sich die Sprachbarriere nie überwinden lässt, haha. Geduld ist eine Tugend, besonders beim Thailändischlernen!
Andrew Biggs
Andrew: Dass man es schaffen kann, ohne Lesen und Schreiben zu lernen.
Chris Pirazzi
Chris Pirazzi: Dass irgendein Umschriftsystem ihnen zeigt, wie man die Laute des Thailändischen bildet.
Colin Cotterill
Colin: Einer davon ist sicher der Glaube, man komme im Leben ohne Töne aus. Ich habe viele Ausländer getroffen, die ihr Thai im Monoton herunterrattern und dann erstaunt sind, wenn man sie nicht versteht. Besonders verbreitet ist das bei Langzeit-Expats. In der Beziehung zu einem Partner, dessen Ohr auf das Farang-Thai geeicht ist, kommen sie damit durch, scheitern dann aber daran, der Kellnerin oder dem Tankwart die simpelste Sache zu erklären. Thailändisch ist eine Tonsprache. Die Töne zu lernen ist die halbe Miete. Und Ton und Vokabeln gleichzeitig zu lernen ist der sinnvollste Weg. Entweder lernst Du zuerst lesen, bevor Du Dir Vokabeln aneignest, oder Du gehst den Cotterill-Weg und lernst Vokabeln in Tongruppen. Auch hier mit Eselsbrücken: eine Wortgruppe, die für den hohen Ton oben auf einem Berg lebt, eine andere, die für den fallenden Ton aus einem Flugzeug fällt, und so weiter.
Daniel B Fraser
Daniel: Ich glaube, es ist der Gedanke, man müsse perfekt klingen, bevor man als Thai-Sprecher akzeptiert wird. Aber Thailändisch hat so viele Stile und Akzente, dass man sich von den Lauten und Tönen nicht einschüchtern lassen sollte. Geh einfach raus und versuch es.
David Long
David: Dass Sprachenlernen schwierig sei. Ich bin überzeugt, dass die Schwierigkeit vor allem darin liegt, wie wir es angehen! Mir scheint: Wenn ein Zweijähriger es kann, dann kann ich es auch, und es muss gar nicht schwer sein!
David Smyth
David Smyth: Ein Irrtum ist, dass Thais Dich nicht verstehen, wenn Du einen Ton falsch triffst. Ein anderer: Wer Töne nicht sofort „hört“ oder unterscheiden kann, könne sich die Mühe gleich sparen und gar nicht erst weiter versuchen, die Sprache zu lernen. Manche Lernende können Töne fast von Anfang an genau hören und wiedergeben, andere brauchen länger … kommen aber trotzdem ans Ziel.
Ein weiterer Irrtum ist, dass Sprechen allein genüge und man nicht schreiben müsse. Schon 1906 warnte Basil Osborn Cartwright vor „jenen, die sich einbilden, sie könnten in ein paar Wochen einen Brocken der Sprache ‚aufschnappen‘, indem sie Wörter papageienhaft aus romanisierten Fassungen lernen, die ausnahmslos irreführend sind“ und die „eine absolute Verschwendung von Zeit, Geld und häufig auch Nerven“ darstellten.
Don Sena
Don: Es ist womöglich der größte Irrtum überhaupt, der jede Fremdsprache betrifft: das Unwissen über das Phänomen der Polysemie, also die Bandbreite verwandter Bedeutungen, die fast an jedem Wort einer Sprache hängt. Wegen dieser Polysemie gibt es keine Eins-zu-eins-Entsprechungen zwischen den Bedeutungen eines Wortes in der einen und denen irgendeines Wortes in einer anderen Sprache.
Doug
Doug: Dass man die thailändische Schrift sofort lernen müsse (für Lernende in formelleren Programmen) und/oder dass informelle Methoden auf Dauer funktionieren (für jene, die auf eigene Faust lernen).
Gareth Marshall
Gareth: Dass die Aussprache nicht wichtig sei.
Glenn Slayden
Glenn: Eine häufige Antwort auf diese Frage lautet, man solle sich „wegen der Töne nicht verrückt machen“. Vielleicht wirken sie einschüchternd, und wenn das nur eine Ausrede ist, die Sprache nicht zu lernen, kann man ihre Bedeutung anfangs vielleicht herunterspielen. Doch meiner Erfahrung nach sind sie tatsächlich wichtig, gerade weil ich selbst ein schwacher Ton-Anwender bin. Und die Tonregeln (mit denen man den gesprochenen Ton aus der Schreibweise ableitet) sind schwer. Ich habe das letzte Woche mit meiner Sprachpartnerin besprochen, einer thailändischen Muttersprachlerin, die hier in Seattle für den TOEFL lernt. Für mich war es frustrierend, weil sie nicht verstand, wovon ich sprach: Thailändische Muttersprachler haben das Tonsystem als kleine Kinder so verinnerlicht, dass ihnen oft gar nicht bewusst ist, dass es Regeln gibt, die erwachsene Lernende erst beherrschen müssen. Manche Thais, mit denen Du Dich verständigst, können sich die verschiedenen Möglichkeiten Deiner falschen Töne vorstellen, schmunzeln und verstehen Dich trotzdem; andere scheinen so etwas wie den Unterschied zwischen „Katze“ und „Hund“ zu hören und sind von Deiner Äußerung völlig verwirrt.
Grace Robinson
Grace: Der Gedanke, es werde besonders schwierig.
Hamish Chalmers
Hamish: Dass Menschen aus dem Westen die Töne weder hören noch nachbilden könnten.
Hardie Karges
Hardie: Dass die Töne ein riesiges Hindernis beim Sprachenlernen seien. Töne sind Teil der korrekten Aussprache, aber das sind viele andere Dinge auch, etwa lange und kurze Vokale, die kaum jemand erwähnt. Sobald Du lesen kannst, „siehst“ Du die Töne ebenfalls, denn sie sind mitgeschrieben.
Auch tonloses Thai ist noch verständlich: Man denke an Laotisch, das sich in den Tönen deutlich vom Thailändischen unterscheidet, aber kein echtes Hindernis darstellt. Viele Kambodschaner sprechen Thailändisch, wenn auch ohne Töne, und sind trotzdem verständlich. Einige der Wörter, die sie mit dem Thailändischen teilen, werden tatsächlich genauso ausgesprochen, obwohl Khmer streng genommen eine tonlose Sprache ist.
Herb Purnell
Herb: Menschen sind wirklich verschieden, was ihren Lernstil angeht, ihre Motivation für Thailändisch, ihre Lebenssituation, ihre Möglichkeiten, Unterricht zu bekommen (falls sie überhaupt daran interessiert sind) und ihre Bereitschaft, die Sprache oft und mit vielen verschiedenen Menschen zu nutzen und sich dabei verletzlich zu machen. Deshalb lässt sich wohl kaum etwas sagen, das auf alle passt. Aber hier ein paar Gedanken.
Für Leute wie mich wäre ein Irrtum, das geschriebene Thai sei die „eigentliche“ Sprache. Die eigentliche Sprache ist die gesprochene mit ihren vielen Stilen und Sprachebenen. Die Schrift ist reizvoll, exotisch und fordernd, und Lesen ist ab dem Mittelstufenniveau sehr wertvoll, doch für mich bleibt es dem gesprochenen Thai untergeordnet.
Ein weiterer Irrtum ist, die Sprache sei richtig leicht, weil sie nicht diese ganze Komplexität von Suffixen und Präfixen wie im Russischen mitbringe. Oder umgekehrt, Thailändisch sei wirklich schwer, vielleicht undurchschaubar und für Nicht-Thais womöglich unerlernbar, wegen der Töne, der lockeren Handhabung von Singular und Plural, der fehlenden Zeitformen und so weiter. Die erste Sicht kann zu Überheblichkeit führen, wenn die lernende Person anfangs einen schnellen Schub erlebt. Die zweite kann entmutigen und die Motivation senken, bis man auf eine Mischung aus Thai und Englisch zurückfällt, sich mit gebrochenem Thai zufriedengibt oder daran verzweifelt, sich je zu verbessern. Für die meisten funktioniert ein mittlerer, ausgewogener Weg: Manches ist leicht zu erfassen, anderes schwierig, aber letztlich lernbar; man muss nur positiv bleiben, weiter hart arbeiten und die Begegnung mit Menschen in ihrer Herzenssprache genießen.
Für manche, vielleicht für die in einem festen Kurs, ist ein Irrtum: Wenn ich aufpasse und meine Hausaufgaben mache, vielleicht Sprachschnipsel auf Kassette, CD oder im Internet höre, dann kommt die Sprache schon von selbst. Vielleicht tut sie das, doch der eigentliche Lohn beim Sprachenlernen, ob im Selbststudium oder im Klassenzimmer, liegt im Umgang mit Menschen, im Kennenlernen und im Austausch von Ideen. In meiner aktuellen Arbeit an einer Sprachschule in Bangkok, wo ich den Lehrplan überarbeite, schreibe ich sehr gezielte und machbare Aufgaben, mit denen Lernende das im Unterricht Gelernte außerhalb des Klassenzimmers im Gespräch mit Thais anwenden können, von ganz einfachen Aufgaben am Anfang bis hin zu komplexeren Interviews auf der oberen Mittelstufe. Diese Aufgaben verzahnen das Lernen im Unterricht mit dem Lernen in der Gemeinschaft, und wenn Lernende bereit sind, sie zu nutzen, helfen sie ihnen, eigenständig zu werden, mit Fähigkeiten, die lange nach Kursende noch tragen.
Hugh Leong
Hugh: Der größte Fehler ist, die Bedeutung der thailändischen Töne nicht ernst genug zu nehmen. Meiner Meinung nach versteht Dich niemand, wenn Du die Töne falsch triffst, ganz gleich, wie freundlich man Dich anlächelt, wie viele Vokabeln Du kennst oder wie gut Du liest und schreibst. Lass mich das ein wenig einschränken. Wenn Du jemanden hast, mit dem Du viel Zeit verbringst, Deinen Partner, Deine Geliebte, die Haushälterin, den Golf-Caddie, kann er Deine falschen Töne vielleicht „entschlüsseln“ und erraten, was Du meinst. Das wird dann eher zu einem Idiolekt, Deiner ganz eigenen Sprache, die nur wenige verstehen.
Hier ist der Grund, warum Töne so wichtig sind. Die Laute des Englischen lassen sich in drei sehr wichtige Teile gliedern: Konsonanten, Vokale und Intonation. Triffst Du einen davon falsch, hat Dein Gegenüber Mühe, Dich zu verstehen. Nehmen wir an, wir verhaspeln uns bei den Konsonanten. Du willst „Your life is fine“ sagen, vertauschst aber die Konsonanten und es kommt „Your wife is mine“ heraus, nur zwei kleine Konsonantenwechsel. Sagst Du das aber zur falschen Person, merkst Du schnell, wie wichtig Konsonanten im Englischen sind. In diesem Fall sprechen wir von einer „morphemischen“ Veränderung, sie ändert die Wortbedeutung. Wohl niemand würde behaupten, es sei unwichtig, die englischen Konsonanten und Vokale zu lernen. Warum also bestehen manche darauf, die thailändischen Töne seien fürs Sprechen und Verstandenwerden nicht entscheidend?
Im Thailändischen sind Töne genauso wichtig wie Konsonanten und Vokale. Änderungen der Töne führen zu „morphemischen“ Änderungen der Wörter. Sie bedeuten dann etwas anderes. Spricht man tonloses Thai, ist das, als spräche man alle englischen Wörter mit nur einem einzigen Konsonanten. Aus „Your life is fine“ wird „Tour Tife is Tine“.
Kein Wunder, dass Thais uns manchmal verständnislos ansehen. Ich behaupte nicht, dass es leicht ist, die thailändischen Töne zu lernen. Ich ernte diese Blicke selbst noch ab und zu. Und wenn das passiert, gebe ich nicht dem Zuhörer die Schuld, dass er mich nicht versteht. Ich weiß, dass ich einfach noch etwas härter daran arbeiten muss. In einem meiner Lieblingsbücher, Alice im Wunderland, diskutieren Alice und Goggelmoggel darüber, ob „sagen, was man meint“ dasselbe sei wie „meinen, was man sagt“. Ich konnte nie herausfinden, wer recht hatte. Aber ich weiß: Wenn wir beim Thailändischen nicht die richtigen Töne benutzen, meinen wir immer das eine und sagen das andere.
Ian Fereday
Ian: Dass es schwieriger sei als jede andere Sprache. Für Europäer ist eine Sprache, die das ABC-Alphabet nutzt, natürlich immer leichter, weil sie sie (größtenteils) schon lesen können. Deshalb finde ich, Lernende sollten das Lesen zuerst aus dem Weg räumen. Dann steht es dem Sprechen und Verstehen nicht im Weg.
James (Jim) Higbie
Jim: Manche sagen, die Töne seien nicht wichtig, aber Dein Thai klingt ziemlich holprig, wenn Du sie nicht lernst.
Joe Cummings
Joe: Dass man die Töne lernen kann, ohne lesen zu lernen. Kinder lernen durch reines Nachahmen, Erwachsene nicht. Erwachsene Lernende profitieren enorm davon, die Sprache kommunikativ einzusetzen (wie in der Silent-Way-Methode) und zugleich die Struktur ausdrücklich zu besprechen (Grammatik-Übersetzung). Du musst die Sprache von beiden Seiten angehen, Struktur und Kommunikation.
John Boegehold
John: Das ist aus meiner Sicht schwer zu sagen, weil ich beim Start überhaupt keine Vorstellungen hatte! Bei anderen Lernenden ist mir aber eine recht verbreitete aufgefallen: der Gedanke (oder die Hoffnung), der Ton sei beim Aussprechen eines thailändischen Wortes zweitrangig, obwohl er fürs klare Verstandenwerden genauso wichtig ist wie Konsonanten und Vokale.
Jonathan Thames
Jonathan: Dass es besonders schwer und/oder unmöglich sei. Ich weiß nicht, jede Menge Dinge. Genau das passiert, wenn man eine Sprache lernt: Hunderte von Irrtümern lösen sich mit der Zeit auf. Zumindest war das meine Erfahrung.
Justin Travis Mair
Justin: Dass es ZU schwer sei. Jede Sprache zu lernen ist schwierig, und Thailändisch kann noch schwerer wirken, weil es kaum etwas mit dem Englischen gemein hat. Trotzdem ist es gut machbar, und ich glaube nicht, dass es jemandem verwehrt bleibt, fließend Thai zu sprechen, der bereit ist, es zu versuchen.
Larry Daks
Larry: Ich weiß nicht, was der größte Irrtum ist, aber dieser hier hält Leute davon ab, überhaupt loszusprechen: Wenn Du Wörter falsch aussprichst, könne der Zuhörer Dich nicht verstehen. In manchen Situationen stimmt das, doch wenn Du Wörter in ganzen Sätzen verwendest, können Deine Zuhörer den Sinn oft aus dem Zusammenhang erschließen.
Luke Cassady-Dorion
Luke: Dass es für Ausländer unmöglich sei, Thai zu lernen, dass die Töne eine unüberwindbare Hürde seien (wer schon einmal in einem Karaoke-Lokal war, weiß, dass dieses Land voller tontauber Thais ist, die ihre eigene Sprache trotzdem bestens beherrschen) und dass das Schriftsystem ein Hindernis sei.
Marc Spiegel
Marc: Der Glaube, man komme mit der Umschrift durch. Natürlich kannst Du die Sprache lernen, und ich habe Freunde, die fließend Thai sprechen; ihre Aussprache ist allerdings recht schwach, und in vielen Fällen verstehen Thais nicht, was sie sagen, bis sie den Großteil des Gesprächs gehört und das Thema erfasst haben. Um Thailändisch wirklich zu beherrschen, bin ich fest überzeugt, musst Du richtig Thai lesen lernen.
Marcel Barang
Marcel: Dass Lesen und Schreiben schwierig sei: Es braucht zwar Zeit, lohnt sich aber ungemein. Wenn Du Dich für einige Jahre in Thailand niederlässt, ist es die Investition ins Lesen und Schreiben wert. Mein einziges Bedauern: Ich habe nie gelernt, Thai zu tippen. Das wäre in meinem Beruf praktisch gewesen, um online in Wörterbüchern nachzuschlagen oder Dinge zu googeln.
Mark Hollow
Mark: Dass Lesen und Schreiben zu schwer oder unnötig sei. Ja, es dauert lange und braucht regelmäßige Übung, aber zu schwer ist es nicht. Der Nutzen, lesen zu können, ist enorm.
Martin Clutterbuck
Martin: Dass man diese Sprache lernen kann, ohne das Schriftsystem zu lernen.
Nils Bastedo
Nils: Ich glaube, jeder Mensch ist in diesem Punkt einzigartig. Da Thais gern loben und von Ausländern nicht viel erwarten, kann man leicht ein falsches Erfolgsgefühl entwickeln. Bleib bescheiden. Weit fortgeschritten bist Du erst, wenn Du thailändische Filme und Nachrichten mühelos verfolgst und Bücher und Zeitungen liest. Wer keine Zeitung lesen kann, ist bestenfalls auf Mittelstufenniveau.
Paul Garrigan
Paul: Ich glaube, die Leute erwarten schnelle Fortschritte, aber so läuft es bei den meisten von uns nicht. Meist hält man sich an einem Tag für fast fließend, um am nächsten zu merken, dass noch ein weiter Weg vor einem liegt. Es ist leicht, den Mut zu verlieren, weil das Ziel immer weiter weg zu rücken scheint. Trotzdem: Wer dranbleibt, wird besser. Es kann allerdings lange dauern; bei manchen von uns sehr, sehr lange.
Peter Montalbano
Peter: Ich glaube, verschiedene Leute haben verschiedene Irrtümer. Manche meinen, die Töne seien nicht wichtig, und das ist so falsch, wie es nur sein kann. Manche bemerken den Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen nicht. Manche verstehen den Unterschied zwischen aspirierten und nicht aspirierten stimmlosen Verschlusslauten nicht (p, t, k, ph, th, kh).
Und ich habe schon einige Leute Fließendheit für sich beanspruchen hören, die gerade genug Vokabeln für ein einfaches Gespräch hatten. Das könnte aus dem Irrtum stammen, den ich von vielen Sprechern indoeuropäischer Sprachen gehört habe: dass diese Sprache so leicht zu lernen sei wie eine andere europäische. Auf einfachem Sprechniveau mag das stimmen, vielleicht ist es sogar leichter. Aber am Ende kommt sie von der anderen Seite der Welt, und sie sprechen zu lernen ist, als wachse einem eine zweite Seele. Es gibt fast keine sprachlichen Verwandtschaften, also ist der Wortschatz, den Du von Grund auf lernen musst, gewaltig. Die Grammatik wirkt auf den ersten Blick unglaublich einfach, doch das täuscht. Auf fast jeder Lernstufe stößt Du auf Sätze, die ohne Hilfe kaum zu entschlüsseln sind. Wenn Du wie ich bist, macht der Lernprozess viel Spaß, ist aber deutlich schwerer als Dein Spanischkurs im dritten Jahr oder was auch immer.
Rick Bradford
Rick: Ein häufiger Irrtum ist, Thailändisch sei zu schwer zu lernen. Ein anderer, glaube ich, gerade bei Leuten, die zu sprechen begonnen haben: dass es nicht entscheidend sei, die Töne zu beherrschen.
Rikker Dockum
Rikker: Dass Thailändischlernen irgendetwas anderes sei als faszinierend, mitreißend und lohnend. Außerdem der Irrtum, dass Lesen und Schreiben unwichtig seien oder sich auf später verschieben ließen.
Ryan Zander
Ryan: Dass die Töne der schwerste Teil des Sprechens seien. Wenn ich Leute schlecht Thai sprechen höre, fallen mir fast immer ihre falschen Konsonantenlaute ins Ohr.
Scott Earle
Scott: 1. Dass die Töne nicht wichtig seien (sind sie aber wirklich!) 2. Dass man sich das Lesen und Schreiben sparen könne. Es macht eine schwierige Aufgabe deutlich leichter!
Stephen Thomas
Stephen: Dass man mit der Romanisierung durchkomme. Es gibt Konsonanten- und Vokallaute im Thailändischen, die wir im Englischen schlicht nicht haben. Dazu erledigen die Vokale, die wir verwenden, doppelte und dreifache Arbeit. Im Thailändischen ist ein Vokal nur genau dieser eine Vokallaut, mit Ausnahme einiger Vokalkombinationen, die als eigenständige Diphthonge gelten. Der Buchstabe A allein steht für vier verschiedene thailändische Vokale. Im Englischen kann ich einen A-Laut in einem Wort durch einen anderen ersetzen, und Du erkennst, dass es derselbe Buchstabe ist; für einen Thai hast Du damit aber die Schreibweise komplett geändert. Außerdem werden manche Vokale im Thailändischen länger gehalten als andere, doch im lateinischen Alphabet haben wir keine Möglichkeit, das zu kennzeichnen. Das führt dazu, dass man die Betonung auf die falsche Silbe legt, was wiederum eine völlig andere Schreibweise ergibt.
Wann immer ich einen Namen oder Ort in lateinischen Buchstaben geschrieben sehe, suche ich nach der thailändischen Schreibweise, um zu sehen, wie es wirklich ausgesprochen wird. Manche Regieassistenten haben mir „Karaoke“-Skripte angeboten, und ich lehne ab.
Thailändisch ist eigentlich eine bemerkenswert leichte Sprache, um auf ein Grundniveau zu kommen, und wie jede Sprache braucht es Übung, guten Unterricht und viel Drillen. Ein großes Problem ist meiner Meinung nach, dass Thais, so wunderbar sie in vielem sind, nicht die besten Lehrer der Welt sind. So viele stehen einfach im Klassenzimmer und reden. Mitreißend zu unterrichten scheint in Thailand in der Lehrtechnik keinen hohen Stellenwert zu haben.
Stickman
Stickman: Dass die Sprache wegen der Töne schwierig sei. Ist sie nicht!
Stuart (Stu) Jay Raj
Stu: Dass es „schwer zu lernen“ sei, nur weil es rund 40 Konsonanten gibt. … ach ja, und dass „die Töne schwierig“ seien.
Tom Parker
Tom: Dass man sich bei der korrekten Aussprache auf Umschriftsysteme verlassen könne.
Thomas Lamosse
Thomas: Abkürzungen nehmen. Der ständige Versuch, einen großen Wortschatz aufzubauen, bevor man die Wörter, die man schon kann, richtig ausspricht. Lerne jedes Wort in Deinem Wortschatz perfekt auszusprechen, bevor Du neue hinzunimmst.
Meiner Meinung nach ist es besser, zehn Wörter perfekt zu sprechen, als einen riesigen Wortschatz zu haben, den man durch falsch ausgesprochene Buchstaben, Töne und Vokale verhunzt.
Tod Daniels
Tod: Dass es ihnen nicht gelingen werde, Thai zu lesen und das Gelesene zu verstehen. Es braucht Zeit und unzählige Stunden Vokabelpauken und Wiederholung, aber für mich ist es weit leichter, Geschriebenes auf Thai zu lesen und zu verstehen, als als Ausländer klar Thai zu sprechen.
Dazu die alte, lahme Ausrede: Ich kann kein Thai, weil ich tontaub bin und die Unterschiede zwischen ähnlich klingenden, aber unterschiedlich betonten Wörtern nicht höre. Anfangs konnte ich das auch nicht und hätte beinahe aufgegeben. Dann fing ich an, die verschiedenen Töne in häufigen Wörtern zu lernen, die ich oft benutze: weiß, Reis, Hemd, Matte, Tiger und so weiter (über Tiger rede ich allerdings selten!). Schließlich begann ich tatsächlich, die Töne zu hören, wenn Thais mit mir sprachen. Ich konzentrierte mich außerdem NUR auf den fallenden und den steigenden Ton, weil die anderen drei in der Umgangssprache ruhig verschwimmen dürfen, ohne dass ein Thai etwas weniger versteht.
Ich glaube, JEDER, der sich darauf einlässt, kann lernen, zumindest auf Konversationsniveau Thai zu sprechen, sich verständlich zu machen und seine alltäglichen Erledigungen auf Thai abzuwickeln.
Vern Lovic
Vern: Vielleicht ist es der Gedanke: „Wenn ich Thai lerne, kann ich Thai.“
Ich meine damit: Es gibt so viele Dialekte im Thailändischen, dass Du Thai können und nach einem Umzug 100 km weiter trotzdem Mühe haben kannst. Als meine Frau vom Isaan in den Süden zog, war sie genauso verdutzt wie ich. Das hat mir sehr geholfen. Der südliche Dialekt ist sehr anders. Kaum tonale Ausprägung und jede Menge Vokallaute. Ich mache mit den Mönchen im Tempel Spaß, wenn sie Südthai mit mir reden, indem ich nachahme, wie es für mich klingt, was sie gerade gesagt haben … Das klingt dann ungefähr so: „Aweeooweeeweeee Oh Wa?“