Wenn Du in Thailand ein Unternehmen führst, kann es passieren, dass Du einen Brief vom Finanzamt (Revenue Department) bekommst, in dem eine Prüfung Deines Unternehmens angekündigt wird. Manchmal kommen die Finanzbeamten in Dein Büro. In anderen Fällen musst Du selbst zum Finanzamt gehen.
Wenn das passiert, keine Sorge. Dieser Artikel zeigt Dir, wie Du mit den Finanzbeamten umgehst und mögliche Fehler vermeidest.
Prüfe die Echtheit
Bei den meisten Prüfungen schickt Dir das Finanzamt vorab einen Brief, der den Besuch ankündigt. Es ist ein offizielles Schreiben mit dem Wappen der thailändischen Regierung, dem Garuda, sowie einem konkreten Datum, einem Ort und dem Zweck der Prüfung.
Wenn Du den Termin nicht wahrnehmen kannst, rufst Du das Finanzamt an und vereinbarst einen neuen.
Finanzbeamte sollten normalerweise nicht in Dein Büro kommen, ohne den Brief vorab verschickt zu haben.
Wenn die Finanzbeamten in Dein Büro kommen, geschieht das in den meisten Fällen:
- als Gruppe
- während der Dienstzeiten der Behörde
- in einem Fahrzeug mit dem Aufkleber des Finanzamts
- mit Dienstausweisen des Finanzamts
Du kannst diese Beamten bitten, ihre Dienstausweise zu zeigen, und beim Call Center des Finanzamts unter 1161 oder bei Deinem örtlichen Finanzamt anrufen, um das zu überprüfen.
Wenn jemand, der sich als Finanzbeamter ausgibt, ohne den Brief in Dein Büro kommt, lass die Person nicht herein, bevor Du ihre Identität geprüft hast. Ruf stattdessen das Finanzamt an, um die Echtheit zu überprüfen.
Manchmal kommt ein Finanzbeamter auch ohne Brief zu Dir. Das passiert aber normalerweise nicht.
Den Zweck verstehen
Es gibt zwei Gründe für die Prüfung.
Der erste ist, die Rechtmäßigkeit Deines Unternehmens zu bestätigen. Diese Art von Prüfung gilt neu registrierten Unternehmen. Die Finanzbeamten wollen sicherstellen, dass Du Dein Unternehmen rechtmäßig führst, und geben Dir Hinweise zur Steuererklärung.
Der zweite Grund ist herauszufinden, ob Du Deine Steuern korrekt einreichst und erklärst, sowohl die Körperschaftsteuer als auch die Mehrwertsteuer.
Dafür musst Du mit Deinem Buchhalter zusammenarbeiten und die entsprechenden Unterlagen vorbereiten.
Du musst Deine Einnahmen, Ausgaben und Quittungen über die Steuererklärung nachweisen.
Die richtigen Unterlagen vorbereiten
Du solltest nur die nötigen Unterlagen vorbereiten. Gibst Du ihnen mehr, als sie verlangen, finden sie womöglich einen weiteren Fehler und prüfen Dich noch genauer.
Beachte, dass manche Unterlagen wie Bankbücher weitere Fragen der Finanzbeamten auslösen können. Du kannst Unterlagen vorab bereitlegen, solltest sie aber erst zeigen, wenn Du danach gefragt wirst.
Dich selbst vorbereiten
Je nach Zweck der Prüfung musst Du zusätzlichen Aufwand betreiben und Dich auf alle Fragen vorbereiten, die das Finanzamt während der Prüfung stellen könnte.
Geht es darum zu prüfen, ob Dein Unternehmen rechtmäßig ist, stellen die Finanzbeamten womöglich Fragen zu Deinem Unternehmen und geben Dir Hinweise, wie Du in Thailand Steuern erklärst.
Geht es dagegen um die Steuerzahlung, solltest Du die nötigen Angaben bereithalten, etwa wann Du Steuern zahlst und wie sie berechnet werden.
Englischsprachige Buchhalter mitbringen
Die Finanzbeamten kommen womöglich mit einem Aufnahmegerät, um die Prüfung per Tonaufnahme festzuhalten.
Auch wenn es nicht zwingend nötig ist, solltest Du während der Prüfung mit einem Buchhalter dabei sein, der Englisch spricht.
Dein Buchhalter ist hier die Schlüsselperson. Er oder sie übernimmt die Vermittlung zwischen Dir und den Beamten.
Du solltest derjenige sein, der die Fragen auf Englisch beantwortet, und Deinen Buchhalter bitten, sie ins Thailändische zu übersetzen.
So fällt es den Finanzbeamten schwerer, Dir weitere Fragen zu stellen, vor allem konkrete zu Deinem Unternehmen.
Ist eine Frage unklar, bitte die Finanzbeamten, sie zu erläutern, und lass Deine Antwort von Deinem Buchhalter genau übersetzen.
Mit den Ergebnissen umgehen
Nach der Prüfung geben Dir die Finanzbeamten ein Dokument zur Unterschrift.
Lies es und unterschreibe erst, wenn Du es verstanden hast und mit den Ergebnissen zufrieden bist.
Nach der Unterschrift wird es deutlich schwieriger, die Ergebnisse anzufechten oder über zusätzliche Steuern, Zuschläge oder Strafen zu verhandeln.
Führt die Prüfung zu zusätzlichen Steuern, Zuschlägen oder Strafen, hast Du drei Möglichkeiten:
- den festgesetzten Betrag zahlen
- nachfragen, ob eine gesetzlich zulässige Ermäßigung oder ein Erlass möglich ist
- die Festsetzung anfechten
Wenn Du überzeugt bist, dass Du alles richtig gemacht hast, kannst Du einen Termin vereinbaren, um weitere Unterlagen nachzureichen und die Festsetzung anzufechten.
Dieser Prozess kostet allerdings viel Zeit. Manche zahlen den festgesetzten Betrag, wenn er nicht hoch ist, anstatt ihre Zeit damit zu verbringen, sich für eine weitere Runde mit den Finanzbeamten vorzubereiten und mit ihnen zu sprechen.
Liegt der Fehler bei Dir, kannst Du trotzdem nachfragen, ob eine gesetzlich zulässige Ermäßigung oder ein Erlass möglich ist. Darüber kannst Du mit den Finanzbeamten sprechen, um eine etwaige Strafe zu verringern.
Unterlagen verschicken
Wenn Du Unterlagen an die Finanzbeamten schicken musst, erstelle immer eine Dokumentenliste mit allen Unterlagen, die Du ihnen sendest, und bitte sie, diese zu unterschreiben.
Sollten die Finanzbeamten Deine Unterlagen verlieren, kannst Du sie zu Deiner Absicherung nutzen.
Außerdem hält das die Finanzbeamten davon ab, weitere Unterlagen von Dir zu verlangen, vor allem solche, die Du bereits geschickt hast.
Dasselbe solltest Du auch tun, wenn die Finanzbeamten Dir Deine Unterlagen zurückgeben.
Zum Schluss
Behalte immer im Hinterkopf, dass Finanzbeamte auch nur Menschen sind. Sie können bei der Berechnung Deiner Steuern Fehler machen. Du musst nicht alles, was sie sagen, hinnehmen und ihnen zustimmen.
Wenn Du Dich an die Gesetze und Vorschriften hältst, solltest Du vor ihnen sicher sein.
Wenn Dich ein Beamter um Schmiergeld bittet, um Bußgelder zu umgehen, lass Dich nicht darauf ein. Das kann Dich ins Gefängnis bringen.
Melde es stattdessen über offizielle Wege, etwa beim Finanzamt oder bei den thailändischen Antikorruptionsbehörden.