Thailand zieht Auswanderer aus aller Welt an. Wenn Du Amerikaner bist, solltest Du vor dem Umzug jedoch ein paar Dinge bedenken. Die US-Regierung besteuert Dein Einkommen, egal wo Du lebst. Deshalb erkläre ich Dir hier, was mit Deiner Sozialversicherungssteuer passiert, wenn Du nach Thailand ziehst.
Contents
Das Wichtigste in Kürze
- Thailand hat kein Sozialversicherungsabkommen (Totalization Agreement) mit den USA. Das bedeutet, dass die US-amerikanische und die thailändische Sozialversicherung völlig unabhängig voneinander funktionieren.
- Amerikaner, die für ein US-Unternehmen arbeiten und in Thailand leben, zahlen weiterhin Sozialversicherungsbeiträge über ihren Lohn; der Umzug ins Ausland ändert daran nichts.
- Arbeitest Du in Thailand für ein Unternehmen, das nicht aus den USA stammt, schuldest Du in der Regel weder US-Sozialversicherungsbeiträge noch die Self-Employment Tax.
- Selbstständige Amerikaner können die Foreign Earned Income Exclusion (FEIE) nutzen, um ihr zu versteuerndes Einkommen zu senken. Die FEIE befreit jedoch nicht von der Self-Employment Tax (Sozialversicherung und Medicare in Höhe von 15,3 %).
- Eine Möglichkeit, die Self-Employment Tax zu umgehen, ist die Gründung einer ausländischen Kapitalgesellschaft: Du zahlst Dir selbst ein Gehalt und nutzt die FEIE in Deiner persönlichen Steuererklärung. Dafür musst Du jedoch das komplexe Formular 5471 einreichen, bei dem Fehler mit einer Strafe von 10.000 US-Dollar (rund 8.500 Euro) geahndet werden.
- Digitale Nomaden, die über ein thailändisches Unternehmen arbeiten, werden vom IRS möglicherweise trotzdem als selbstständig eingestuft, unabhängig davon, wie die Regelung vor Ort aussieht.
- Bevor Du Deine Gehaltsstruktur änderst, solltest Du einen auf US-Auslandssteuerrecht spezialisierten Berater konsultieren; lokale Steuerberater (CPAs) haben oft wenig Erfahrung mit Steuererklärungen für Auswanderer.
Was ist Social Security?
Was ist Social Security eigentlich? Social Security ist ein staatliches System, in das Du und Dein Arbeitgeber zu gleichen Teilen einzahlen. Es sichert Dir eine Rente im Alter und Leistungen, falls Du Deinen Job verlierst. Der IRS erhebt die Steuern und leitet sie in die Social Security Trusts weiter. Es gibt zwei solcher Fonds: den Federal Old-Age and Survivors Insurance Trust Fund und den Federal Disability Insurance Trust Fund. Um später Leistungen zu erhalten, musst Du mindestens 40 Quartale, also etwa 10 Jahre, in das System einzahlen.
Verdienst Du mehr als 127.000 US-Dollar (Stand 2017; rund 107.950 Euro), erhebt der IRS auf den übersteigenden Betrag keine weitere Sozialversicherungssteuer. Wie hoch Deine späteren Leistungen ausfallen, hängt davon ab, wie viel Du während Deines Arbeitslebens verdient hast. Arbeitest Du beispielsweise für ein US-Unternehmen, zieht Dein Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge direkt von Deinem Lohn ab. Bist Du hingegen selbstständig, zahlst Du Sozialversicherung und Medicare zu einem Satz von 15,3 %. Das ist die sogenannte Self-Employment Tax.
Totalization Agreements (Sozialversicherungsabkommen)
Die US-Regierung hat mit anderen Ländern sogenannte Totalization Agreements (Sozialversicherungsabkommen) geschlossen. Ziehst Du in ein Land, das ein solches Abkommen mit den USA unterzeichnet hat, und arbeitest dort, zahlst Du in die dortige Sozialversicherung ein. Wenn Du in Rente gehst, fließen Deine Beiträge in die US-amerikanische Social Security.
Arbeitest Du jedoch in Thailand, funktionieren die beiden Systeme unabhängig voneinander. Du zahlst keine Beiträge in die US-Sozialversicherung, während Du gleichzeitig Steuern in Thailand entrichtest. Trotzdem musst Du weiterhin die US-Sozialversicherungssteuer zahlen. Der IRS befreit nur Löhne, die am oder nach dem Inkrafttreten eines Totalization Agreement gezahlt wurden. Eine ausführliche Erklärung zu den Folgen der Sozialversicherungssteuer im Ausland findest Du auf der Website des IRS.
[thrive_leads id=’11038′]
Der Umzug ins Ausland
Angestellt in einem Unternehmen
Arbeitest Du für ein amerikanisches Unternehmen, zahlt Dein Arbeitgeber seinen Anteil an der Sozialversicherung und behält Deinen Anteil vom Lohn ein. Am Jahresende weist das Unternehmen diese einbehaltenen Beträge auf Deinem W-2-Formular aus.
Arbeitest Du dagegen für ein Unternehmen außerhalb der USA, zahlst Du weder Sozialversicherungssteuer noch Self-Employment Tax. Sozialversicherungsbeiträge fallen nur an, wenn Du für einen „amerikanischen Arbeitgeber“ im Sinne von IRC 3306(j)(3) arbeitest. Dabei spielt es keine Rolle, wem die Anteile an diesem Unternehmen gehören. Ausländische Kapitalgesellschaften zählen jedoch nicht dazu.
Wenn Du eine auf Deinen Fall zugeschnittene steuerliche Beratung möchtest, kontaktiere uns.
Selbstständige
Foreign Earned Income Exclusion
Bist Du in Thailand selbstständig, kannst Du bis zu 101.300 US-Dollar (rund 86.105 Euro) Deines im Ausland erzielten Einkommens von der Steuer ausnehmen. Dafür nutzt Du die Foreign Earned Income Exclusion (FEIE), allerdings nur, wenn Du entweder den Physical Presence Test oder den Bona Fide Residence Test erfüllst. „Im Ausland erzielt“ bedeutet Einkommen, das in einem anderen Land erwirtschaftet wurde. Arbeitest Du als Amerikaner beispielsweise in Thailand, hast Du ausländisches Einkommen erzielt. Arbeitest Du als Amerikaner dagegen in New York City, hast Du US-Einkommen erzielt.
Um den Physical Presence Test zu erfüllen, musst Du innerhalb von 12 aufeinanderfolgenden Monaten mindestens 330 Tage in Thailand verbringen. Diese 12 Monate müssen nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen, sie können zum Beispiel im März 2016 beginnen und im Februar 2017 enden. Den steuerfrei ausgenommenen Betrag kannst Du anteilig berechnen, indem Du die Zeit berücksichtigst, die Du im betreffenden Jahr im Ausland verbracht hast.
Der Bona Fide Residence Test ist schwieriger zu erfüllen. Ein Jahr im Ausland zu leben, reicht dafür nicht aus. Du musst ein ganzes, ununterbrochenes Steuerjahr lang in einem fremden Land ansässig sein. Ob Du die FEIE letztlich bekommst, hängt zudem von Dauer und Art Deiner Tätigkeit ab.
Um als Ansässiger eines Landes zu gelten, musst Du dort mindestens 180 Tage verbringen. Das allein qualifiziert Dich aber noch nicht für die FEIE. Verbringst Du mehr als 180 Tage in Thailand, giltst Du als thailändischer Steueransässiger, kannst Dein dort erzieltes Einkommen aber trotzdem nicht über die FEIE ausschließen.
(Hinweis: Der Begriff „ansässig“ hat im Steuerrecht eine andere Bedeutung als im Einwanderungsrecht.)
Die FEIE bewahrt Dich nicht vor der Self-Employment Tax. Diese entspricht für Selbstständige der Sozialversicherung und Medicare. Mehr über die Self-Employment Tax erfährst Du beim IRS.
Wie Du die Self-Employment Tax vermeiden kannst
Um die Self-Employment Tax zu vermeiden, kannst Du eine Kapitalgesellschaft gründen. Du zahlst Dir selbst ein Gehalt und nutzt anschließend die FEIE in Deiner persönlichen Steuererklärung. Dafür musst Du allerdings das Formular 5471 einreichen. Es ähnelt einer Körperschaftsteuererklärung. Da die USA jedoch keine Hoheit über ausländische Kapitalgesellschaften haben, muss der US-amerikanische Anteilseigner das Formular stattdessen seiner persönlichen Steuererklärung beifügen. Auf diese Weise zahlst Du keine Self-Employment Tax mehr.
Das Formular 5471 auszufüllen ist alles andere als einfach. Wende Dich deshalb an eine Firma wie 1040 Abroad, die sich auf US-Auslandssteuerrecht spezialisiert hat. Viele lokale Enrolled Agents und Steuerberater kennen sich mit dem Formular 5471 nicht aus. Und denk daran: Fehler oder ein nicht eingereichtes Formular 5471 werden mit einer Strafe von 10.000 US-Dollar (rund 8.500 Euro) geahndet.
Wenn Du keine Self-Employment Tax mehr zahlen möchtest, kannst Du in Thailand ein eigenes „Board of Interest“-Unternehmen gründen oder eine Kapitalgesellschaft in einem anderen Land wie Hongkong errichten.
Du solltest die langfristigen Folgen bedenken, egal ob Du in die Sozialversicherung einzahlst oder nicht. Das System bringt Dir Vorteile. Ob Du auf die Self-Employment Tax (Sozialversicherung) verzichtest und damit auch auf die späteren Leistungen, bleibt letztlich Deine Entscheidung.
Digitale Nomaden
Als digitaler Nomade könntest Du daran interessiert sein, für ein Unternehmen zu arbeiten, das Dich „anstellt“ und Deine Kunden „abrechnet“. So kannst Du im Rahmen des thailändischen Einwanderungsrechts eine Arbeitserlaubnis erhalten. Der IRS betrachtet Dich jedoch weiterhin als selbstständig und nicht als Angestellten des Unternehmens.